Neostigmin

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Medikament, bei dem mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko haben erkennen lassen.

Neostigmin ist ein indirektes Parasymathomimetikum, das durch eine Hemmung der Acetylcholinesterase wirkt. Als quartäre Ammoniumverbindung ist es schlecht ZNS-gängig und soll die Plazentaschranke nicht überschreiten. In Deutschland ist es nur noch als i.v. -Injektionslösung erhältlich.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Myasthenia gravis, Antagonisierung der muskelrelaxierenden Wirkung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien.

  • Produktnamen

    NEOSTIG®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Ein teratogenes Potential konnte bei den Cholinergika mit langer Markterfahrung bisher nicht nachgewiesen werden. Der Hersteller berichtet von 22 Schwangeren mit Neostigmin-Exposition im 1. Trimenon, deren Kinder kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko aufwiesen.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Eine fetotoxische Wirkung des Neostigmins wird aufgrund der vermuteten fehlenden Plazentagängigkeit nicht angenommen, jedoch wurde in einem Fall in der 31. Schwangerschaftswoche eine fetale Bradykardie nach Anwendung von Neostigmin bei der Mutter im Rahmen einer Narkose beschrieben.

Auswirkungen der Myasthenia gravis auf die Schwangerschaft sind möglich. Schätzungsweise 10-20% der Neugeborenen von Müttern mit einer Myasthenia gravis zeigen nach der Geburt vorübergehende Myastheniesymptome aufgrund von diaplazentar übergegangenen Autoantikörpern (s.a. Pyridostigmin).

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Bei entsprechender Indikation kann Neostigmin auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine weiterführende Ultraschalluntersuchung kann zur Bestätigung einer normalen Entwicklung des Feten angeboten werden. Bei einer Myasthenia gravis sollten im 3. Trimenon weitere sonographische Kontrollen unabhängig von der Medikation erfolgen.

Besser erprobte Alternativen:

  Pyridostigmin bei Myasthenia gravis.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 1,3 h; Proteinbindung: 15-25%; molare Masse: 223; orale Bioverfügbarkeit: ca. 1-2% (individuelle Unterschiede).

Klinik

In einer Untersuchung aus den 50er und 60er Jahren konnte Neostigmin in der Muttermilch nicht nachgewiesen werden. Bei einem von diesen sechs gestillten Säuglingen wurden Bauchkrämpfe nach jedem Stillen beobachtet und ein möglicher Zusammenhang mit der mütterlichen Therapie diskutiert.

Empfehlung

Zur Therapie der Myasthenia gravis sollte Pyridostigmin bevorzugt eingesetzt werden. Neostigmin scheint bei guter Beobachtung des Säuglings ebenfalls akzeptabel zu sein. Die einmalige Gabe von Neostigmin im Rahmen einer mütterlichen Narkose scheint in der Regel für den voll gestillten Säugling wenig problematisch zu sein.


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