Codein ist ein Morphinderivat mit geringerer analgetischer und sedierender Wirkung als Morphin. Außerdem wirkt es antitussiv. Die analgetische Wirkung beruht auf der Metabolisierung über das Enzym Cytochrom P450 2D6 (CYP2D6) zu Morphin. Deshalb können Inhibitoren dieses Enzyms die analgetische Wirkung von Codein abschwächen oder sogar aufheben (z.B. Fluoxetin, Citalopram). Genetische Varianten des CYP2D6 können zu einer langsameren oder schnelleren Metabolisierung zu Morphin und damit zu einer Abschwächung oder Verstärkung der analgetischen Wirkung und der Nebenwirkungen (Atemdepression u. a.) führen. Die Häufigkeit dieses genetischen Polymorphismus des CYP2D6-Allels, das für den schnelleren Metabolismus des Codeins zu Morphin zuständig ist, variiert deutlich zwischen unterschiedlichen Populationen und soll in Nordeuropa bei 1% der Bevölkerung zu finden sein (in Nordafrika bis 30%). Codein ist plazentagängig.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Als Monopräparat zur symptomatischen Therapie von quälendem, unproduktivem Husten (Reizhusten); als Analgetikum vorwiegend in Kombination mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure, zum Beispiel bei Migräne.
- Produktnamen
Bronchicum mono®, Codicaps mono® und Generika.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: SEHR HOCH
1. Trimenon
Auf Basis von etwa 1700 im Rahmen einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie ausgewerteten Schwangerschaftsverläufen ergab sich kein Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Lediglich eine kleine Fall-Kontrollstudie diskutierte ein erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen, Spina bifida und Gastroschisis. Allerdings erfolgten die Angaben zur Medikamenteneinnahme retrospektiv durch die Mütter nach Geburt des Kindes, teilweise bis zu zwei Jahre postpartal und können damit einem sogenannten Recall-Bias unterliegen. Eine Fall-Kontrollstudie im Rahmen der "Slone Epidemiology Center Birth Defects Study" ermittelte ein geringfügig erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte im Zusammenhang mit einer Opioid-Einnahme in der Schwangerschaft. Diese Assoziation galt auch für Codein, war aber deutlich schwächer mit weitem Konfidenzintervall aufgrund der geringen Fallzahlen. In einer retrospektiven Registerstudie aus Israel wurde bei 1390 Frauen, die im 1. Trimenon Codein erhalten hatten, im Vergleich mit einer Kontrollgruppe ein erhöhtes Risiko speziell für Spina bifida gefunden. Allerdings wiesen auch hier die Autoren auf die geringen Fallzahlen hin, so dass dieser Zusammenhang in größeren Studien kontrolliert werden sollte.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Bei Substanz-Abusus oder regelmäßiger Anwendung von Codein bis zur Geburt können beim Neugeborenen Atemdepression und Entzugserscheinungen wie Tremor, Zittrigkeit, Diarrhoe und Trinkschwäche auftreten. In Einzelfällen wurde auch über Krampfanfälle und cerebrale Durchblutungsstörungen berichtet. Dies ist aber bei antitussiver oder gelegentlicher analgetischer Anwendung, wenn diese nicht unmittelbar vor der Geburt erfolgen, nicht zu erwarten.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
In begründeten Fällen darf Codein bei hartnäckigem Reizhusten und Versagen physikalischer Maßnahmen kurzfristig als Antitussivum verwendet werden. Als Analgetikum in Kombination mit Paracetamol darf es in allen Phasen der Schwangerschaft kurzfristig verwendet werden, wenn Ibuprofen (dieses ist maximal bis Schwangerschaftswoche 28 erlaubt – eine länger andauernde Therapie ist ab Schwangerschaftswoche 20 zu vermeiden) nicht ausreichend wirkt. Wie jede andere Schmerzmedikation auch, sollte es nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder sogar über mehrere Wochen eingenommen werden.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Bei kurzzeitiger Anwendung und in ausreichendem Abstand zur Geburt: Keine.
Bei Verabreichung von Codein kurz vor der Entbindung muss mit Atemdepression, bei länger andauernder Anwendung oder Abusus auch mit schweren Entzugserscheinungen beim Neugeborenen gerechnet werden, die auch bis zu 72 Stunden verzögert auftreten können. Daher sollte bei entsprechender Codeinanwendung die Entbindung in einem Perinatalzentrum erfolgen, um eine optimale Versorgung des Kindes zu gewährleisten. Ein akuter („kalter“) Opiat-Entzug während der Schwangerschaft kann zu intrauterinem Fruchttod oder vorzeitigen Wehen führen und sollte vermieden werden.
Besser geeignete Alternativen
Als Antitussivum: Keine. Schmerzmittel der ersten Wahl sind Paracetamol oder bis Schwangerschaftswoche 28 Ibuprofen. Von den zentral wirkenden Analgetika kommen auch Morphin, Tramadol oder Buprenorphin in Betracht.
Stillzeit
Pharmakokinetik
HWZ: 3 – 5 h, Metabolite: 2,5 h; Proteinbindung: 7%; molare Masse: 317 g/mol; relative Dosis: 0,6 – 8,1%; M/P-Quotient: 1,3 – 2,5; orale Bioverfügbarkeit: 90%.
Klinik
Eine kanadische Kohorten-Studie auf der Basis von Registerdaten verglich die Neugeborenen von mehr als 7.000 Müttern, denen postpartal bei Entlassung aus der Klinik Codein verschrieben worden war, mit den Neugeborenen einer gleich großen Gruppe von Müttern ohne Codein-Verordnung. In beiden Gruppen unterschieden sich die Neugeborenen nicht in Bezug auf die Häufigkeit schwerer unerwünschter Ereignisse oder Wiederaufnahme in die Klinik. Ein kontrovers diskutierter Fallbericht beschreibt eine tödlich verlaufende Opioid-Intoxikation bei einem gestillten Säugling. Es ist allerdings unklar, ob dem Säugling zusätzlich direkt Opioide verabreicht wurden, so dass eine zuverlässige Bewertung nicht möglich ist.
Empfehlung
Als Analgetikum (in der Kombination mit Paracetamol) oder als Antitussivum sollte Codein in der Stillzeit nur kurzzeitig (maximal zwei Tage) und bei guter Beobachtung des Säuglings angewendet werden. Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens. Wegen des atemdepressiven Potentials ist bei Stillkindern mit Apnoeneigung besondere Vorsicht geboten, ebenso bei Neu- und Frühgeborenen.
Schmerzmittel der ersten Wahl in der Stillzeit sind Ibuprofen und Paracetamol. Als Antitussivum kommt alternativ Dextromethorphan in Frage.
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