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Phenylbutazon

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Phenylbutazon ist ein nichtsteroidales Analgetikum/Antiphlogistikum aus der Gruppe der Pyrazolone. Es wird in der Leber zum aktiven Metaboliten Oxyphenazon metabolisiert. Seine antiphlogistische Wirkung beruht hauptsächlich auf der Synthesehemmung der Prostaglandine, die beim Entzündungsvorgang  ausgeschüttet werden. Phenylbutazon hemmt ferner die Leukozytenfunktion und die Plättchenaggregation. Seine urikosurische Wirkung beruht auf einer Verminderung der tubulären Rückresorption von Harnsäure. Ein plazentarer Übergang ist beschrieben. Wegen seiner schwerwiegendenen Nebenwirkungen (u. a. Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Agranulozytose) ist es in vielen Ländern nicht mehr zugelassen.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Zur kurzzeitigen (maximal eine Woche) symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündung bei akuten Schüben der chronischen Polyarthritis, der Spondylitis ankylosans, beim Gichtanfall. Wegen des hohen Risikos von Nebenwirkungen sollte die Anwendung bei besonders strenger Indikationsstellung nur erfolgen, wenn andere therapeutische Maßnahmen oder andere NSAID nur unzureichend gewirkt haben.

  • Produktnamen

    Ambene®

  • Synonyme

    Butazolidin

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: GERING

1. Trimenon

Es liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung von embryotoxischen Effekten von Phenylbutazon vor, ein erhebliches teratogenes Potenzial erscheint jedoch unwahrscheinlich.

2.-3. Trimenon / Perinatal

In einer älteren Studie von 1957 wurde 50 Schwangeren peripartal 0,6 - 1,2g Phenylbutazon i. m. verabreicht und bei der Geburt die Konzentration sowohl im Nabelschnur- als auch im mütterlichen Blut bestimmt. In der Regeln lag der Spiegel im Nabelschnurblut deutlich unter dem mütterlichen, in zwei Fällen war er identisch und in sieben Fällen lag er über dem mütterlichen Spiegel. Ein Zusammenhang zwischen Geburtsdauer und Differenz zwischen mütterlichem und Nabelschnurblut-Spiegel fand sich nicht. Im letzten Drittel der Schwangerschaft können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAID) zum vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus beim Fetus führen. Die Empfindlichkeit des Ductus arteriosus wächst mit zunehmendem Gestationsalter. Ein möglicher Zusammenhang zwischen NSAID und persistierendem pulmonalen Hypertonus beim Neugeborenen (PPHN) wird diskutiert. Auch die fetale und neonatale Nierenfunktion kann bis zur Anurie gehemmt werden. Dieser Effekt wird auf eine Minderperfusion der Niere und einen Anstieg des zirkulierenden Vasopressin zurückgeführt. Eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) beim Neugeborenen wird ebenfalls im Zusammenhang mit einer NSAID-Exposition vor der Geburt diskutiert.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Bei der Behandlung des in der Schwangerschaft seltenen Gichtanfalls ist Ibuprofen bis Schwangerschaftswoche 28 Mittel der Wahl, Phenylbutazon (bis Schwangerschaftswoche 28) und Colchicin sind Mittel der zweiten Wahl. Als Analgetikum/Antiphlogistikum sollte es aufgrund seiner allgemeinen Nebenwirkungen (auf die Hämatopoese, Flüssigkeitsretention) und der langen Halbwertszeit (Kumulationsneigung) sowie fehlender Vorteile gegenüber klassischen NSAID in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Im letzten Trimenon (ab Woche 28) darf Phenylbutazon wie auch Ibuprofen und andere NSAID wegen des steigenden Risikos für einen vorzeitigen Ductusverschluss und fetale Nierenschäden nicht angewendet werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine Exposition im 1. Trimenon stellt keinen Grund für invasive Diagnostik oder einen risikobegründeten Schwangerschaftsabbruch dar. Zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik angeboten werden. Nach wiederholter Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte der fetale Kreislauf sonographisch (Doppler-Sonographie) auf Veränderungen der Hämodynamik im Ductus arteriosus kontrolliert und ein Oligohydramnion ausgeschlossen werden.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

Als Analgetikum ist Paracetamol vorzuziehen. Für die antiphlogistische Behandlung sind klassische nichtsteroidale Antirheumatika, z.B. Ibuprofen, zu bevorzugen (cave vorzeitiger Ductus-arteriosus-Verschluss ab 28 Wochen).

Stillzeit

Es liegen ältere Daten aus der 50er und 60er Jahren vor, bei 20 Frauen wurde der Übergang von Phenylbutazon und bei 24 Frauen der Übergang des aktiven Metaboliten Oxyphenbutazon in die Muttermilch bestimmt.

Pharmakokinetik

HWZ: 50 - 100 h (hohe interindividuelle Variabilität); Proteinbindung: 99%; molare Masse: 308; M/P-Quotient: 0,1-0,3; orale Bioverfügbarkeit: 100%.
Bei 20 Frauen, die Phenylbutazon nach der Entbindung erhielten, war die Substanz in der Muttermilch nicht nachweisbar. Bei 24 Frauen, die kurz nach der Entbindung hohe Dosen des aktiven Metaboliten Oxyphenbutazon erhielten, war in 38 von 40 Milchproben kein Oxyphenbutazon (Nachweisgrenze <0,2mg%) messbar.

Klinik

In den beiden oben genannten Untersuchungen wurden keine Auffälligkeiten bei den gestillten Kindern beobachtet.

Empfehlung

Einzeldosen von Phenylbutazon erfordern keine Einschränkung des Stillens, die Medikation sollte jedoch auch aufgrund der langen Halbwertszeit auf besser untersuchte NSAID, z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder auch Paracetamol umgestellt werden.


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