Gefördert durch

Pyridostigmin

grau
Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Pyridostigmin ist ein indirekt parasympathomimetisch wirkender Cholinesterasehemmer. Im Vergleich zu Neostigmin ist der Wirkungseintritt langsamer, die Wirkung hält länger an und es besteht eine größere therapeutische Breite. Der gute plazentare Übergang am Ende der Schwangerschaft wurde bei zwei Neugeborenen durch Messungen von Pyridostigmin im Nabelschnurblut nachgewiesen, die etwa 80-90% der mütterlichen Konzentrationen betrugen. Ein Übergang erscheint auch in der frühen Schwangerschaft aufgrund des kleinen Moleküls wahrscheinlich.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Myasthenia gravis.

  • Produktnamen

    Kalymin®, Mestinon®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Ein teratogenes Potential konnte bei den Cholinergika mit langer Markterfahrung bisher nicht nachgewiesen werden. In zahlreichen Einzelfallberichten und mehreren Fallserien zu Pyridostigmin mit unterschiedlicher Qualität haben sich bei insgesamt über 250 Lebendgeburten keine eindeutigen Hinweise auf embryotoxische Effekte ergeben. Hierunter wurden einige Einzelfallberichte mit pathologischem Ausgang beschrieben. Ein Zusammenhang mit der mütterlichen Medikation konnte bisher nicht bestätigt werden. Allerdings lag der Fokus der bisherigen Berichte und Fallserien nicht beim Ausschluss eines erhöhten Fehlbildungsrisikos, sondern bei dem Verlauf der Myasthenie bei Mutter und Kind während der Schwangerschaft und danach.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Eine fetotoxische Wirkung von Pyridostigmin wird bisher nicht angenommen. Von einigen Autoren wird empfohlen, eine i.v.-Gabe von Acetylcholinesterase-Hemmstoffen zum Ende der Schwangerschaft aufgrund der möglichen Uteruswirkung (und Auslösung von vorzeitigen Wehen) zu vermeiden.

Auswirkungen der Myasthenia gravis auf die Schwangerschaft sind möglich. Aufgrund des möglichen diaplazentaren Übergangs von mütterlichen IgG-Autoantikörpern in der 2. Schwangerschaftshälfte zeigen etwa 10-30% der Neugeborenen nach der Geburt vorübergehende Myastheniesymptome. Extrem selten wird im Zusammenhang mit der mütterlichen Myasthenie ein schweres Krankheitsbild mit Arthrogryposis multiplex, Lungenhypoplasie und Polyhydramnion (als Folge von Autoantikörpern gegen fetale Acetylcholinrezeptoren) beschrieben.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Falls Pyridostigmin zur Therapie einer Myasthenie erforderlich ist, kann diese auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden. Die üblichen Dosierungen sollten hierbei eingehalten werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine weiterführende Ultraschalluntersuchung kann zur Bestätigung der unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden. Bei einer Myasthenia gravis sollten im 3. Trimenon weitere sonographische Kontrollen unabhängig von der Medikation erfolgen und die Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

Keine.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 1-2 h; Proteinbindung: 0%; molare Masse: 181; relative Dosis: 0,09%; M/P-Quotient: 0,36-1,13; orale Bioverfügbarkeit: 10-20%. Im Plasma von einem untersuchte Kind lag die Konzentration des Medikamentes unter der Nachweisgrenze von 2 µg/l.

Klinik

Cholinerge Symptome wurden bisher bei gestillten Kindern nicht beschrieben und scheinen aufgrund der geringen relativen Dosis unwahrscheinlich zu sein. Im Rahmen einer Fallserie zur Schwangerschaft wird erwähnt, dass 25 Frauen unter fortgeführter Pyridostigmin-Einnahme stillten. Weitere Details zu den gestillten Kindern und der mütterlichen Medikation wurden nicht angegeben.

Empfehlung

Unter der Einnahme von Pyridostigmin kann bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes gestillt werden. Insbesondere auf mögliche cholinerge Symptome wie Salivation und gastrointestinale Symptome mit unzureichender Gewichtszunahme sollte geachtet werden.

Die Entscheidung für oder gegen das Stillen sollte den weiteren Krankheitsverlauf der Mutter und ihren möglichen Erschöpfungszustand berücksichtigen.


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