Flupentixol
Flupentixol ist ein konventionelles Antipsychotikum aus der Gruppe der Thioxanthene, das stark antipsychotisch wirkt. Neben oralen Präparaten werden intramuskulär anzuwendende Depot-Präparate mit Flupentixoldecanoat eingesetzt, das im Körper zum aktiven Wirkstoff Flupentixol metabolisiert wird.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Akut- und Langzeitbehandlung schizophrener Psychosen.
- Produktnamen
Fluanxol® und andere.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: HOCH
1. Trimenon
Insgesamt wurden mehr als 450 Schwangerschaftsverläufe mit maternaler Flupentixol-Einnahme im 1. Trimenon dokumentiert, zum überwiegenden Teil im Rahmen einer großen, multinationalen Registerstudie. Es fanden sich keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Bei Einnahme von Antipsychotika bis zur Entbindung ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht. Anpassungsstörungen können innerhalb der ersten Stunden oder Tage nach der Entbindung auftreten und mit respiratorischen, neurologischen, gastrointestinalen und kardiovaskulären Symptomen einhergehen, die vorübergehend einer ärztlichen Beobachtung oder Behandlung bedürfen.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Bei einer medikamentösen Neueinstellung sollten wenn möglich besser erprobte Antipsychotika vorgezogen werden. Wenn die Behandlung bzw. Weiterbehandlung mit Flupentixol im individuellen Fall eindeutig therapeutische Vorteile bietet, ist die Anwendung in der gesamten Schwangerschaft akzeptabel.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden, um Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) rechtzeitig begegnen zu können. Bei Exposition im 1. Trimenon sollte eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden. In den ersten Lebenstagen ist beim Neugeborenen auf etwaige Anpassungsstörungen zu achten. Die Entbindung sollte daher in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Da das Wochenbett eine besonders vulnerable Phase für Rezidive darstellt, sollten mit der Mutter frühzeitig rückfallprophylaktische Strategien geplant werden. Diese betreffen v.a. Reizabschirmung und die Vermeidung von Schlafmangel, ggf. auch eine Dosisanpassung der antipsychotischen Medikation (siehe Psychosen bzw. Bipolare affektive Störung).
Besser geeignete Alternativen
Bei den konventionellen Antipsychotika Haloperidol. Sollte eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika möglich sein: Quetiapin, ggf. auch Risperidon oder Aripiprazol.
Stillzeit
Es liegen publizierte Erfahrungen zu vier Mutter-Kind-Paaren vor.
Pharmakokinetik
HWZ: ca. 35 h (Flupentixol), Flupentixoldecanoat nach einmaliger intramuskulärer Gabe von 3 – 8 Tage, nach mehrfacher intramuskulärer Gabe ca. 17 Tage; Proteinbindung: 99%; molare Masse: 435 g/mol; relative Dosis: < 2%; M/P-Quotient: < 2; orale Bioverfügbarkeit: ca. 40%.
Klinik
Durch das Medikament hervorgerufenen Symptome oder Entwicklungsauffälligkeiten wurden bei den über mehrere Wochen gestillten Neugeborenen nicht beobachtet.
Empfehlung
Stillen ist bei Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel. Treten anders nicht erklärbare Symptome wie Sedierung, extrapyramidalmotorische Störungen, Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollten ein Kinderarzt und unsere Einrichtung kontaktiert werden.
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