Terbutalin ist ein β-Sympathomimetikum mit vorwiegender β2-Selektivität; erst bei höheren Dosierungen kommt es auch zu einer Stimulation der β1-Rezeptoren. Es besitzt einen schnellen Wirkungseintritt und eine kurze Wirkdauer und gehört zur Gruppe der „short acting beta agonists“ (SABA). Terbutalin kann oral, subkutan oder inhalativ verwendet werden und bewirkt prinzipiell eine Relaxation der glatten Muskulatur in den Bronchien, den Blutgefäßen sowie der Uterusmuskulatur. Inhalativ wirkt es bronchodilatativ. Der überwiegende Anteil der inhalativen Dosis wird verschluckt; im Gastrointestinaltrakt beträgt die Resorption 50% und unterliegt einem relevanten First-Pass-Metabolismus. Die Bioverfügbarkeit von Terbutalin bei der subkutanen Anwendung beträgt 100%. Terbutalin ist plazentagängig.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Obstruktive Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Bronchitis; subkutane Gabe zur Akutbehandlung, wenn eine inhalative Gabe von β2-Sympathomimetika nicht möglich ist.
- Produktnamen
Aerodur®, Bricanyl® und andere.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: SEHR HOCH
1. Trimenon
Die Gruppe der β2-Sympathomimetika ist mit über 40.000 im 1. Trimenon exponierten Schwangerschaften gut untersucht. Auch zu Terbutalin gibt es Erfahrungen zu mehreren tausend Schwangerschaften. Der Großteil der Studien ergab keine Hinweise auf ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko. Zwar wurden in mehreren Fall-Kontroll-Studien erhöhte Risiken für unterschiedliche spezifische Fehlbildungen gefunden, diese wurden jedoch in anderen Studien nicht bestätigt und es zeigte sich auch kein spezifisches Fehlbildungsmuster. Insgesamt sprechen die Ergebnisse gegen ein substantiell erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
2.-3. Trimenon / Perinatal
In mehreren Studien zeigte sich keine Assoziation mit einem geringen Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit oder weiteren negativen Auswirkungen auf den Feten oder das Neugeborene. Bei Anwendung sehr hoher Dosen kurzwirksamer β2-Sympathomimetika kann es als unerwünschte Nebenwirkung bei Mutter und Kind zu Tachykardien kommen. In der Vergangenheit sind zum Teil schwerwiegende maternale Nebenwirkungen bei der hochdosierten systemischen Therapie im Rahmen der Tokolyse beschrieben worden. Aufgrund eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Profils werden ß2-Sympathomimetika in Deutschland allerdings nicht mehr als Standardtherapie zur kontinuierlichen Tokolyse empfohlen.
Verschiedene Studien befassen sich mit einer Assoziation von ß2-Sympathomimetika und Autismus-Spektrum-Störungen bzw. ADHS, wobei neben der Grunderkrankung auch weitere z.B. genetische und umweltbedingte Risikofaktoren diskutiert werden. Insgesamt fanden sich aber keine eindeutigen Belege für eine Assoziation mit der Medikation.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Die inhalative Therapie mit Terbutalin ist während der Schwangerschaft möglich. Eine systemische Therapie mittels subkutaner Gabe sollte akut-bedrohlichen Exazerbationen vorbehalten sein. Um Asthma-assoziierte Schwangerschaftsrisken zu minimieren, sollte eine engmaschige gynäkologische und pneumologische Anbindung zur optimalen Krankheitskontrolle erfolgen, siehe auch Asthma bronchiale.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Keine. Bei systemischer Therapie am Ende der Schwangerschaft kann ein wehenhemmender Effekt nicht ausgeschlossen werden.
Besser geeignete Alternativen
Salbutamol ist unter den inhalativen kurzwirksamen β2-Sympathomimetika Mittel der Wahl.
Stillzeit
Es liegen publizierte Erfahrungen zu acht Mutter-Kind-Paaren vor.
Pharmakokinetik
HWZ: 3 – 4 h; Proteinbindung: 25%; molare Masse: 225 g/mol; relative Dosis: < 1%; M/P-Quotient: 1 – 2,9; orale Bioverfügbarkeit 10-15%. Nach oraler Anwendung durch die Mutter wurden im Plasma von 2 gestillten Säuglingen keine messbaren Terbutalin-Konzentrationen nachgewiesen.
Klinik
Bei den gestillten Kindern wurden keine Symptome beobachtet.
Empfehlung
Terbutalin gehört neben Salbutamol in der Stillzeit zu den Mitteln der Wahl unter den kurzwirksamen inhalativen β2-Sympathomimetika.
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