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Hydroxychloroquin

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Hydroxychloroquin (HCQ) gehört wie Chloroquin zu der Gruppe der 4-Aminochinoline. Mit einem Wirkungseintritt bei rheumatischen Erkrankungen ist nach ca. 3 (- 6) Monaten zu rechnen. Im Nabelschnurblut exponierter Kinder fanden sich fast so hohe Wirkstoffkonzentrationen wie im mütterlichen Blut.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: SEHR HOCH

1. Trimenon

Hydroxychloroquin ist ein in der Schwangerschaft gut erprobtes Arzneimittel. Mehrere Studien, die das Fehlbildungsrisiko bei Kindern von Frauen mit rheumatischen Erkrankungen untersuchten, umfassen zusammen mehr als 1000 exponierte Schwangerschaften. Sie ermittelten kein statistisch signifikant erhöhtes Risiko. Eine Studie aus 2020 wertete die Medicaid-Versichertendaten in den USA zu etwa 2000 exponierten Schwangerschaften aus und diskutiert ein leicht erhöhtes Fehlbildungsrisiko (adj. RR 1.26; 95% KI 1.04-1.54).

Zwei andere Untersucher werteten augenärztliche Untersuchungen bei etwa 330 Kindern zu verschiedenen Zeitpunkten aus. Die meisten Kinder wurden bis zum Alter von einem Jahr untersucht, wenige auch darüber hinaus. Abgesehen von sechs Kindern, die fraglich pathologische Befunde aufwiesen, fielen alle Untersuchungen normal aus. Hintergrund sind drei Geschwister aus den 60er Jahren, die unter anderem auffällige Retinabefunde aufwiesen, nachdem ihre Mutter hohe Dosen von Chloroquin in der Schwangerschaft eingenommen hatte.

Die gelegentlich in Studien beschriebene erhöhte Spontanabortrate scheint auf die mütterliche Erkrankung zurückzuführen sein, insbesondere beim systemischen Lupus erythematodes und/oder einem Antiphospholipidsyndrom.

Bei einer Malariaprophylaxe mit niedriger Dosierung und bei einer kurzzeitigen Malariatherapie fand sich in mehreren Studien mit über tausend mehrheitlich Chloroquin exponierten Schwangeren kein Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. 

2.-3. Trimenon / Perinatal

Bisher wurden keine fetotoxischen Risiken beschrieben. Im Gegenteil, eine Vielzahl von Studien – zwar mit meist limitierter Fallzahl – analysierten, ob und inwieweit sich Hydroxychloroquin positiv auf den Schwangerschaftsverlauf und -ausgang bei Frauen mit einem SLE und/oder einem Antiphospholipidsyndrom auswirkt. Ein positiver Einfluss scheint auf die Reduktion des Spontanabortrisikos und der Präeklampsierate vorzuliegen. Hingegen sind eine positive Beeinflussung der Frühgeborenenrate bzw. der Schwangerschaftsdauer, der Rate von sog. small-for-gestational-age (SGA) Neugeborenen sowie der Prophylaxe eines neonatalen AV-Blocks nicht eindeutig belegt.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Eine antirheumatische Therapie mit Hydroxychloroquin kann in der Schwangerschaft fortgeführt oder begonnen werden. Hohe Dosierungen sollten möglichst vermieden werden. Beim SLE wird die Fortsetzung der Therapie während der gesamten Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen (EULAR 2017), um das SLE-bedingte Risiko mit Folgen für Mutter, Schwangerschaft und Fetus zu verringern. Zur eventuellen Anwendung von HCQ bei einem Antiphospholipidsyndrom siehe die EULAR Empfehlungen von 2019.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Keine. Eine weiterführende Ultraschalluntersuchung kann angeboten werden. Eine an SLE erkrankte Schwangere sollte sorgfältig gemeinsam von Gynäkolog*in und Rheumatolog*in betreut werden.

Besser geeignete Alternativen

Beim SLE: keine. Abhängig von der Indikation und Krankheitsaktivität, bei rheumatoider Arthritis z.B. Prednisolon, ggf. Sulfasalazin oder Azathioprin, beim Antiphospholipidsyndrom z.B. niedrig dosiertes ASS, niedermolekulare Heparine. Siehe auch Malaria.

Stillzeit

Es liegen publizierte klinische Erfahrungen zu ca. 60 Mutter-Kind-Paaren vor. Pharmakokinetische Parameter wurden bei etwa 37 Mutter-Kind-Paaren bestimmt.

Pharmakokinetik

HWZ: 30-60 Tage; Proteinbindung: 45-63%; molare Masse: 434; relative Dosis: 2-4%; M/P-Quotient: 5,5; orale Bioverfügbarkeit: 74%.

Klinik

Bei insgesamt circa 60 gestillten Kinder, deren Mütter mit Hydroxychloroquin wegen einer rheumatischen Erkrankung behandelt wurden, zeigten sich keine Nebenwirkungen. Die mütterlichen Dosierungen betrugen selten mehr als 2 x 200 mg pro Tag. Auch augenärztliche Untersuchungen bei den Kindern zeigten keine Besonderheiten.

Empfehlung

Trotz der langen Halbwertszeit mit der theoretischen Gefahr einer Wirkstoffakkumulation beim Säugling wurden bisher keine Symptome beobachtet. Gesunde, reif geborene Säuglinge, bei denen eine gute Beobachtung durch die Mutter und eine regelmäßige kinderärztliche Betreuung gewährleistet sind, dürfen bei einer antirheumatischen Hydroxychloroquin Therapie gestillt werden.


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