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Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS, inklusive der Unterform ADS) ist eine der häufigsten entwicklungspsychiatrischen Erkrankungen im Kindesalter; sie kann bis ins Erwachsenenalter bestehen. Der Einfachheit halber wird im Folgenden von ADHS gesprochen, was aber die ADS mit einbezieht, da sich die medikamentöse Behandlung nicht unterscheidet. Die Kernsymptome sind Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität und Impulsivität, aber auch Stimmungsschwankungen sind häufig zu finden.

Mädchen beziehungsweise Frauen mit ADHS haben ein erhöhtes Risiko für Teenagerschwangerschaften und generell für ungeplante Schwangerschaften. Zudem gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen bei Müttern mit ADHS, möglicherweise aufgrund eines ungünstigeren Gesundheitsverhaltens. Die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen sollten daher auf jeden Fall wahrgenommen werden und die Entbindung sollte in einer Klinik mit Perinatalzentrum, das heißt mit angeschlossener Neugeborenen-Intensivstation, erfolgen.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Die therapeutische Einnahme von Amphetaminen während der Schwangerschaft scheint kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen mit sich zu bringen. In Abhängigkeit von der Dauer und dem Zeitfenster der Exposition während der Schwangerschaft wird ein gering erhöhtes Risiko für möglicherweise vaskulär/über die Plazenta vermittelte Schwangerschaftskomplikationen diskutiert. Hierzu gehören vor allem Präeklampsie und arterielle Hypertonie, unter Umständen auch Frühgeburtlichkeit. Für die Exposition mit Methylphenidat während der Schwangerschaft wird ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen diskutiert sowie, ähnlich wie bei den Amphetaminen, für vaskulär/über die Plazenta vermittelte Schwangerschaftskomplikationen. Insgesamt könnten die geringen Risikoerhöhungen auch auf die ADHS der Mutter beziehungsweise ein damit zusammenhängendes Risikoverhalten zurückzuführen sein. Zu Atomoxetin ist die Datenlage noch nicht ausreichend für eine differenzierte Risikobewertung. Zusammenfassend sollte der Nutzen einer Medikation mit Psychostimulanzien sorgfältig im jeweiligen Einzelfall geprüft und gegen eventuelle Risiken abgewogen werden. Dabei ist zu bedenken, dass die mütterliche Stabilität und eine Reduktion eventuellen Risikoverhaltens ebenfalls wichtig für einen möglichst komplikationsarmen Schwangerschaftsverlauf sind.

Bei allen psychischen Erkrankungen sollte die Schwangerschaft sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden, um Krisen oder Frühwarnsymptomen bei der Mutter und fetalen Entwicklungskomplikationen (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) rechtzeitig begegnen zu können. Auch kann der Schwangeren eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden.

Stillzeit. Während das Stillen eines gesunden Kindes unter Methylphenidat bei Monotherapie und guter Beobachtung akzeptabel ist, ist volles Stillen während der Einnahme von Amphetaminen oder Atomoxetin kritisch zu beurteilen.

Mittel der Wahl

Bei eindeutiger medikamentöser Behandlungsindikation kommt am ehesten Methylphenidat zur Behandlung der ADHS in Frage, ggf. auch therapeutische Amphetamine. In bestimmten Fällen, insbesondere bei entsprechenden Komorbiditäten, könnte auch eine Therapie mit den für die Schwangerschaft gut untersuchten noradrenergen Antidepressiva Bupropion und Venlafaxin erwogen werden.


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