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Phenylbutazon

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Phenylbutazon ist ein nichtsteroidales Analgetikum/Antiphlogistikum aus der Gruppe der Pyrazolidindione. Es wird in der Leber zum aktiven Metaboliten Oxyphenazon metabolisiert. Seine antiphlogistische Wirkung beruht hauptsächlich auf der Synthesehemmung der Prostaglandine, die beim Entzündungsvorgang ausgeschüttet werden. Phenylbutazon hemmt ferner die Leukozytenfunktion und die Plättchenaggregation. Seine urikosurische Wirkung beruht auf einer Verminderung der tubulären Rückresorption von Harnsäure. Ein plazentarer Übergang ist beschrieben. Wegen seiner schwerwiegendenen Nebenwirkungen (u. a. Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Agranulozytose) ist es in vielen Ländern nicht mehr zugelassen.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Zur kurzzeitigen (maximal eine Woche) symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündung bei akuten Schüben der chronischen Polyarthritis, der Spondylitis ankylosans, beim Gichtanfall. Wegen des hohen Risikos von Nebenwirkungen sollte die Anwendung bei besonders strenger Indikationsstellung nur erfolgen, wenn andere therapeutische Maßnahmen oder andere NSAID nur unzureichend gewirkt haben.

  • Produktnamen

    Ambene®

  • Synonyme

    Butazolidin

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: GERING

1. Trimenon

Speziell zu Phenylbutazon liegen keine ausreichenden Daten zur Beurteilung des Riskos einer Anwendung im 1. Trimenon vor, ein erhebliches teratogenes Potenzial ist jedoch unwahrscheinlich. Die überwiegende Anzahl der einschlägigen Untersuchungen beschäftigte sich Wirkstoff-übergreifend mit dem Risiko einer Einnahme von nicht-steroidalen Antiphlogistika/Antirheumatika (NSAID) im 1. Trimenon. Dabei zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Anwendung von NSAID im 1. Trimenon und einem erhöhten Fehlbildungsrisiko. Einzelne (Fall-Kontroll-) Studien haben ein Risiko für spezielle Fehlbildungen nach Anwendung von NSAID in der Frühschwangerschaft diskutiert. Dies betraf z.B. kardiovaskuläre (Septum-)Defekte. Es konnte aber ebenso wenig bestätigt werden wie ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten nach NSAID-Einnahme.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Aufgrund ihrer Prostaglandinhemmung können NSAID zum vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus (DA) Botalli beim Fetus und zu einer Schädigung der fetalen und neonatalen Nierenfunktion führen. Die Empfindlichkeit des Fetus steigt mit zunehmendem Gestationsalter. Dieses Risiko ist nach der 28. Schwangerschaftswoche gut dokumentiert, aber auch ab Mitte des 2. Trimenon sind Fallberichte zu vorzeitigem Ductusverschluss bzw. fetaler Nierenfunktionseinschränkung mit nachfolgendem Oligohydramnion beschrieben, insbesondere bei langfristiger NSAID-Einnahme. Ein ursächlicher Zusammenhang für diese Phänomene wurde unterstrichen durch die Beobachtung, dass sich die Symptome bei rechtzeitigem Absetzen des NSAID wieder besserten. Des Weiteren wurde eine Assoziation zwischen NSAID im 3. Trimenon und persistierendem pulmonalen Hypertonus beim Neugeborenen (PPHN) insbesondere nach intrauterinen Ductusverschluss, gesehen. Eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) beim Neugeborenen wird ebenfalls im Zusammenhang mit einer NSAID-Exposition am Ende der Schwangerschaft diskutiert.
In einer älteren Studie von 1957 wurde 50 Schwangeren peripartal 0,6 - 1,2g Phenylbutazon i. m. verabreicht und bei der Geburt die Konzentration sowohl im Nabelschnur- als auch im mütterlichen Blut bestimmt. In der Regel lag der Spiegel im Nabelschnurblut deutlich unter dem mütterlichen, in zwei Fällen war er identisch und in sieben Fällen lag er über dem mütterlichen Spiegel. Ein Zusammenhang zwischen Geburtsdauer und Differenz zwischen mütterlichem und Nabelschnurblut-Spiegel fand sich nicht. 

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Bei der Behandlung des in der Schwangerschaft seltenen Gichtanfalls ist Ibuprofen bis Schwangerschaftswoche 28 Mittel der Wahl, Phenylbutazon (bis Schwangerschaftswoche 28) und Colchicin sind Mittel der 2. Wahl.
Als Analgetikum/Antiphlogistikum sollte Phenylbutazon aufgrund seiner allgemeinen Nebenwirkungen (auf die Hämatopoese, Flüssigkeitsretention) und der langen Halbwertszeit (Kumulationsneigung) sowie fehlender Vorteile gegenüber klassischen NSAID in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.Wie jede andere Schmerzmedikation auch, sollte es nicht unkritisch und ohne ärztlichen Rat tagelang oder über mehrere Wochen eingenommen werden. Im letzten Trimenon (ab Schwangerschaftswoche 28) dürfen Phenylbutazon und andere NSAID nicht angewendet werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik angeboten werden. Bei wiederholter Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel (nach Schwangerschaftswoche 28) sollte der fetale Kreislauf sonographisch (Doppler-Sonographie) auf Veränderungen der Hämodynamik im Ductus arteriosus kontrolliert und ein Oligohydramnion ausgeschlossen werden. Diese Diagnostik wird auch dann empfohlen, wenn NSAID zwischen Schwangerschaftswoche 20 und 28 regelmäßig und mehrere Tage hintereinander oder sogar wochenlang angewendet wurden. Kurz vor dem Entbindungstermin am Ende des 3. Trimenon wird eine dopplersonographische Kontrolle des Ductus arteriosus bereits bei Einzeldosen empfohlen.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser geeignete Alternativen

Ibuprofen (1. und 2. Trimenon), Paracetamol gesamte Schwangerschaft.

Stillzeit

Es liegen ältere Daten aus der 50er und 60er Jahren vor, bei 20 Frauen wurde der Übergang von Phenylbutazon und bei 24 Frauen der Übergang des aktiven Metaboliten Oxyphenbutazon in die Muttermilch bestimmt.

Pharmakokinetik

HWZ: 50 - 100 h (hohe interindividuelle Variabilität); Proteinbindung: 99%; molare Masse: 308; M/P-Quotient: 0,1-0,3; orale Bioverfügbarkeit: 100%.
Bei 20 Frauen, die Phenylbutazon nach der Entbindung erhielten, war die Substanz in der Muttermilch nicht nachweisbar. Bei 24 Frauen, die kurz nach der Entbindung hohe Dosen des aktiven Metaboliten Oxyphenbutazon erhielten, war in 38 von 40 Milchproben kein Oxyphenbutazon (Nachweisgrenze <0,2mg%) messbar.

Klinik

In den beiden oben genannten Untersuchungen wurden keine Auffälligkeiten bei den gestillten Kindern beobachtet.

Empfehlung

Einzeldosen von Phenylbutazon erfordern keine Einschränkung des Stillens, die Medikation sollte jedoch auch aufgrund der langen Halbwertszeit auf besser untersuchte NSAID, z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder auch Paracetamol umgestellt werden.


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