Gefördert durch

Naproxen

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Naproxen gehört in der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika/Antirheumatika (NSAID) zu den nicht-selektiven Hemmern der Cyclooxygenase (COX) mit einer etwa gleich starken Hemmung der COX-1 und der COX-2. Die antiphlogistische Wirkung beruht auf einer verminderten Prostaglandinsynthese. Ferner hemmt es die Thrombozytenaggregation reversibel. Naproxen ist plazentagängig.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Als Analgetikum, Antipyretikum und zur antiphlogistischen Therapie bei akuten und chronischen Arthritiden wie z. B. rheumatoider Arthritis.

  • Produktnamen

    Aleve®, Dolormin für Frauen® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

In umfangreichen Untersuchungen zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Anwendung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) im 1. Trimenon und einem erhöhten Fehlbildungsrisiko. In einer prospektiven Kohortenstudie fand sich bei 168 Frauen, die Naproxen im ersten Trimenon angewendet hatten, kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Unbestätigt blieb bislang das in einigen Studien beobachtete leicht erhöhte Risiko für kardiovaskuläre (Septum-)Defekte und für Fehlgeburten (für NSAID insgesamt).

2.-3. Trimenon / Perinatal

Im letzten Drittel der Schwangerschaft können NSAID zum vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus beim Fetus führen. Hierzu liegen mehrere Fallserien vor. Die Empfindlichkeit des Ductus arteriosus wächst mit zunehmendem Gestationsalter. Ein möglicher Zusammenhang zwischen NSAID-Einnahme im 3. Trimenon und persistierendem pulmonalem Hypertonus beim Neugeborenen wird diskutiert. Auch die fetale und neonatale Nierenfunktion kann bis zur Anurie gehemmt werden. Dieser Effekt wird auf eine Minderperfusion der Niere und einen Anstieg des zirkulierenden Vasopressins zurückgeführt. Ein Fallbericht beschreibt eine Schwangerschaft mit Naproxen-Exposition im 2. Trimenon bis Schwangerschaftswoche 27, in der ein erhebliches Oligohydramnion auffiel und das Kind deshalb per Sectio entbunden wurde. Initial war das Neugeborene bis auf Kontrakturen beider Knie unauffällig, musste aber ab dem zweiten Lebenstag wegen Anurie dialysiert werden. Es verstarb an weiteren Komplikationen, die vermutlich durch die Frühgeburt bedingt waren. Bei der Obduktion fiel eine renale tubuläre Dysgenesie auf. Ähnliche Nieren-Auffälligkeiten wurden auch nach Exposition mit anderen NSAID, insbesondere Indometacin, beschrieben. Eine nekrotisierende Enterokolitis beim Neugeborenen wird ebenfalls im Zusammenhang mit einer NSAID-Exposition vor der Geburt diskutiert.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Naproxen gehört in der Schwangerschaft nicht zu den Mitteln der Wahl, die besser untersuchten NSAID Ibuprofen und Diclofenac sollten bevorzugt werden. Im letzten Trimenon (ab Woche 28) darf Naproxen wie auch Ibuprofen und andere NSAID wegen des steigenden Risikos für einen vorzeitigen Ductusverschluss und fetale Nierenschäden nicht angewendet werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Nach wiederholter Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel sollte der fetale Kreislauf doppler-sonographisch auf Veränderungen der Hämodynamik im Ductus arteriosus kontrolliert und ein Oligohydramnion ausgeschlossen werden.

Besser geeignete Alternativen

Ibuprofen und Diclofenac (bis Schwangerschaftswoche 28); Paracetamol in der gesamten Schwangerschaft.

Stillzeit

Es liegen Daten zu gut 20 Mutter-Kind-Paaren vor, Serum- und Milchspiegelbestimmungen wurden allerdings nur in einem Fall durchgeführt.

Pharmakokinetik

HWZ: 10-18 h; Proteinbindung: 99%; molare Masse: 230; relative Dosis: ca. 3,3%; M/P-Quotient: 0,01; orale Bioverfügbarkeit: 74-99%.
Bei einer Mutter, die dauerhaft Naproxen in der Stillzeit einnahm, wurden unter 250 mg/d maximal 1,3 mg/l und unter 375 mg/d maximal 2,4 mg/l in der Muttermilch gemessen, im Urin des Kindes wurden 0,26% der Gesamtdosis gefunden.

Klinik

Ein Fall berichtet von einem sieben Tage alten Säugling mit akuter Anämie nach rektalen Blutungen und Hämaturie, dessen Mutter in den 3 Tagen davor Naproxen 1000 mg/d eingenommen hatte. Drei von 20 Müttern, die Naproxen angewendet hatten, berichteten über leichte Nebenwirkungen bei ihren Kindern (bei einem Kind Erbrechen, bei zwei Kindern leichte Schläfrigkeit). Keines der Kinder benötigte ärztliche Therapie.

Empfehlung

Naproxen gehört aufgrund der relativ langen HWZ in der Stillzeit nicht zu den Mitteln der Wahl. Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens, die Medikation sollte jedoch auf Ibuprofen, ggf. auch Diclofenac umgestellt werden.


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