Gefördert durch

Oxybutynin

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Oxybutynin ist ein synthetisches tertiäres Amin mit antimuskarinerger Wirkung. Im Unterschied zu Atropin hat es zusätzlich eine direkte spasmolytische Wirkung an der glatten Muskulatur ( u.a. der Harnblase). Es wird hauptsächlich oral und transdermal angewendet.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Harninkontinenz und Pollakisurie bei Detrusorinstabilität oder neurogener Blasenerkrankung.

  • Produktnamen

    Dridase®, Kentera®, Spasyt®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: GERING

1. Trimenon

Ein Abstract mit 53 prospektiv erfassten Schwangerschaft, hiervon 35 mit Exposition im 1. Trimenon, beschreibt einen Spontanabort mit multiplen Fehlbildungen. Die Autoren selbst halten einen Zusammenhang mit Oxybutynin für unwahrscheinlich. Insgesamt zeigte sich ein nicht-signifikant erhöhtes Risiko für Fehlbildungen. Das beobachtete Abortrisiko entsprach dem der Kontrollgruppe. Eine retrospektive Studie beschreibt 20 Schwangerschaften mit Exposition im 1. Trimenon ohne genauere Angaben zu Dosierung und Dauer der Exposition. Vier Frauen hiervon setzten die Medikation in der gesamten Schwangerschaft fort. Alle Kinder waren gesund.   

Im Tierversuch wurden bei einer Dosis, die der therapeutischen Dosis beim Menschen entspricht, ebenfalls keine teratogenen Wirkungen gesehen. Nur bei wesentlich höherer Dosierung wurden bei Ratten teratogene Effekte beschrieben. 

2.-3. Trimenon / Perinatal

Zur Anwendung in diesem Zeitraum der Schwangerschaft liegen deutlich weniger Daten vor. Konkrete Hinweise auf fetotoxische Effekte gibt es nicht. Bei einem Neugeborenen wird eine verzögerte erste Miktion beschrieben.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Anticholinergika können bei strenger Indikationsstellung in der gesamten Schwangerschaft angewendet werden. Bei bestimmten Arten der Blaseninkontinenz erscheint auch das weit verbreitete Oxybutynin akzeptabel, wenn therapeutisch ein Vorteil gegenüber konservativen Therapieoptionen wie der Selbstkatheterisierung zu erwarten ist.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Bei Exposition im 1.Trimenon kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik angeboten werden. Funktionelle Auswirkungen, z.B. auf die Herzfrequenz des Feten, müssen bei systemischer Applikation von Anticholinergika bedacht werden. 

Besser geeignete Alternativen

Bei Detrusorinstabilität oder neurogener Blasenerkrankung keine.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 1-2 h; Proteinbindung: 83-95%; molare Masse: 393; orale Bioverfügbarkeit: 2-11% (aufgrund des ausgeprägten First-Pass-Effektes). 

Klinik

Säuglinge bzw. Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf atropinartige Präparate. Bisher gibt es aber keine Publikationen, in denen negative Auswirkungen beim Kind durch Gabe atropinartiger Mittel an die stillende Mutter beschrieben wurden. Neben einem Hinweis vom Hersteller, dass es zu einem geringen Übergang in die Muttermilch kommt, liegen keine weiteren konkreten Daten zum Übergang in die Muttermilch vor. Ein nennenswerter Übergang in die Muttermilch erscheint aufgrund der geringen oralen Verfügbarkeit und hoher Proteinbindung unwahrscheinlich.

Tierversuche und vom Hersteller erwähnte Fallberichte liefern Hinweise, dass es bei Anwendung von Anticholinergika zu einer verminderten Milchproduktion kommen kann.

Empfehlung

Bei Detrusorinstabilität oder neurogener Blasenerkrankung erscheint das weit verbreitete Oxybutynin in der Stillzeit akzeptabel, sofern keine anticholinergen Nebenwirkungen beim Säugling auftreten und das Kind regulär Gewicht zunimmt.


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