Erläuterung zur "Ampel"

Valproinsäure

Produktnamen:
  • Convulex ®
  • Ergenyl ®
  • Orfiril ®
  • Valpro beta ®
  • Leptilan ®
  • und Generika

     

     

Valproinsäure

Erläuterung zur "Ampel"

Valproinsäure

Produktnamen:
  • Convulex ®
  • Ergenyl ®
  • Orfiril ®
  • Valpro beta ®
  • Leptilan ®
  • und Generika

     

     

Der genaue Wirkmechanismus ist nicht geklärt. Es wird angenommen, dass Valproat sowohl über eine Verstärkung der Wirkung des hemmenden Neurotransmitters GABA sowie über Blockade von erregenden Na-Ionenkanälen wirkt. Valproat ist plazentagängig. Die Konzentration im Nabelvenenblut bei Geburt kann mit dem 1,5fachen deutlich über der maternalen Plasma-Konzentration liegen (Intervall 1,0- 1,56). Neugeborene scheiden Valproat aufgrund der noch nicht ausgereiften Leberenzyme verzögert aus.

Indikation: Epilepsie, Akute Manie, Phasenprophylaxe bei bipolar affektiver Störung.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: SEHR HOCH

1. Trimenon: Valproat ist ein Teratogen. Das Fehlbildungsrisiko ist höher als bei den anderen Antiepileptika und kann das Zwei- bis Dreifache (10%) des sogenannten Basisrisikos von 3-5% erreichen. Andere Studien gehen sogar von einem Risiko von bis zu 20% aus. In den 80er Jahren wurde ein fetales Valproat-Syndrom beschrieben, das u.a. durch einen flachen Nasenrücken und Philtrum sowie digitale Fehlbildungen gekennzeichnet ist. Andere Fehlbildungen, die im Zusammenhang mit einer Valproat-Exposition in der Schwangerschaft beschrieben wurden, sind u.a. Herzfehlbildungen, Hypospadien und Reduktionsfehlbildungen des Radiusstrahls. Typisch für Valproat ist vor allem das 12-20fach erhöhte Risiko für Spina Bifida und andere Neuralrohrdefekte, d.h. ca. 1-2% der exponierten Kinder sind betroffen. Diverse Studien haben einen Zusammenhang zwischen intrauteriner Valproat-Exposition und späteren Entwicklungsstörungen beobachtet, wie zum Beispiel reduziertem IQ, Sprachentwicklungs- und Lernstörungen. Außerdem wurden Autismus-Spektrum-Störungen in diesem Zusammenhang beobachtet.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Wie bei allen zentral aktiven Substanzen muss bei Langzeitbehandlung mit Valproat bis zur Geburt mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen gerechnet werden.

Zu mentalen Entwicklungsstörungen siehe 1. Trimenon.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Aufgrund des hohen Risikos für komplexe Fehlbildungen und neurokognitive Defizite, die im Zusammenhang mit einer intrauterinen Valproat-Exposition auftreten können, sollte auf den Einsatz von Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter und Kinderwunsch wenn irgend möglich gänzlich verzichtet werden. Sollte eine Patientin weiterhin auf eine antikonvulsive Therapie mit Valproat angewiesen sein, da nur darunter eine ausreichende Anfallskontrolle gewährleistet ist, sollten ab Planung einer Schwangerschaft bis mindestens Woche 12 täglich 0,8 mg Folsäure eingenommen werden. Außerdem sind die im nächsten Absatz beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Das Auftreten von Fehlbildungen und neurokognitiven Defiziten ist dosisabhängig und v.a. dann deutlich erhöht, wenn die täglichen Valproat-Dosen 1000 mg überschreiten. Auch antiepileptische Polytherapien haben v.a. dann ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko, wenn sie Kombinationen mit Valproat enthalten. Die Dosis sollte kritisch überprüft und so gering wie möglich gehalten werden, auf mehrere Einzeldosen verteilt und auf ein Retardpräparat umgestellt werden. Nach Exposition im 1. Trimenon sollte eine sonographische Feindiagnostik zur Kontrolle der fetalen Entwicklung empfohlen werden, um Fehlbildungen auszuschließen. Ggf. auftretende kognitive Defizite können auf diesem Weg nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund eventuell auftretender Anpassungsstörungen beim Neugeborenen sollte die Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen.

Besser geeignete Alternativen: 

Epilepsie: Lamotrigin, Levetiracetam.

Bipolar affektive Störung: Quetiapin, andere Neuroleptika, Lamotrigin, ggf. auch das schwach teratogene Lithium.

Stillzeit

Es liegen publizierte Erfahrungen zu mehr als 50 Mutter-Kind-Paaren vor.

Pharmakokinetik: HWZ: 9-16 h, Neugeborene: 10-67 h; Proteinbindung: 80-95%; Molare Masse: 144; relative Dosis 1- 6%; Anteil einer therapeutischen Säuglingsdosis von 20 mg/kg/d: ca. 6%; M/P-Quotient: bis 0.05; orale Bioverfügbarkeit: 86-100%.

Klinik: Bei den meisten unter Valproat gestillten Kindern fanden sich keine Auffälligkeiten. Ein Fallbericht beschreibt Sedierung beim Kind nach maternaler Kombinationstherapie mit Valproat und Primidon. Die Autoren gehen davon aus, dass v.a. Primidon für den sedierenden Effekt verantwortlich war. In einem weiteren Fallbericht werden eine vorübergehende Thrombozytopenie und Petechien beschrieben, die jedoch auch im Zusammenhang mit einer gleichzeitig auftretenden viralen Infektion stehen könnten. Die Serumkonzentration beim Kind liegt meist unter einem Fünftel der therapeutischen Werte.

Empfehlung: Stillen unter Monotherapie und guter Beobachtung des Kindes ist akzeptabel. Hierbei muss unbedingt das teratogene Risiko einer nächsten, unter Valproat-Therapie auftretenden Schwangerschaft bedacht werden.

 

 

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