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Zuclopenthixol

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Zuclopenthixol ist ein konventionelles Antipsychotikum aus der Gruppe der Thioxanthene, das antipsychotisch und stark sedierend wirkt. Neben oralen Präparaten werden intramuskulär anzuwendende Depot-Präparate eingesetzt: Zur Verfügung stehen Zuclopenthixolacetat als Kurzzeitdepot sowie Zuclopenthixoldecanoat, das bei Dauertherapie alle zwei bis vier Wochen gegeben wird. Beide Depotpräparate werden im Körper zum aktiven Wirkstoff Zuclopenthixol metabolisiert.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Insgesamt wurden etwa 300 Schwangerschaftsverläufe unter Zuclopenthixol im 1. Trimenon dokumentiert. Die Daten wurden zum überwiegenden Teil im Rahmen einer großen, multinationalen Registerstudie erhoben, in der sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko fanden. Die Ergebnisse aus kleineren Untersuchungen waren heterogen. Tierexperimentell fanden sich für Zuclopenthixol keine Hinweise auf ein teratogenes Risiko. Für eine differenzierte Risikobewertung reichen die bisherigen Erfahrungen nicht aus.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Bei Einnahme von Antipsychotika bis zur Entbindung ist das Risiko für Anpassungsstörungen bei den Neugeborenen erhöht. Anpassungsstörungen können innerhalb der ersten Stunden oder Tage nach der Entbindung auftreten und mit respiratorischen, neurologischen, gastrointestinalen und kardiovaskulären Symptomen einhergehen, die vorübergehend einer ärztlichen Beobachtung oder Behandlung bedürfen.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Bei einer medikamentösen Neueinstellung sollten besser erprobte Antipsychotika vorgezogen werden. Wenn die Behandlung bzw. Weiterbehandlung mit Zuclopenthixol im individuellen Fall eindeutig therapeutische Vorteile bietet, ist die Anwendung in der gesamten Schwangerschaft akzeptabel. Auch eine Akuttherapie mit Zuclopenthixolacetat als Kurzzeitdepot ist bei dringender Indikation akzeptabel, ein plötzlicher massiver Blutdruckabfall bei der Schwangeren sollte jedoch vermieden werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden, um Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) rechtzeitig begegnen zu können. Bei Exposition im 1. Trimenon sollte eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden. In den ersten Lebenstagen ist beim Neugeborenen auf etwaige Anpassungsstörungen zu achten. Die Entbindung sollte daher in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Da das Wochenbett eine besonders vulnerable Phase für Rezidive darstellt, sollten mit der Mutter frühzeitig rückfallprophylaktische Strategien geplant werden. Diese betreffen v.a. Reizabschirmung und die Vermeidung von Schlafmangel, ggf. auch eine Dosisanpassung der antipsychotischen Medikation (siehe Psychosen bzw. Bipolare affektive Störung).

Besser geeignete Alternativen

Bei den konventionellen Antipsychotika Haloperidol. Sollte eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika möglich sein: Quetiapin, ggf. auch Risperidon oder Aripiprazol.

Stillzeit

Es liegen publizierte Erfahrungen zu sieben Mutter-Kind-Paaren vor.

Pharmakokinetik

HWZ: ca. 20 h (oral), bei i.m.-Gabe von Zuclopenthixoldecanoat: 19 Tage, bei i.m.-Gabe von Zuclopenthixolacetat: meist nach ca. 36 Stunden höchste Serumkonzentration, dann langsamer Konzentrationsabfall über weitere 36 Stunden; Proteinbindung: 98%; molare Masse: 401 g/mol; relative Dosis: < 2%; M/P-Quotient: 0,1 –  2,2; orale Bioverfügbarkeit: ca. 44% (durch ausgeprägten First-Pass-Metabolismus), Bioverfügbarkeit bei i.m.-Applikation: ca. 100%.

Klinik

Bisher wurden keine Symptome bei gestillten Kindern berichtet.

Empfehlung

Stillen ist bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel. Treten anders nicht erklärbare Symptome wie Sedierung, Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollten ein Kinderarzt und unsere Einrichtung kontaktiert werden.


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