Gefördert durch

Neostigmin

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Neostigmin ist ein indirektes Parasymathomimetikum, welches durch eine Hemmung der Acetylcholinesterase wirkt. Im Gegensatz zu Pyridostigmin passiert es kaum die Blut-Hirn-Schranke, so dass zentralwirksame Wirkungen nicht auftreten. In Deutschland ist es nur noch als i.v.-Injektionslösung erhältlich.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Myasthenia gravis, Antagonisierung der muskelrelaxierenden Wirkung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien.

  • Produktnamen

    NEOSTIG® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Ein teratogenes Potential konnte bei den Cholinergika mit langer Markterfahrung bisher nicht nachgewiesen werden. In zahlreichen Einzelfallberichten und wenigen Fallserien mit unterschiedlicher Qualität zu Neostigmin mit insgesamt fast 80 Lebendgeburten haben sich keine eindeutigen Hinweise auf embryotoxische Effekte ergeben. Hierunter wurden einige wenige Einzelfallberichte mit pathologischen Ausgang beschrieben. Ein Zusammenhang mit der mütterlichen Medikation konnte aber bisher nicht bestätigt werden. Allerdings lag der Fokus der bisherigen Berichte und Fallserien nicht beim Ausschluss eines erhöhten Fehlbildungsrisikos, sondern bei dem Verlauf der Myasthenie bei Mutter und Kind während der Schwangerschaft und danach.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Eine fetotoxische Wirkung des Neostigmins wird bei Einhaltung der empfohlenen Dosis nicht angenommen. Ein Fallbericht beschreibt eine fetale Bradykardie in der 31. Schwangerschaftswoche nach Anwendung von Neostigmin bei der Mutter im Rahmen einer Narkose.

Von einigen Autoren wird empfohlen, eine i.v.-Gabe von Acetylcholinesterase-Hemmstoffen zum Ende der Schwangerschaft aufgrund der möglichen Uteruswirkung (und Auslösung von vorzeitigen Wehen) zu vermeiden.

Auswirkungen der Myasthenia gravis auf die Schwangerschaft sind möglich. Aufgrund des möglichen diaplazentaren Übergangs von mütterlichen IgG-Autoantikörpern in der 2. Schwangerschaftshälfte zeigen etwa 10-30% der Neugeborenen nach der Geburt vorübergehende Myastheniesymptome.

Extrem selten wird im Zusammenhang mit der mütterlichen Myasthenie ein schweres Krankheitsbild mit Arthrogryposis multiplex, Lungenhypoplasie und Polyhydramnion (als Folge von Autoantikörpern gegen fetale Acetylcholinrezeptoren) beschrieben.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Bei entsprechender Indikation kann Neostigmin auch in der Schwangerschaft in der üblichen Dosierung eingesetzt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Eine weiterführende Ultraschalluntersuchung kann zur Bestätigung der unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden. Bei einer Myasthenia gravis sollten im 3. Trimenon weitere sonographische Kontrollen unabhängig von der Medikation erfolgen und die Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen.

Besser geeignete Alternativen

Pyridostigmin bei Myasthenia gravis.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: ca. 60-80 min; molare Masse: 223; orale Bioverfügbarkeit: ca. 1-2% (individuelle Unterschiede).

Klinik

In einer Untersuchung aus den 50er und 60er Jahren konnte Neostigmin in der Muttermilch nicht nachgewiesen werden. Bei einem der sechs gestillten Säuglinge wurden Bauchkrämpfe nach jedem Stillen beobachtet und ein möglicher Zusammenhang mit der mütterlichen Therapie diskutiert.

Empfehlung

Unter der Einnahme von Neostigmin kann bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt gestillt werden. Insbesondere auf mögliche cholinerge Symptome wie Salivation und gastrointestinale Symptome mit unzureichender Gewichtszunahme sollte geachtet werden. Die einmalige Gabe von Neostigmin im Rahmen einer mütterlichen Narkose scheint in der Regel für den voll gestillten Säugling wenig problematisch zu sein.

Die Entscheidung für oder gegen das Stillen sollte den weiteren Krankheitsverlauf der Mutter und ihren möglichen Erschöpfungszustand berücksichtigen.


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