Gefördert durch

Kontrazeptiva, orale

grau
Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Orale Kontrazeptiva liegen als Kombinationspräparate (Estrogen/ Gestagen) oder als reine Gestagenpräparate (sog. Minipille) vor. Die Estrogenkomponente ist überwiegend Ethinylestradiol (EE), ein Derivat des natürlichen Estrogen Estradiol. Als Gestagenkomponente stehen u.a. Levonorgestrel (LNG), Desogestrel, Dienogest, Drospirenon, Cyproteronacetat zur Verfügung. Die kontrazeptive Wirkung wird in erster Linie durch das Gestagen gewährleistet. Dabei spielt die zentrale Hemmung der Ovulation die Hauptrolle, jedoch ergänzt durch weitere Wirkungen, wie die Beeinflussung des Cervixschleims und die Hemmung der endometrialen Proliferation.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Kontrazeption; Behandlung mittelschwerer Akne durch Präparate, bei denen das Gestagen eine antiandrogene Wirkung besitzt; symptomatische Therapie von Zyklusunregelmäßigkeiten und Menstruationsbeschwerden.

  • Produktnamen

    aida®, Cerazette®, Cilest®, Femigoa®, Femovan®, Lovelle®, Minisiston®, MonoStep®, Petibelle®, Valette®, Yasmin®

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: SEHR HOCH

1. Trimenon

Studien mit mehreren tausend im 1. Trimenon exponierten Schwangeren haben keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko erbracht.  Die Daten wurden zum überwiegenden Teil in einer großen skandinavischen Registerstudie erhoben. Der früher geäußerte Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen urogenitalen und kardialen Fehlbildungen und versehentlicher Kontrazeptiva-Einnahme in die Frühschwangerschaft hinein konnte nicht bestätigt werden.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Erfahrungen zur (versehentlichen) Anwendung liegen nicht vor. Ein Fallbericht beschreibt ein Kind mit reversiblen Chorea-ähnlichen Symptomen nach Exposition mit einem Kombinationspräparat bis zur 30. Schwangerschaftswoche.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Während der Schwangerschaft gibt es keine Indikation für die Einnahme hormonaler Kontrazeptiva.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine versehentliche Anwendung üblicher Kombinationspräparate oder Gestagenpillen bis in die Frühschwangerschaft hinein erfordert keine weiterführende Diagnostik.

Besser erprobte Alternativen:

entfällt

Stillzeit

Es liegen publizierte Erfahrungen zu über 150 Mutter-Kind-Paaren (Kombinationspräparate) und zu mehr als 300 Mutter-Kind-Paaren (reine Gestagenpräparate) vor.

Pharmakokinetik

Ethinylestradiol: HWZ: 10-20 h, Metabolite 24 h; Proteinbindung: 98%; molare Masse 296; orale Bioverfügbarkeit: 40%; nach täglicher Gabe von 50µg EE in der Muttermilch nicht nachweisbar. Drospirenon: HWZ: 31 h; Proteinbindung: 97%; molare Masse: 366; relative Dosis: 1%; M/P-Quotient: 0,23; orale Bioverfügbarkeit: 76-85%. Dienogest: HWZ: 11 h; Proteinbindung: 90%; molare Masse: 311; orale Bioverfügbarkeit: 91%. Gestoden: HWZ: 20 h; Proteinbindung: 98%; molare Masse: 310; orale Bioverfügbarkeit: 99%. Chlormadinon: HWZ: 80 h; molare Masse: 405; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Weitere Wirksubstanzen siehe Gestagene/ Estrogene.

Klinik

Reine Gestagenpillen beeinflussen weder die Quantität noch die Qualität der Muttermilch. Die Einnahme kontrazeptiver Kombinationspräparate (Estrogen und Gestagen)  kann zur Reduktion der Milchmenge führen, insbesondere bei vorbestehender Laktationsschwäche. Eine Veränderung der Zusammensetzung der Muttermilch konnte bisher nicht sicher bestätigt werden. Klinische Auffälligkeiten bei den gestillten Kindern sind bisher nicht beschrieben. Es existieren zwei Fallberichte aus den Anfangsjahren der oralen Kontrazeption, in denen unter sehr hoher Hormonkonzentration bei männlichen Säuglingen eine Gynäkomastie geschildert wird.

Empfehlung

Reine Gestagenpräparate (sog. Minipille) sind die Mittel der ersten Wahl für die orale Kontrazeption in der Stillzeit. Mit der Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach der Entbindung begonnen werden. Die heute üblichen sehr niedrig dosierten Kombinationspräparate sind ebenfalls akzeptabel und erfordern keine Einschränkung des Stillens.


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