Doxycyclin
Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Diese wirken durch die Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese vorwiegend bakteriostatisch. Tetracycline gehen mit Calciumionen eine stabile Chelatbindung ein, wobei Doxycyclin eine geringere Affinität zu Calciumionen hat als die älteren Tetracycline. Doxycyclin kann oral, intravenös oder lokal im Rahmen zahnärztlicher Behandlungen angewendet werden. Tetracycline sind plazentagängig.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Bakterielle Infektionen, Akne.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: SEHR HOCH
1. Trimenon
Zu Doxycyclin liegen Publikationen mit insgesamt mehr als 7.500 im 1. Trimenon exponierten Schwangerschaften vor. In der Gesamtschau sprechen diese Daten gegen ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
In einer kanadischen Fall-Kontroll-Studie ging der Einsatz von Doxycyclin mit einem erhöhten Risiko für Spontanaborte einher. Eine Kohortenstudie aus Norwegen kommt zu dem Ergebnis, dass das vermehrte Auftreten von Fehlgeburten am ehesten durch die mit Doxycyclin behandelten mütterlichen Infektionen zu begründen ist. Die vorhandenen Daten reichen für eine abschließende Bewertung des Spontanabortrisikos nicht aus.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Da Tetracycline mit Calcium eine stabile Chelatbindung eingehen, kann es während der Mineralisierung von Zähnen und Knochen zu Ablagerungen kommen. Fallberichte beschreiben bei Kindern mit intrauteriner Tetracyclin-Exposition nach dem 4. Schwangerschaftsmonat eine Verfärbung der Milchzähne, deren Calcifizierung im Verlauf des 2. Trimenons beginnt. Durch die schwächere Affinität zu Calciumionen wird vermutet, dass dieses Risiko nach Doxycyclin-Exposition im Vergleich zu älteren Tetracyclinen geringer ist, zumal bislang auch keine entsprechenden Fallberichte publiziert wurden. Allerdings liegen nur begrenzte Erfahrungen zur Anwendung von Doxycyclin jenseits des 1. Trimenons vor. Als weitere potenzielle Effekte einer Tetracyclin-Exposition während der Schwangerschaft werden Zahnschmelzdefekte und ein vermindertes Knochenwachstum diskutiert, konnten bisher aber in Studien nicht nachgewiesen werden.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Doxycyclin ist im 1. Trimenon ein Mittel der 2. Wahl und kann bei entsprechender Indikation eingesetzt werden. Nach dem ersten Trimenon, spätestens jedoch ab der 16. Schwangerschaftswoche, sind Tetracycline aufgrund der möglichen Auswirkungen auf Zähne und Knochen kontraindiziert.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Keine.
Besser geeignete Alternativen
Penicilline, Cephalosporine, gegebenenfalls Makrolide.
Stillzeit
Die Angaben zum Übergang in die Muttermilch beruhen auf Messungen bei rund 40 Müttern. Es liegen keine publizierten Erfahrungen zur Auswirkung auf gestillte Kinder vor.
Pharmakokinetik
HWZ: 10 – 23 h; Proteinbindung: 80 – 90%; molare Masse: 444,4 g/mol; relative Dosis: etwa 6 – 15%; M/P-Quotient: etwa 0,3 – 0,4; orale Bioverfügbarkeit: > 90%.
In den vorhandenen Daten variieren die Ergebnisse zum Übergang von Doxycyclin in die Muttermilch. Vereinzelt scheinen den Säugling bei mehrtägiger Therapie über zehn Prozent der gewichtsadaptierten Tagesdosis der Mutter zu erreichen. Vermutlich ist die enterale Resorption durch den Säugling aber durch die Komplexbildung mit in der Muttermilch enthaltenen Calciumionen vermindert.
Klinik
Bislang gibt es keine publizierten Berichte über Symptome bei unter Doxycyclin gestillten Kindern. Insgesamt erscheinen die theoretischen Risiken der Zahnverfärbung und Ablagerung im Knochen beim Stillkind, v.a. bei kurzzeitiger Therapie, unwahrscheinlich. Gelegentlich hat eine Antibiotika-Therapie der Mutter beim gestillten Säugling Auswirkungen auf das kindliche Mikrobiom und kann beispielsweise zu vorübergehendem Durchfall oder Soor führen.
Empfehlung
Penicilline, Cephalosporine und Makrolide sind zu bevorzugen. Falls die Antibiotika der Wahl nicht geeignet sind, kann unter Doxycyclin gestillt werden. Eine Therapie über mehrere Wochen sollte aufgrund fehlender Daten und der genannten theoretischen Risiken nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden.
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