Misoprostol

rot
Medikament mit gesicherter Teratogenität und/oder gravierender Fetotoxizität.

Misoprostol ist ein synthetisches Prostaglandin-E1-Analogon, das nach Resorption schnell zur biologisch aktiven Misoprostolsäure metabolisiert wird. Es wird zur Therapie und Prophylaxe von Magen-/ Darmulcera eingesetzt. Aufgrund seiner kontraktionsauslösenden Wirkung auf die Uterusmuskulatur findet es außerdem in vielen geburtshilflichen Situationen Anwendung. Für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch bis zum 49. Tag p.c. (63. Tag p.m.) wird Misoprostol in Kombination mit Mifepriston eingesetzt. Des Weiteren kann Misoprostol vaginal zur Zervixreifung ab der 37. Schwangerschaftswoche verwendet werden sowie zur Weheneinleitung. Eine weitere Indikation ist die Therapie postpartaler Blutungskomplikationen. Misoprostol kann oral, rektal und vaginal angewendet werden.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Ulkustherapie, Ulkusprophylaxe, medikamentöser Schwangerschaftsabbruch, Geburtseinleitung, postpartale Subinvolutio uteri.

  • Produktnamen

    Arthotec® = Kombipräparat (Misoprostol und Diclofenac), Cytotec®, Misodel®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon

Misoprostol wirkt teratogen. Die Erfahrungen zur Auswirkung einer Misoprostoleinnahme im 1. Trimenon stammen aus zwei aktuellen prospektiven französischen Studien mit insgesamt 500 Schwangerschaften bei denen insgesamt 16 große Fehlbildungen beobachtet wurden, wovon 8 als typisch für Misoprostol beurteilt wurden. Ferner liegen Erfahrungen aus älteren prospektiven und retrospektiven Untersuchungen und zahlreichen Fallberichten vor. Insbesondere nach fehlgeschlagener medikamentöser Abortinduktion wurden vermehrt sog. Disruptionsfehlbildungen beobachtet. Besonders typisch sind terminale transversale Reduktionsfehlbildungen der Extremitäten, die Möbius-Sequenz, sowie seltener das Poland Syndrom. Bei etwa einem Drittel der Kinder mit Möbius-Sequenz wurden uni- oder bilaterale Klumpfüße beschrieben. Als Ursache der Fehlbildungen wird eine durch Misoprostrol bedingte Perfusionsstörung aufgrund der induzierten Uteruskontraktionen angenommen. Insgesamt scheint das Fehlbildungsrisiko nicht dosisabhängig zu sein. Eine Dosis von 200 µg kann bereits zur nachweisbaren Heraufsetzung des arteriellen Strömungswiderstands in den Aa. uterinae führen.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Es liegen keine Erfahrungen zur Therapie von gastrointestinalen Erkrankungen mit Misoprostol im 2./3. Trimenon vor. Zur Weheneinleitung und Zervixreifung zeigt es, wenn die Kontraindikationen berücksichtigt werden, eine gute Verträglichkeit.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Auf den Einsatz von Misoprostol sollte während der gesamten Schwangerschaft verzichtet werden. Zur Geburtsvorbereitung (Zervixreifung), zur Weheneinleitung sowie im Management postpartaler Hämorrhagien dürfen Prostaglandine jedoch indikationsgerecht eingesetzt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Nach versehentlicher Anwendung im 1. Trimenon oder nach einem fehlgeschlagenen Abortversuch mit Prostaglandinen sollte eine weiterführende Ultraschalldiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden, wobei eine Möbius-Sequenz allerdings sonographisch nicht ausgeschlossen werden kann.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

Für gastrointestinale Indikationen (siehe Refluxkrankheit, Gastritis) zum Beispiel Ranitidin oder Omeprazol.

Stillzeit

Es liegen publizierte Erfahrungen zu etwa 30 Mutter-Kind-Paaren vor.

Pharmakokinetik

HWZ: 20-40 min; Proteinbindung: <90%; molare Masse: 382; orale Bioverfügbarkeit: 100%; relative Dosis < 0,1%.

Klinik

Misoprostol geht in die Muttermilch über. Bisher sind keine negativen Auswirkungen auf die gestillten Säuglinge beschrieben und aufgrund der kurzen Halbwertzeit und geringen relativen Dosis auch nicht zu erwarten.

Empfehlung

Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei gastrointestinaler Indikation sollte auf in der Stillzeit besser untersuchte Substanzen (wie Raniditin, Omeprazol oder Pantoprazol) zurückgegriffen werden.


Wir helfen Ihnen und Sie helfen uns

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.