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Gentamicin

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Gentamicin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Aminoglykoside. Es hemmt die Proteinbiosynthese sensibler Bakterien mit daraus resultierender bakterizider Wirkung. Gentamicin wird zur Therapie bei schweren Infektionen meist in Kombination mit weiteren Antibiotika angewendet. Da es oral praktisch
nicht resorbiert wird, erfolgt die Applikation intravenös oder intramuskulär. Gentamicin erreicht
beim Feten 21 – 37% der mütterlichen Plasmakonzentrationen. Des Weiteren wird Gentamicin lokal bei bakteriellen Infektionen des Auges eingesetzt. Nephro- und Ototoxizität sind bekannte Nebenwirkungen im Rahmen einer parenteralen Therapie mit Aminoglykosiden.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Bakterielle Infektionen

  • Produktnamen

    Gent-Ophtal®, Refobacin® und andere.

  • Synonyme

    Gentamycin

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Die bisherigen Erfahrungen sprechen gegen ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nach Anwendung von Gentamicin in der Frühschwangerschaft. In drei Studien mit knapp 80 Neugeborenen fand sich nach einer maternalen Therapie mit Gentamicin im 1. Trimenon kein erhöhtes Risiko für angeborene Anomalien. In zwei Fallberichten sind unterschiedliche kindliche Auffälligkeiten der Nieren und ableitenden Harnwege nach mütterlicher Gentamicintherapie in der Frühschwangerschaft beschrieben. Ein relevant erhöhtes Risiko für Nierenfehlbildungen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Die parenterale Anwendung der Aminoglykoside Streptomycin und Kanamycin in der Schwangerschaft hat bei einigen Kindern zu Hörschäden geführt. Im Zusammenhang mit Gentamicin ist nur ein Fall beschrieben. Drei Studien mit über 200 Kindern, deren Mütter im 2. und/oder 3. Trimenon Gentamicin erhielten, konnten keine Auffälligkeiten der Hörleistungen beobachten. Diese Ergebnisse sprechen gegen ein hohes ototoxisches Risiko von Gentamicin.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Gentamicin sollte parenteral nur bei vital bedrohlichen Infektionen und nach Prüfung besser für die Schwangerschaft geeigneter Alternativen angewendet werden. Eine lokale Anwendung ist in allen Phasen
der Schwangerschaft vertretbar, da Gentamicin nicht quantitativ resorbiert wird.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Bei einer parenteralen Exposition im 1. Trimenon kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden. Zusätzlich sollte nach einer parenteralen Therapie die Hörleistung des Kindes frühzeitig kontrolliert werden.

Besser geeignete Alternativen

Penicilline, Cephalosporine, Makrolide.

Stillzeit

Die Angaben zum Übergang in die Muttermilch beruhen auf einer Studie mit Messungen bei zehn Mutter-Kind-Paaren.

Pharmakokinetik

HWZ: 2 – 3 h; Proteinbindung: gering; molare Masse: 478 g/mol; relative Dosis: < 3,5%; M/P-Quotient: meist < 1; orale Bioverfügbarkeit: gering.
Obwohl Aminoglykoside nach oraler Applikation praktisch nicht resorbiert werden, fand man bei fünf von zehn gestillten Neugeborenen Serumspiegel von bis zu ca. 10% der mütterlichen Werte. Diskutiert wird eine gewisse enterale Resorption des noch unreifen Darmes oder eine Akkumulation durch verminderte Ausscheidung. Jenseits der Neugeborenenperiode werden Aminoglykoside nicht mehr in relevanten Mengen resorbiert.

Klinik

Die meisten gestillten Kinder haben keine Symptome. Insbesondere gibt es keine Berichte über oto- oder nephrotoxische Nebenwirkungen bei Säuglingen, deren Mütter unter Gentamicin gestillt haben. Ein Fallbericht beschreibt blutige Durchfälle bei einem Neugeborenen, das unter Clindamycin und Gentamicin gestillt wurde. Allerdings war das Kind in den ersten beiden Tagen selbst mit Aminoglykosiden behandelt worden. Die Symptomatik war nach einer eintägigen Stillpause und Absetzen der mütterlichen Medikation nicht mehr vorhanden.
Die mögliche therapeutische Anwendung beim Säugling spricht für eine gute Stillverträglichkeit von Gentamicin.

Empfehlung

Penicilline, Cephalosporine und Makrolide sind zu bevorzugen. Wenn parenterales Gentamicin indiziert ist, kann auch darunter gestillt werden. In der Neugeborenenperiode sollte die Indikation besonders kritisch geprüft werden. Eine lokale Anwendung ist unbedenklich.


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