Oxycodon

grau
Medikament, bei dem mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko haben erkennen lassen.

Oxycodon ist ein Derivat des Codeins mit agonistischer Wirkung an den κ-, μ- und δ-Opioidrezeptoren in Gehirn und Rückenmark. Es wird ähnlich wie Codein über Cytochrom P450 2D6 metabolisiert, zu dem es zahlreiche genetische Varianten gibt. Die Metaboliten (Oxymorphon, Noroxycodon u.a.) sind teilweise stärker wirksam. Oxycodon ist für die orale, intravenöse und subcutane Anwendung zugelassen und ist stärker wirksam als Morphin. Es ist plazentagängig und erreicht beim Feten ähnliche Spiegel wie bei der Mutter.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Starke bis sehr starke Schmerzen, die nur mit Opioidanalgetika angemessen behandelt werden können (WHO Stufe 3).

  • Produktnamen

    Oxygesic® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Etwa hundert ausgewertete Schwangerschaften mit Oxycodon-Therapie im 1. Trimenon erbrachten keine Hinweise auf Teratogenität.

2.-3. Trimenon / Perinatal

In einer Pilot-Studie zur Ermittlung der Pharmakokinetik an 15 Frauen, die zur Behandlung des Wehenschmerzes in der Eröffnungsphase bis zu 5 mg Oxycodon in 1 mg-Boli erhalten hatten und mit 30 Frauen verglichen wurden, die keine systemischen Opioide erhalten hatten, fanden sich kein signifikanten Unterschiede bei den Neugeborenen. Ebenso war  zwischen der Konzentration von Oxycodon bzw. seinen Metaboliten im Nabelschnurblut und der neurologischen Anpassung der Neugeborenen (gemessen mittels Neonatal neurological and adaptive capacity score, NACS) kein Zusammenhang nachweisbar. Nach regelmäßiger Anwendung im 2./3. Trimenon und oder Verabreichung unter der Geburt muss mit Atemdepression und Entzugssymptomen wie Tremor, Diarrhoe, Trinkschwäche und Zittrigkeit beim Neugeborenen gerechnet werden. Diese können auch verzögert (40 bis 72 Stunden postpartal) auftreten und eine tage- bis wochenlange Behandlung erfordern.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Oxycodon ist bei strenger Indikationsstellung akzeptabel. Es sollte nur kurzzeitig angewandt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Bei Abusus und nach regelmäßiger Einnahme im 2./3. Trimenon oder bis zur Geburt sollte eine Entbindung in einem Perinatalzentrum erfolgen, um die optimale Versorgung des Neugeborenen zu gewährleisten.

Besser erprobte Alternativen:

Schmerzmittel der 1. Wahl sind Paracetamol oder bis Woche 28 Ibuprofen. Sollte ein zentral wirksames Analgetikum indiziert sein, sind Morphin, Tramadol oder Buprenorphin zu bevorzugen.

Stillzeit

Es liegen Daten zu ca. 250 Mutter-Kind-Paaren vor, zum Teil wurden Muttermilch- und/oder Serumspiegel bei der Mutter und/oder Serumspiegel beim Kind bestimmt.

Pharmakokinetik

HWZ: 4-6 h, bis 14 h beim jungen Säugling; Proteinbindung: 38-45%; molare Masse: 315; relative Dosis: 1 - 8% (höher bei längerer Therapie oder Einnahme hoher Dosen); M/P-Quotient: 3,2-3,4 (hohe interindividuelle Variabilität, höher bei löngerer Einnahme); orale Bioverfügbarkeit: 60-87%.
Bei sechs stillenden Müttern, die Oxycodon nach Sectio einnahmen, zeigte sich insbesondere nach wiederholter Applikation ein variabler Übergang in die Muttermilch mit Spiegeln bis zu 229 μg/l. Je mehr Oxycodon die Mutter eingenommen hatte, desto länger war Oxycodon in der Muttermilch nachweisbar. Bei 50 Müttern, die in den ersten 72 Stunden nach Sectio Oxycodon zur Schmerztherapie erhalten hatten, wurden maximal 168 μg/l im Colostrum gemessen, aber nur bei einem von 45 untersuchten Kindern war Oxycodon im Serum nachweisbar (7,4 μg/l). Dies wurde darauf zurückgeführt, dass die Kinder in den ersten drei Lebenstagen vermutlich nur geringe Mengen an Muttermilch erhalten hatten.

Klinik

In der oben genannten Studie mit 50 Mutter-Kind-Paaren wurde nur bei zwei Kindern (4%) über leichte Schläfrigkeit berichtet; keines der Kinder wies ernsthafte Symptome auf. In einer retrospektiven Studie aus Kanada berichteten 20% von 139 befragten Müttern, die in der Stillzeit Oxycodon eingenommen hatten, über Schläfrigkeit bei ihren Kindern. Ein Fallbreicht beschreibt Lethargie, Hypothermie und Trinkschwäche nach dem Milcheinschuss bei einerm drei Tage alten voll gestillten Neugeborenen, dessen Mutter Oxycodon seit der Entbindung eingenommen hatte. In einem weiteren Fallbericht wird über einen 45 Tage alten Säugling mit Sedierung, intubationspflichtiger Atemdepression und seit Geburt bestehender Verstopfung berichtet. Die Mutter hatte wegen einer ausgedehnten Episiotomie seit der Entbindung regelmäßig Oxycodon 20 - 30 mg pro Tag eingenommen. Im Urin des Säuglings war der Opioid-Nachweis stark positiv. Ein Zusammenhang zwischen den genetischen Varianten der Metabolisierung von Oxycodon und Symptomen beim Neugeborenen ähnlich wie bei Codein konnte nicht nachgewiesen werden.

Empfehlung

Opioidanalgetika sollten in der Stillzeit nur kurzzeitig angewendet werden. Die obigen Daten weisen auf ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen beim Kind hin, insbesondere nach höheren Dosen bzw. längerdauernder regelmäßiger Einnahme. Deshalb sollte Oxycodon maximal zwei Tage in der niedrigst möglichen Dosierung angewendet werden. Eine Neueinstellung mit Oxycodon sollte in der Stillzeit kritisch überdacht werden - und ggf. das Stillen eingeschränkt werden. Wegen der atemdepressiven Wirkung ist bei Kindern mit Apnoeneigung besondere Vorsicht geboten. Analgetika der Wahl sind Paracetamol oder NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac. Fentanyl und Morphin sind je nach Indikation die Opioidanalgetika der Wahl, sollten aber auch nur kurzfristig angewendet werden. 


Wir helfen Ihnen und Sie helfen uns

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.