Gefördert durch

Pyridostigmin

grau
Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Pyridostigmin ist ein indirekt parasympathomimetisch wirkender Cholinesterasehemmer. Im Vergleich zu Neostigmin ist der Wirkungseintritt langsamer, die Wirkung hält länger an und es besteht eine größere therapeutische Breite. Pyridostigmin ist plazentagängig. Bei zwei Neugeborenen wurden am Ende der Schwangerschaft Pyridostigminwerte im Nabelschnurblut gemessen, die etwa 80% der mütterlichen Konzentrationen betrugen. 

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Myasthenia gravis.

  • Produktnamen

    Kalymin®, Mestinon®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Ein teratogenes Potential konnte bei den Cholinergika mit langer Markterfahrung bisher nicht nachgewiesen werden. Weder im Tierversuch noch in zahlreichen Einzelfallberichten, noch in einer Fallserie mit 49 Schwangeren haben sich konkrete Hinweise auf embryotoxische Effekte ergeben. Bei einem Kind wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen einer mütterlichen Therapie mit einer sehr hohen Dosis Pyridostigmin und einer Mikrocephalie, Wachstumsverzögerung und Atemproblemen und anderen Aufälligkeiten zwar diskutiert, konnte letztendlich aber nicht bestätigt werden.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Eine fetotoxische Wirkung von Pyridostigmin wird bisher nicht angenommen. Von einigen Autoren wird empfohlen, eine i.v.-Gabe von Acetylcholinesterase-Hemmstoffen zum Ende der Schwangerschaft aufgrund der möglichen Uteruswirkung (und Auslösung von vorzeitigen Wehen) zu vermeiden.

Auswirkungen der Myasthenia gravis auf die Schwangerschaft sind möglich. Aufgrund des möglichen diaplazentaren Übergangs von mütterlichen IgG-Autoantikörpern in der 2. Schwangerschaftshälfte zeigen etwa 10-20% der Neugeborenen nach der Geburt vorübergehende Myastheniesymptome. Extrem selten wird im Zusammenhang mit der mütterlichen Myasthenie ein schweres Krankheitsbild mit Arthrogryposis multiplex, Lungenhypoplasie und Polyhydramnion (als Folge von Autoantikörpern gegen fetale Acetylcholinrezeptoren) beschrieben.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Falls Pyridostigmin zur Therapie einer Myasthenie erforderlich ist, kann diese auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine sonographische Feindiagnostik kann zur Bestätigung einer normalen Entwicklung des Feten angeboten werden. Bei einer Myasthenia gravis sollten im 3. Trimenon weitere sonographische Kontrollen unabhängig von der Medikation erfolgen.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

keine.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 1,9-2 h; Proteinbindung: 0%; molare Masse: 261; relative Dosis: 0,09%; M/P-Quotient: 0,36-1,13; orale Bioverfügbarkeit: 10-20%. Im Plasma von zwei untersuchten Kindern lag die Konzentration des Medikamentes unter der Nachweisgrenze von 2 µg/l.

Klinik

Cholinerge Symptome wurden bisher bei gestillten Kindern nicht beschrieben und scheinen aufgrund der geringen relativen Dosis unwahrscheinlich zu sein.

Bei einer Myasthenia gravis können IgG-Autoantikörper der Mutter in geringer Menge in die Muttermilch übergehen. Praktisch dürfte die Aufnahme der Autoantikörper über die Muttermilch (allenfalls bei sehr unreifen Säuglingen und sehr hohen Autoantikörper-Spiegeln) nur eine geringe Rolle spielen. Bei einem Drittel der Mütter kann nach der Geburt eine Verschlechterung der Myasthenie eintreten, die z.B. aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes der Mutter zum Abstillen führen kann.

Empfehlung

Unter der Einnahme von Pyridostigmin kann bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes gestillt werden.

Bei einer mütterlichen Myasthenie sollte die Entscheidung bezüglich des Stillens im Einzelfall in Abhängigkeit von der erforderlichen weiteren medikamentösen Therapie, vom Krankheitsverlauf der Mutter nach der Geburt, und ggf. des Antikörpertiters individuell getroffen werden.


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