Estrogene

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Medikament, bei dem mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko haben erkennen lassen.

Estrogene sind eine pharmakologisch heterogene Gruppe von weiblichen Geschlechtshormonen, die vielfältige Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane haben. Unter anderem führen sie zur Proliferation des Endometriums und erhöhen die Durchlässigkeit des Zervikalschleims für Spermatozoen. Darüber hinaus haben sie direkten Einfluss auf metabolische Prozesse, wie Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel sowie die Knochendichte. Nach vaginaler oder transdermaler Verabreichung von Estriol werden kurzfristig hohe Serumspiegel erreicht. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Ethinylestradiol (EE), Estradiol (E2) und Estriol (E3).

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Hormonelle Kontrazeption, postmenopausale Hormonersatztherapie, hypogonadotrope Ovarialinsuffizienz.

  • Synonyme

    Östrogene

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: SEHR HOCH

1. Trimenon

Erfahrungen zur Einnahme von Estrogenen in der Frühschwangerschaft resultieren vor allem aus der häufigen versehentlichen Anwendung von Ovulationshemmern in die Schwangerschaft hinein. Diesbezügliche Daten sind unter anderem in einer großen skandinavischen Registerstudie ausgewertet worden und haben keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergeben.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Erfahrungen zur (versehentlichen) Anwendung liegen nicht vor. Die Plazenta synthetisiert physiologischerweise zunehmende Mengen an Estrogen. Auswirkungen einer zusätzlichen intrauterinen Exposition mit Estrogenen auf die spätere Fertilität oder die psychosexuelle Entwicklung wurden bisher nicht beobachtet.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Während der Schwangerschaft gibt es keine Indikation für die Anwendung von Estrogenen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine versehentliche Anwendung niedrig dosierter Estrogenpräparate (wie z.B. in hormonalen Kontrazeptiva) in die Frühschwangerschaft hinein erfordert keine weiterführende Diagnostik. Nach der Exposition mit höher dosierten Zubereitungen kann eine weiterführende Ultraschalldiagnostik angeboten werden.

Besser erprobte Alternativen:

entfällt

Stillzeit

Es liegen publizierte Erfahrungen zu über 150 Mutter-Kind-Paaren vor, hauptsächlich aus der Anwendung oraler Kontrazeptiva.

Pharmakokinetik

Ethinylestradiol: HWZ: 10-20 h; Proteinbindung: 98%; molare Masse: 296; orale Bioverfügbarkeit: 40%; nach täglicher Gabe von 50µg in der Muttermilch nicht nachweisbar. Estradiol: HWZ: 21-36 h; Proteinbindung: hoch; molare Masse: 272; M/P-Quotient: 0,08 (0,5); orale Bioverfügbarkeit: 3-5% (über 90% werden hepatisch zu biologisch aktiven Metaboliten verstoffwechselt). Estriol: HWZ: 0,5-1 h; Proteinbindung: 90%; molare Masse: 288; orale Bioverfügbarkeit: 1-2% (über 90% werden hepatisch zu biologisch aktiven Metaboliten verstoffwechselt).

Klinik

Zahlreiche Studien konnten eine Verminderung der Milchmenge nach Anwendung von Ethinylestradiol (Dosis > 0.03mg) nachweisen. Insbesondere bei vorbestehenden Laktationsstörungen und in der frühen Perinatalzeit kann dies der Fall sein. Eine Veränderung der Zusammensetzung der Muttermilch konnte bisher nicht sicher bestätigt werden. Estriol und Estradiol sind hinsichtlich ihrer Verträglichkeit für den gestillten Säugling nicht untersucht.

Empfehlung

Hormonale Kontrazeptiva der Wahl für die Stillzeit sind reine Gestagenpräparate (sog. Minipille, gestagenhaltige IUD). Mit ihrer Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach der Entbindung begonnen werden. Sollten diese Monopräparate nicht in Frage kommen, erscheint auch die Anwendung der heute üblichen sehr niedrig dosierten Kombinationspräparate sicher. Eine Einschränkung des Stillens ist nicht erforderlich.
Zur lokalen Anwendung von Estradiol und Estriol in der Stillzeit liegen keine Daten vor.


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