Gefördert durch

Mercaptopurin

grau
Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

6-Mercaptopurin (6-MP) ist ein Purinanalogon und wird als Zytostatikum und als Immunsuppressivum eingesetzt. Die Wirkungsweise ist dosisabhängig: Höhere Dosierungen wirken zytotoxisch, niedrigere immunsuppressiv. 6-MP hat eine orale Resorptionsquote von nur 16% und ist biologisch inaktiv. Es wird u.a. in den aktiven Metaboliten 6-Thioguaninnucleotid (6-TGN) umgewandelt. Der plazentare Übergang von 6-MP ist zu vernachlässigen, 6-TGN dagegen wurde in mütterlichen und fetalen Erythrozyten in vergleichbarer Konzentration gefunden. Azathioprin (AZA), zu dem viele Erfahrungen vorliegen, ist das Pro-Pharmakon von 6-MP. In immunsuppressiver Dosierung ist die Wirkung beider Substanzen vergleichbar.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Akute lymphatische Leukämie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

  • Produktnamen

    Puri-Nethol® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL (als Immunsuppressivum)

1. Trimenon

Bei mehr als 50 im 1. Trimenon exponierten Kindern, deren Mütter an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung litten, zeigten sich keine Hinweise auf Teratogenität. Zudem liegen Erfahrungen zu 40 exponierten Schwangerschaften mit hämatologischen Erkrankungen vor; zwei von 35 Lebend- bzw. Totgeburten wiesen große Fehlbildungen auf. In keinem der beiden Fällen handelte es sich um eine Monotherapie, und die beschriebenen Fehlbildungen waren heterogen. Man geht davon aus, dass die Erfahrungen von AZA auf 6-MP übertragbar sind; denn AZA wird im Körper zu 6-MP umgewandelt.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Bisherige Erfahrungen zu 6-MP im 2./3. Trimenon sprechen gegen ein fetotoxisches Risiko. Auch hier kann auf AZA verwiesen werden. Ein niedrigeres Geburtsgewicht und eine höhere Frühgeburtlichkeit können nicht ausgeschlossen werden, sind aber wohl eher Folge der Grunderkrankung. Auch Leukozytopenie, Anämie oder Thrombozytopenie beim Säugling können im Einzelfall Folge einer intrauterinen Langzeitexposition sein.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sollte geprüft werden, ob eine Umstellung auf AZA genauso effektiv ist. Bei hämatologisch/onkologischen Indikationen nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Nach Exposition im 1. Trimenon sollte eine weiterführende Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Bei langfristiger Einnahme ist eine sonographische Kontrolle des fetalen Wachstums zu diskutieren. Bei einer Leukopenie der Schwangeren im 3. Trimenon sollte, wenn möglich, die Dosis verringert werden und eine Blutbildkontrolle beim Neugeborenen erfolgen.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

Als Immunsuppressivum Glucocorticoide wie Prednisolon und Azathioprin.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 1,5 h, aktiver Metabolit: 3-13 Tage; Proteinbindung: 19%; molare Masse: 170; orale Bioverfügbarkeit: 50%.

Klinik

Die Erfahrungen von AZA in der Stillzeit scheinen auf Mercaptopurin in immunsuppressiver Dosierung übertragbar zu sein: Die meisten Fallberichte einschließlich kleiner Fallserien berichten keine klinischen Auffälligkeiten beim voll gestillten Säugling. Lediglich bei einem Kind wurde eine vorübergehende Funktionsstörung des Knochenmarks gesehen. Ein Zusammenhang erschiene denkbar, wenn der seltene, genetisch bedingte Mangel der Thiopurin-Methyltransferase bei diesem Säugling vorläge. Genauere Angaben dazu gab es in der Fallbeschreibung jedoch nicht.

Empfehlung

Als Immunsuppressivum sollten Glucocorticoide wie Prednisolon und Azathioprin bevorzugt werden. Generell schließen sich aber auch eine 6-MP-Therapie und volles Stillen nicht aus. Im Einzelfall kann bei entsprechenden Verdachtsmomenten, ebenso wie bei Azathioprin, eine Blutbildkontrolle beim Kind indiziert sein. Der Kinderarzt sollte über die mütterliche Medikation informiert sein.


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