Tolperison
Tolperison ist ein zentral wirkendes Muskelrelaxans/Myotonolytikum aus der Stoffgruppe der β-Aminoketone. Es ähnelt strukturell den Lokalanästhetika und setzt den peripheren Muskeltonus vermutlich über eine Wirkung im Hirnstamm herab. Es soll weniger sedierend wirken als andere Muskelrelaxantien. Tolperison besitzt eine hohe Affinität zum Nervengewebe, wobei der Hirnstamm, das Rückenmark und das periphere Nervensystem die höchste Anreicherung aufweisen.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Symptomatische Behandlung von Spastizität nach einem Schlaganfall bei Erwachsenen.
- Produktnamen
Mydocalm®, Viveo® und Generika
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: KEINE
1. Trimenon
Es gibt keine dokumentierten Erfahrungen zur Anwendung von Tolperison in der Frühschwangerschaft.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Auch zur Anwendung im 2./ 3. Trimenon und perinatal liegen keine für eine Risikobewertung ausreichenden Daten vor.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Myotonolytika sind in der Schwangerschaft Ausnahmesituationen vorbehalten.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Eine Exposition mit Tolperison rechtfertigt weder einen Schwangerschaftsabbruch noch invasive Diagnostik. Zur Bestätigung der unauffälligen fetalen Organentwicklung sollte eine weiterführende Ultraschalldiagnostik durchgeführt werden.
Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.
Besser geeignete Alternativen
Physiotherapeutische Maßnahmen und Antiphlogistika/ Antirheumatika sind der Anwendung von Tolperison vorzuziehen. Kurzzeitig kann die spannungslösende Wirkung des besser untersuchten Diazepam genutzt werden.
Stillzeit
Pharmakokinetik
HWZ: 2,5 h; Proteinbindung 95%; molare Masse: 245 g/mol; orale Verfügbarkeit: 20% (max. 40% bei Einnahme mit fettreicher Mahlzeit).
Klinik
Es gibt keine dokumentierten Erfahrungen zur Verträglichkeit einer Dauertherapie für den gestillten Säugling. Eine leichte Sedierung des Kindes wäre denkbar.
Empfehlung
Die Indikation für den Einsatz eines Myotonolytikums sollte in der Stillzeit sehr kritisch geprüft werden. Physiotherapeutische Maßnahmen und Antiphlogisika/ Antirheumatika sind vorzuziehen. Kurzzeitig kann im Einzelfall die spannungslösende Wirkung niedriger Dosen des besser untersuchten Diazepam genutzt werden.
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