Minocyclin
Minocyclin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Diese wirken durch die Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese vorwiegend bakteriostatisch. Minocyclin wird oral angewendet. Tetracycline gehen mit Calciumionen eine stabile Chelatbindung ein und sind plazentagängig.
- Indikation (Anwendungsgebiet)
Bakterielle Infektionen, Akne.
- Produktnamen
Skid® und andere.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: MITTEL
1. Trimenon
Die wissenschaftliche Auswertung von rund 160 exponierten Schwangerschaftsverläufen im Rahmen einer kanadischen Kohortenstudie erbrachte keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko durch Minocyclin.
In einer Fall-Kontroll-Studie auf Basis der gleichen Kohorte ging der Einsatz von Minocyclin mit einem vermehrten Auftreten von Spontanaborten einher. Die Analysen beruhten jedoch auf nur wenigen exponierten Fällen; zudem wurden andere Einflussfaktoren auf das Spontanabortrisiko, wie die Schwere der mütterlichen Grunderkrankung, nicht berücksichtigt. Für eine differenzierte Risikobewertung reichen die vorhandenen Daten nicht aus.
2.-3. Trimenon / Perinatal
Da Tetracycline mit Calcium eine stabile Chelatbindung eingehen, kann es während der Mineralisierung von Zähnen und Knochen zu Ablagerungen kommen. Fallberichte beschreiben bei Kindern mit intrauteriner Tetracyclin-Exposition nach dem 4. Schwangerschaftsmonat eine Verfärbung der Milchzähne, deren Calcifizierung im Verlauf des 2. Trimenons beginnt. Es ist nicht bekannt, wie hoch dieses Risiko nach Minocyclin-Exposition ist, da keine Publikationen vorliegen, die den Einsatz von Minocyclin nach dem 1. Trimenon systematisch untersuchen. Als weitere potenzielle Effekte einer Tetracyclin-Exposition während der Schwangerschaft werden Zahnschmelzdefekte und ein vermindertes Knochenwachstum diskutiert, konnten bisher aber in Studien nicht nachgewiesen werden.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie
Minocyclin sollte im 1. Trimenon nur bei Fehlen besser geeigneter Alternativen eingesetzt werden. Nach dem ersten Trimenon, spätestens jedoch ab der 16. Schwangerschaftswoche, sind Tetracycline aufgrund der möglichen Auswirkungen auf Zähne und Knochen kontraindiziert.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft
Bei Exposition im 1. Trimenon kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden.
Besser geeignete Alternativen
Penicilline, Cephalosporine, gegebenenfalls Makrolide.
Stillzeit
Die Angaben zum Übergang in die Muttermilch beruhen auf einer Studie mit Messungen bei zwei Müttern. Es liegen keine publizierten Erfahrungen zur Auswirkung auf gestillte Kinder vor.
Pharmakokinetik
HWZ: 14 – 22 h; Proteinbindung: 70 – 75%; molare Masse: 457,5 g/mol; orale Bioverfügbarkeit: > 90%.
In der vorhandenen Publikation wurde die Konzentration von Minocyclin in der Muttermilch nach einer Einmaldosis von 200 mg bei zwei Müttern gemessen. Unter dieser Voraussetzung würde das gestillte Kind rund vier Prozent der gewichtsadaptierten Tagesdosis der Mutter erhalten. Vermutlich ist die enterale Resorption von Minocyclin durch den Säugling durch die Komplexbildung mit in der Muttermilch enthaltenen Calciumionen vermindert.
Klinik
Bislang gibt es keine publizierten Berichte über Symptome bei unter Minocyclin gestillten Kindern. Insgesamt erscheinen die theoretischen Risiken der Zahnverfärbung und Ablagerung im Knochen beim Stillkind, v.a. bei kurzzeitiger Therapie, unwahrscheinlich. Bei Langzeitanwendung von Minocyclin wurde in zwei Fällen eine Schwarzfärbung der Muttermilch beschrieben, die vermutlich durch Eisenchelate von Minocyclin oder dessen Metaboliten verursacht wurde. Gelegentlich hat eine Antibiotika-Therapie der Mutter beim gestillten Säugling Auswirkungen auf die kindliche Darmflora und kann zum Beispiel zu vorübergehendem Durchfall oder Soor führen.
Empfehlung
Penicilline, Cephalosporine und Makrolide sind zu bevorzugen. Falls die Antibiotika der Wahl nicht geeignet sind, kann unter Minocyclin gestillt werden. Eine Therapie über mehrere Wochen sollte aufgrund fehlender Daten und der genannten theoretischen Risiken nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden.
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