Gefördert durch

Posttraumatische Belastungsstörung

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Anke Rohde und Prof. Dr. med. Sarah Kittel-Schneider

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann als Reaktion auf belastende Ereignisse oder Situationen auftreten, die durch ein katastrophenartiges Ausmaß oder eine außergewöhnliche Bedrohung bei nahezu jedem eine tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen würden. Die Person muss dabei nicht unbedingt direkt Opfer des Ereignisses gewesen sein, sondern kann zum Beispiel auch als Zeugin einen schweren Unfall oder eine Gewalttat beobachtet haben. Die Symptomatik folgt dem Trauma mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten. Typische Symptome sind sich aufdrängende Erinnerungen, Alpträume und das Vermeiden von Situationen, die an das Trauma erinnern. Oft leiden die Betroffenen zum einen unter Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Freudlosigkeit, zum anderen aber auch unter vegetativer Übererregtheit mit übermäßiger Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Sozialer Rückzug und depressiv-ängstliche Verstimmungen sind mögliche Folgen. Der Verlauf ist individuell sehr verschieden. In der Mehrzahl der Fälle kommt es im Verlauf zu einer Rückbildung der Symptome, aber auch chronische Verläufe mit andauernden Persönlichkeitsänderungen werden beobachtet.

Während der Schwangerschaft oder durch die Entbindung können vorbestehende Traumatisierungen oder eine vorbestehende PTBS reaktiviert werden. Ebenso kann die Entbindung als traumatisch erlebt werden. Auch nicht-vortraumatisierte Frauen können die Entbindung als traumatisch erleben und in der Folge einzelne Symptome oder auch das Vollbild einer PTBS entwickeln, insbesondere wenn Komplikationen auftreten und die Art der Entbindung den positiven Erwartungen der Frauen in keiner Weise entspricht. Insgesamt scheinen bis zu 4% der Frauen nach der Entbindung Symptome einer PTBS zu entwickeln. Eine Meta-Analyse fand unter anderem folgende Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTBS nach der Entbindung: vorbestehende PTBS/Traumatisierung, prä- oder postpartale Depression, Angst vor der Entbindung, subjektives Erleben der Entbindung (u.a. in Bezug auf negative Emotionen und Kontrollerleben), Wahrnehmung von fehlender Unterstützung durch das geburtshilfliche Team, gesundheitliche Probleme in der Schwangerschaft sowie operative Entbindung.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Die Behandlung der PTBS erfolgt vor allem psychotherapeutisch, Medikamente spielen eine eher untergeordnete Rolle. Psychopharmakologisch kommen häufig Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz. Ebenfalls werden verschiedene Substanzgruppen zur gezielten Linderung einzelner Kernsymptome eingesetzt, unter anderem atypische Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer (zum Sicherheitsprofil der einzelnen Medikamente siehe die entsprechenden Arzneimittelinformationsseiten).

Um eine Reaktivierung oder Verschlimmerung einer PTBS durch die Entbindung möglichst zu vermeiden, sollte diese gut vorbereitet werden. Erste Ansprechpartner*innen können die ambulant behandelnden Fachärztinnen und Fachärzte für Gynäkologie sowie die betreuenden Hebammen sein. Wenn individuell spezifische Maßnahmen im Rahmen einer traumasensiblen Entbindung sinnvoll sind, müssen diese vorher mit dem Behandlungsteam der Entbindungsklinik konkret geplant werden. Studien deuten darauf hin, dass die subjektiv erlebte Unterstützung durch das geburtshilfliche Team eine große Rolle beim Erleben und bei der Verarbeitung der Entbindung spielt.

Prinzipiell erscheint es sinnvoll, die Entbindung nachzubesprechen, um den medizinischen Ablauf im Nachhinein verstehbar und nachvollziehbar zu machen. Wenn Komplikationen aufgetreten sind, die ein schnelles und entschlossenes medizinisches Handeln notwendig gemacht haben, kann diese Nachbesprechung besonders wichtig sein. Das Gleiche gilt z.B. bei einem protrahierten Entbindungsverlauf mit ausgeprägter Erschöpfung, wenn die Patientin den Überblick über die Tätigkeiten des geburtshilflichen Personals verloren hat. Betroffene Patientinnen sollten die Möglichkeit haben, die Entbindung mit ihrer Hebamme nachzubesprechen, bei Unklarheiten sollten auch die während der Entbindung betreuenden Ärztinnen und Ärzte eine Nachbesprechung ermöglichen. Auch hier ist zu bedenken, dass die subjektiv erlebte Qualität des Behandlungskontaktes eine relevante Rolle für den weiteren Verlauf zu spielen scheint.

Mittel der Wahl

Prinzipiell sollte der Nutzen der eingesetzten Arzneimittel bei jeder Patientin individuell geprüft werden. Bei einer individuell gut wirksamen Substanz sollte zunächst geprüft werden, ob sie während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden kann. Informationen zum Sicherheitsprofil beim Einsatz in der Schwangerschaft oder Stillzeit finden sich auf den jeweiligen Arzneimittelinformationsseiten.


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