Povidon-Iod
Povidon-Iod wird als Antiseptikum angewendet und ist u.a. als Salbe, Lösung, Mundspülung und Vaginalzäpfchen erhältlich. Die mikrobizide Wirkung beruht auf elementarem Iod, welches protrahiert aus dem Povidon-Iod-Komplex freigesetzt wird. Povidon ist pharmakologisch inaktiv. Bei kurzzeitiger Anwendung kleiner Wirkstoffmengen von Povidon-Iod auf intakter Haut ist die Resorption sehr gering. Bei Anwendung auf Wundflächen, auf Schleimhäuten oder in Körperhöhlen werden relevante Iod-Mengen resorbiert, wodurch die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt werden kann. Iod ist gut plazentagängig und reichert sich stark in der Muttermilch an. Bei Feten bzw. Neugeborenen kann eine hohe Iod-Dosis zur Hemmung der Schilddrüse führen (Wolff-Chaikoff-Effekt).
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Antiseptische Wundbehandlung, Haut- und Schleimhautdesinfektion.
- Produktnamen
Betaisodona®, Braunol®, Braunovidon®, Freka-Cid®, Polysept® und andere.
- Synonyme
Povidon-Jod, PVP-Iod.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: MITTEL
1. Trimenon
Trotz der langjährigen Markterfahrung liegen zur Anwendung von Povidon-Iod im 1. Trimenon nur wenig wissenschaftliche Daten vor. Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergaben sich nicht.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Die längerfristige oder großflächige Anwendung von Povidon-Iod während der Schwangerschaft oder unter der Geburt kann zu einer relevanten Iod-Resorption und damit zu Funktionsstörungen der fetalen bzw. neonatalen Schilddrüse führen. In Fallberichten zeigten sich meist vorübergehende Funktionsstörungen, in Einzelfällen auch Vergrößerungen der kindlichen Schilddrüse. Eine ungestörte fetale Schilddrüsenfunktion ist unter anderem wichtig für die körperliche und mentale Entwicklung.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Die Anwendung von iodhaltigen Desinfizientien auf der Haut darf in der Schwangerschaft nur kleinflächig und für wenige Tage erfolgen. Mundspülungen mit Povidon-Iod sollten allenfalls zur Einmaldesinfektion, beispielsweise vor zahnärztlichen Eingriffen, verwendet werden, zumal es sich in der Regel um alkoholische Zubereitungen handelt. Großflächige und wiederholte Anwendungen sowie die Anwendung auf verletzter Haut, Schleimhaut und in Körperhöhlen sollte wegen der erhöhten Iodaufnahme nicht erfolgen.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Eine versehentliche kurzfristige Anwendung von iodhaltigen Desinfizientien ist nach heutigem Wissen nicht mit bleibenden Schäden für das ungeborene Kind verbunden. Eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion erfolgt routinemäßig bei jedem Neugeborenen im Rahmen des Neugeborenen-Screenings. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie iodhaltige Desinfizientien über einen längeren Zeitraum oder in großen Mengen verwendet haben.
Besser geeignete Alternativen
Bei vaginalen Infektionen ist eine gezielte antibakterielle oder antimykotische Therapie zu bevorzugen.
Stillzeit
Es liegen publizierte Erfahrungen zu mehr als 1.000 Mutter-Kind-Paaren mit Anwendung von Povidon-Iod zu Beginn oder während der Stillzeit vor.
Pharmakokinetik
Nach Anwendung von Povidon-Iod bei der Mutter hängt das Ausmaß der Iod-Resorption von der Dauer, der verwendeten Menge und der Applikationsform ab. Die kurzfristige Anwendung auf einer kleinen Fläche intakter Haut hat in der Regel nur eine geringe Iod-Resorption zur Folge, während die Anwendung von Povidon-Iod auf Schleimhäuten, in Körperhöhlen und auf verletzter Haut zu einer relevanten Iod-Resorption führen kann. Das resorbierte Iod reichert sich in der Muttermilch an, sodass die Iod-Konzentration in der Milch ein Vielfaches der maternalen Serumkonzentration erreichen kann. Daraus kann eine vergleichsweise hohe Iod-Dosis für den Säugling resultieren.
Klinik
In verschiedenen Fallserien und -berichten werden nach Verwendung von Povidon-Iod bei stillenden Müttern Auffälligkeiten wie erhöhte TSH-Werte oder eine transiente Hypothyreose beim Kind beschrieben. Diese traten insbesondere nach wiederholter Anwendung auf größeren Hautflächen, auf Schleimhäuten oder in Körperhöhlen auf.
Empfehlung
Iodhaltige Desinfektionsmittel sollten nur kleinflächig und kurzfristig sowie nicht im Schleimhautbereich angewendet werden. Bei versehentlich erfolgter längerer Exposition mit größeren Mengen, vor allem auf Schleimhäuten, sollte eine Kontrolle der Schilddrüsenparameter beim gestillten Säugling erwogen werden.
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