Bipolare affektive Störung

Die bipolare Erkrankung kann klinisch sehr unterschiedliche Verlaufsformen zeigen. Sie ist gekennzeichnet durch das Auftreten depressiver sowie hypomaner oder manischer Episoden. Auch Episoden mit gemischter affektiver Symptomatik sind möglich. Zwischen den einzelnen Erkrankungsepisoden können vollständig gesunde Phasen liegen. Mindestens 1 % der erwachsenen Bevölkerung leiden an einer bipolaren Erkrankung im engeren Sinne.

Die Behandlung der bipolaren Erkrankung erfordert in der Regel neben anderen Maßnahmen auch eine Psychopharmakotherapie. Diese richtet sich nach der Symptomatik der akuten Episode sowie nach dem bisherigen klinischen Verlauf; zum Einsatz kommen vor allem Phasenprophylaktika und antimanisch wirksame Medikamente, im Einzelfall aber auch Antidepressiva.

Die Behandlung mit Valproinsäure soll bei Frauen im  gebärfähigen Alter vermieden werden, weil bei Eintreten einer Schwangerschaft ein stark erhöhtes Risiko für kindliche Fehlbildungen und neurokognitive Entwicklungsstörungen besteht. Da viele Schwangerschaften ungeplant entstehen und der Anteil nicht geplanter Schwangerschaften bei bipolar erkrankten Frauen eher erhöht zu sein scheint, sollte Valproat im gesamten gebärfähigen Alter nur eingesetzt werden, wenn andere Substanzen nicht wirken oder nicht vertragen werden. Die Patientinnen sollten ausführlich und wiederholt über das teratogene Risiko ihrer Medikation aufgeklärt werden. Da viele Fehlbildungen in den ersten Schwangerschaftswochen entstehen (u.a. Neuralrohrdefekte, aber auch andere durch Valproat verursachte Fehlbildungen), reicht es nicht aus, Valproinsäure bei Bekanntwerden der Schwangerschaft abzusetzen. Auch im 2. und 3. Trimenon ist Valproat aufgrund des erhöhten Risikos für neurokognitive Entwicklungsstörungen zu meiden.

Bipolar erkrankte Frauen sind während der Schwangerschaft und postpartal deutlich stärker rückfallgefährdet als Frauen mit anderen psychischen Erkrankungen, besonders häufig sind Rückfälle nach abruptem Absetzen der phasenprophylaktischen Medikation sowie im Wochenbett. Die meisten Wochenbettpsychosen beginnen innerhalb der ersten 2 Wochen nach der Geburt, oft treten bereits in den Tagen direkt nach der Geburt erste Symptome auf. Dabei scheint das Risiko für eine Wochenbettpsychose deutlich höher zu sein, wenn anamnestisch auch bei Verwandten ersten Grades eine Wochenbettpsychose aufgetreten ist, was auf familiäre (vermutlich genetische) Faktoren in der Genese hinweisen kann. Offenbar sinkt das Risiko für Wochenbettrezidive, wenn bereits während der Schwangerschaft suffizient phasenprophylaktisch behandelt wird.

Rückfälle können dazu führen, dass insgesamt mehr und höher dosierte Medikamente während der Schwangerschaft eingesetzt werden müssen und dass Suizidalität auftritt. Auch kann krankheitsbedingt ein Verhalten mit ungünstiger Wirkung auf den Schwangerschaftsverlauf auftreten (z.B. Suchtmittelkonsum, allgemeine Risikofreudigkeit und körperliche Verausgabung während einer Manie).

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Für einen ungestörten Verlauf der Schwangerschaft ist die psychische Stabilität der Mutter von großer Bedeutung. Aufgrund der hohen peripartalen Rezidivgefahr scheint eine phasenprophylaktische Behandlung während der Schwangerschaft und im Wochenbett bei bipolar erkrankten Frauen besonders wichtig zu sein. Die Auswahl der Medikation richtet sich sowohl nach ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit für die Patientin als auch nach ihrer Verträglichkeit für das ungeborene Kind. In jedem Einzelfall ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig. Gut geeignet für den Einsatz in der Schwangerschaft sind die meisten atypischen Antipsychotika, insbesondere Quetiapin. Valproat sollte aufgrund seiner ausgeprägten Teratogenität im gesamten gebärfähigen Alter gemieden werden. Carbamazepin wirkt ebenfalls teratogen, ein schwaches Teratogen ist auch das häufig eingesetzte Lithium

Mittel der Wahl

Die meisten atypischen Antipsychotika, insbesondere Quetiapin, sind für den Einsatz in der Schwangerschaft geeignet.


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