Gefördert durch

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Lungenerkrankung in der Schwangerschaft. Ihre Prävalenz wird auf 1,7-8% weltweit geschätzt. Es ist davon auszugehen, dass die Erkrankung bei einem Drittel der Schwangeren stabil bleibt und in jeweils einem Drittel mit einer Verbesserung oder Verschlechterung zu rechnen ist („one-third rule“). Die Asthmaerkrankung bei einer Schwangeren bedarf besonderer ärztlicher Fürsorge, um nicht durch ein schlechtes Patientenmanagement die werdende Mutter und das ungeborene Kind zu gefährden. Die Global Initiative for Asthma (GINA)-Leitlinie empfiehlt bei Schwangeren 4-6-wöchige Kontrolluntersuchungen, abhängig vom Kontrollniveau der Patientin. Schweres, unzureichend therapiertes Asthma ist mit einem höheren Risiko für Frühgeburtlichkeit, neonataler Hypoxie, intrauteriner Wachstumsverzögerung, Präeklampsie und Hyperemesis gravidarum assoziiert. 

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Nach Studienlage sind die in der Asthmatherapie eingesetzten Medikamente im Allgemeinen als sicher einzuschätzen. Das Risiko, dem Kind durch ein schlecht eingestelltes oder untertherapiertes schweres Asthma zu schaden, überwiegt klar dem minimalen Risiko der zur Asthmakontrolle üblicherweise eingesetzten Medikamente.

Prinzipiell sollte eine multimodale Therapie aus pharmakologischen und nichtpharmakologischen Behandlungsstrategien erfolgen. Auftretende Komorbiditäten sollten adäquat therapiert werden. Es sollte eine Allergenkarenz erfolgen und übertriebene körperliche Anstrengung vermieden werden. Bei bestehendem Nikotinkonsum sollte die Patientin dringend zu einer Rauchentwöhnung motiviert werden. Zudem sollte eine effektive Patientenschulung für ein Asthma-Selbstmanagement erfolgen.

Um einer plötzlichen Verschlechterung des Asthmas vorzubeugen, sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission für eine Influenzaimpfung ab dem 1. Trimenon zu beachten.

Der akute Asthmaanfall einer Schwangeren stellt immer eine Indikation zur stationären Behandlung dar. Zur Sicherstellung einer ausreichenden Oxygenierung im fetoplazentaren Bereich sollte frühzeitig eine Sauerstofftherapie eingeleitet werden mit dem Ziel, eine Sauerstoffsättigung > 95 % aufrechtzuerhalten. Zudem sollte ein fetales Monitoring erfolgen.

Mittel der Wahl

Die pharmakologischen Empfehlungen bei Asthma bronchiale in der Schwangerschaft entsprechen bis auf wenige Einschränkungen den allgemeinen Therapie-Empfehlungen des Stufenplans nach Asthmaschweregrad.

Er beginnt mit einem inhalativen kurz wirksamen β2-Sympathomimetikum (engl. short acting beta agonists, SABA) als Bedarfsmedikation. Für leichtes Asthma und als Notfall- und Bedarfsmedikament ist hier Salbutamol Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.

Reicht diese Therapie nicht aus, kommen niedrig dosierte inhalative Corticosteroide (ICS) als Langzeitmedikation hinzu. Budesonid, gefolgt von Beclometason und Fluticason sind die in der Schwangerschaft am besten untersuchten inhalativen Glucocorticoide. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass andere inhalierbare Glucocorticoide den Embryo oder Fetus schädigen.

Sollte ein systemisches Glucocorticoid notwendig sein, so ist aufgrund des geringen plazentaren Übergangs Prednisolon das Mittel der Wahl.

Die langwirksamen β2-Sympathomimetika (LABA) sollten nur in Kombination mit ICS verordnet werden, Mittel der Wahl sind hier Formoterol und Salmeterol.

Inhalative Anticholinergika gelten als Mittel der 2. Wahl. Ipratropiumbromid ist hierbei Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.

Theophyllin kann, wenn indiziert, auch in der Schwangerschaft verordnet werden. Aufgrund der engen therapeutischen Breite und der physiologischen Veränderungen in der Schwangerschaft sollten monatliche Spiegelkontrollen erfolgen.

Der Leukotrienrezeptorantagonist Montelukast kann in der Schwangerschaft gemäß den Therapie-Empfehlungen des Stufenplans nach Asthmaschweregrad verordnet werden, wenn erprobtere Arzneimittel nicht zum gewünschten Therapieerfolg geführt haben.

Biologika werden zunehmend als zusätzliche Therapeutika in der Therapie des schweren Asthma bronchiale eingesetzt. Der monoklonale Antikörper Omalizumab stellt eine Behandlungsoption für Patienten mit schwerem persistierenden allergischem Asthma dar, das unter einer Stufe-4-Behandlung (ICS in hoher Dosis/LABA) nicht kontrolliert ist. Aufgrund des geringen Erfahrungumfanges ist Omalizumab nicht Mittel der Wahl in der Schwangerschaft und sollte nur nach Ausschöpfung der konventionellen Therapie eingesetzt werden. 


Wir helfen Ihnen und Sie helfen uns

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.