Methylprednisolon

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Medikament, bei dem mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko haben erkennen lassen.

Methylprednisolon ist ein nicht-fluoriertes Glucocorticoid. Es beeinflusst dosisabhängig den Stoffwechsel fast aller Gewebe. Die mineralocorticoide Wirkung fehlt fast vollkommen. Wie auch Prednisolon und Prednison ist Methylprednisolon nur zu einem geringen Anteil plazentagängig. Es kann systemisch und lokal verwendet werden.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Auswahl: Asthma bronchiale, obstruktive Atemwegserkrankungen, bei schweren Verlaufsformen von Pollinosis und Rhinitis allergica, lokale und systemische Therapie von entzündlichen oder allergischen Hauterkrankungen, z. B. atopischer Dermatitis, Autoimmunerkrankungen wie Pemphigus, systemischer Lupus erythematodes; bei rheumatoider Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn. Außerdem kann Methylprednisolon bei Störungen oder Ausfall der Nebennierenrindenfunktion als Ersatz für das körpereigene Hormon Hydrocortison angewendet werden, zum Beispiel bei Addison-Krankheit oder beim kongenitalen adrenogenitalen Syndrom.

  • Produktnamen

    Advantan®, Urbason® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon

Eine Metaanalyse aller bisher veröffentlichten Studien ergibt eine Assoziation zwischen Glucocorticoiden und Spaltbildungen (Gaumenspalten mit oder ohne Lippenbeteiligung) bei nicht erhöhter Gesamtfehlbildungsrate. In mehreren neuen Untersuchungen wurde kein erhöhtes Risiko für Spaltbildungen nach Steroidmedikation im ersten Trimenon gesehen. Insgesamt ist ein leicht erhöhtes Risiko für Gaumenspalten nicht auszuschließen, wenn während der sensiblen Phase zwischen Schwangerschaftswoche acht und elf behandelt wird. Obwohl sich keine sichere Dosis angeben lässt, ist das individuelle Risiko bei 10 mg bis 15 mg/Tag Prednisolon extrem gering, dies entspricht in etwa einer Methylprednisolondosis von 8 bis 12 mg.

2.-3. Trimenon / Perinatal

In Abhängigkeit von Therapiedauer, Dosis und Indikation kann es bei Behandlung mit Methylprednisolon zur intrauterinen Wachstumsretardierung (IUGR), zur Frühgeburt sowie zur vorübergehenden Hypoglykämie, Hypotonie und Elektrolytstörungen beim Neugeborenen kommen. IUGR und geringes Geburtsgewicht können in einigen Fällen jedoch auch Folge der zugrunde liegenden mütterlichen Erkrankung sein. Eine neonatale NNR-Insuffizienz kann selten nach Dauertherapie im letzten Trimenon auftreten.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Eine indizierte systemische oder lokale Behandlung mit Methylprednisolon darf auch in der Schwangerschaft erfolgen. Wenn es therapeutisch möglich ist, sollte die Erhaltungsdosis zwischen Woche acht und elf 8 mg/Tag nicht überschreiten. Notfallbehandlungen und die Therapie einer akuten Krankheitsexazerbation unterliegen keinen Dosisbeschränkungen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Bei einer selten erforderlichen, höher dosierten Behandlung über viele Wochen sollte das fetale Wachstum regelmäßig sonographisch überwacht werden. Dauert die Therapie bis zur Geburt, muss eine Nebenniereninsuffizienz des Neugeborenen bedacht und gegebenenfalls behandelt werden.

Besser erprobte Alternativen:

Prednisolon und Prednison sind Mittel der Wahl aus der Gruppe der Glucocorticoide für eine systemische Behandlung während der Schwangerschaft.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 2-3 h; Proteinbindung: 77%; molare Masse: 374; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Klinik

Für den gestillten Säugling ergibt sich selbst durch eine kurzdauernde Hochdosisbehandlung kein Risiko, da er über die Muttermilch nur einen Bruchteil einer üblicherweise gut verträglichen therapeutischen Kinderdosis erhält. Auch unter länger dauernder Behandlung mit 80 mg/Tag wird mit der Muttermilch nur eine Methylprednisolonmenge übertragen, die weniger als 10 % der körpereigenen Cortisol-Produktion entspricht. Es gibt einige neuere Fallberichte, die nahelegen, dass immunsuppressive Dosen von Methylprednisolon weder den IgA-Gehalt der Muttermilch vermindern noch zu einer Veränderung der Infektionsrate des gestillten Säuglings führen.

Empfehlung

Methylprednisolon gehört neben Prednisolon und Prednison zu den Corticoiden der Wahl für eine systemische Behandlung während der Stillzeit. Auch hohe Dosen bis 1 g, einmalig oder wenige Tage nacheinander verabreicht, z.B. beim Asthmaanfall oder bei multipler Sklerose, erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei wiederholter Gabe solch hoher Dosen sollte, wenn es sich einrichten lässt, 3–€œ4 Stunden mit dem Stillen gewartet werden. Lokale Corticoidanwendungen sind für den gestillten Säugling unbedenklich.


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