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Angsterkrankungen

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Anke Rohde und Prof. Dr. med. Sarah Kittel-Schneider

Eine Schwangerschaft geht mit vielfältigen körperlichen und psychischen Anpassungs- und Umstellungsprozessen einher, so dass Unsicherheiten und Ambivalenzen gerade in den ersten Wochen und Monaten völlig normal sind. Diese normalen, ableitbaren Sorgen und Befürchtungen müssen abgegrenzt werden von behandlungsbedürftigen Angsterkrankungen. Ängste werden dann als krankhaft eingestuft, wenn sie unrealistisch und/oder übertrieben sind und die Betroffenen in ihrem Alltag einschränken. Bei Angsterkrankungen unterscheidet man unter anderem Agoraphobie, Panikstörung, soziale Phobie, generalisierte Angststörung und spezifische Phobien (z.B. Spinnenangst oder Flugangst). Zusätzlich kommen Ängste als Symptom bei einigen anderen psychischen Erkrankungen vor (z.B. bei depressiven Erkrankungen oder Zwangserkrankungen). Psychische Komorbiditäten sind ebenfalls nicht selten.

Während der Schwangerschaft treten Angsterkrankungen recht häufig auf, oft als Rezidiv oder Exazerbation einer vorbestehenden Angstsymptomatik. Als Ursache kommen psychologische Faktoren in Betracht, aber auch die hormonellen und körperlichen Veränderungen während einer Schwangerschaft. Speziell für das Auftreten einer Panikstörung wird die Schwangerschaft als spezifischer Risikofaktor diskutiert. Auch nach dem Absetzen einer wirksamen Medikation aufgrund von Kinderwunsch oder bereits eingetretener Schwangerschaft besteht das Risiko des Wiederauftretens beziehungsweise der Verschlechterung einer Angsterkrankung.

Bisher wurde kein belastbarer Zusammenhang zwischen Angsterkrankungen und spezifischen Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen beschrieben.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Zunächst sollte immer die Möglichkeit einer psychotherapeutischen, insbesondere einer verhaltenstherapeutischen Behandlung geprüft werden, aber auch eine medikamentöse Therapie ist möglich. Hier gilt wie immer das Prinzip der Nutzen-Risiko-Abwägung. Da die psychische Stabilität und die Stressbelastung der Mutter auch für die Mutter-Kind-Bindung und die weitere Entwicklung des Kindes von Bedeutung sind, überwiegt bei ausgeprägten Ängsten nicht selten der Nutzen eines geeigneten Antidepressivums. Unsinnig ist die Umstellung eines Antidepressivums auf ein Benzodiazepin, da letzteres für die Mutter und das werdende Kind mehr Risiken als ein Antidepressivum mit sich bringt. Eine medikamentöse Neueinstellung auf ein Benzodiazepin ist ebenso wenig zu empfehlen.

Bei einer ausgeprägten Angsterkrankung sollte der Schwangeren eine engmaschige gynäkologische und psychiatrisch-psychotherapeutische Begleitung angeboten werden, gegebenenfalls auch eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung.

Bei Einnahme eines Antidepressivums kann erwogen werden, die Dosis vor der Geburt zu reduzieren, um Anpassungsstörungen des Neugeborenen entgegenzuwirken. Unmittelbar nach der Geburt muss dann wieder mit der ursprünglichen therapeutischen Dosis weiterbehandelt werden. Voraussetzungen für eine vorübergehende Dosisreduktion sind unter anderem, dass die Patientin während der Schwangerschaft psychisch stabil war und aus der Vorgeschichte keine psychischen Erkrankungen im Wochenbett bekannt sind.

Angsterkrankung nach der Entbindung. Besteht schon vor oder während der Schwangerschaft eine Angstsymptomatik, bleibt diese häufig auch nach der Entbindung bestehen. War bis zur Entbindung keine Angsterkrankung bekannt, handelt es sich bei postpartalen Angstsymptomen oft um Begleitsymptome einer postnatalen Depression (Wochenbettdepression), die entsprechend behandelt werden sollte.

Stillzeit. Bei einer medikamentösen Neueinstellung während der Stillzeit sollten nach Möglichkeit Substanzen eingesetzt werden, die für die Stillzeit ein günstiges Sicherheitsprofil gezeigt haben und gegebenenfalls auch für eine weitere Schwangerschaft geeignet sind. Die Auswahl richtet sich nach der im Vordergrund stehenden Symptomatik.

Mittel der Wahl

Bei medikamentöser Neueinstellung sind Sertralin oder Citalopram Mittel der Wahl.


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