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Betamethason

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Medikament, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt.

Betamethason ist ein synthetisches fluoriertes Glucocorticoid mit langer Wirkdauer und zu vernachlässigender mineralokortikoider Wirkung. Wie andere Glucocorticoide auch, wirkt es antiinflammatorisch, immunsuppressiv, antiallergisch und antiproliferativ. Es kann lokal (z.B. Haut, Schleimhäute, rektal, intraartikulär) und systemisch, also oral, intravenös oder intramuskulär, angewendet werden. Betamethason und Dexamethason sind dosisäquivalent. 0,75 mg orales Betamethason entspricht 5 mg Prednisolon oder 20 mg Hydrocortison. Betamethason wird in der Plazenta teilweise durch die 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase enzymatisch inaktiviert. In etwa 30% einer verabreichten Dosis passieren die Plazentaschranke.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Autoimmunerkrankungen, inflammatorische oder allergische Erkrankungen bzw. Notfälle, Hirnödem, Induktion der Lungenreife bei drohender Frühgeburt.

  • Produktnamen

    Betnesol®, Celestamine®, Celestan®, Diprosone® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon

Trotz des langjährigen Einsatzes systemischer Glucocorticoide, insbesondere von Prednison und Prednisolon, in der Schwangerschaft und einer umfangreichen Studienlage zu Glucocorticoiden allgemein, ist eine abschließende Beurteilung des Risikos für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG) nach Therapie im 1. Trimenon nach wie vor schwierig. Ein geringfügig erhöhtes Risiko für LKG kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, wenn im sensiblen Zeitfenster zwischen Schwangerschaftswoche 8 und 11 p.m. therapiert wurde.

Eine Vielzahl von kleineren prospektiven Kohortenstudien mit insgesamt mehr als 1000 und retrospektive auf Verschreibungsdaten beruhende Kohortenstudien mit mehr 2500 systemisch exponierten Schwangerschaften ermittelten weder ein erhöhtes Risiko für alle noch für spezifische Fehlbildungen. Seit in den 1950er Jahren in Tierversuchen eine Assoziation zwischen LKG-Spalten und einer mütterlichen systemischen Corticoidtherapie beschrieben wurde, sind mehrere Fall-Kontrollstudien beim Menschen sowie eine Metanalyse durchgeführt worden, die ein erhöhtes Risiko für LKG fanden. Eine der größten und neueren Fall-Kontrollstudien, die 2014 veröffentlichte Auswertung der „National Birth Defect Prevention Study“, konnte jedoch kein signifikant erhöhtes Risiko für LKG ermitteln.

Nur wenige Studien zur systemischen oder lokalen Applikation von Glucocorticoiden weisen Betamethason exponierte Schwangerschaften explizit aus.

Nach einer lokalen Anwendung ist, wie bei anderen Glucocorticoiden auch, von keinem erhöhtem Risiko auszugehen.

2.-3. Trimenon / Perinatal

In Abhängigkeit von Therapiedauer, Dosis und Indikation, kann es nach systemischer Anwendung von Glucocorticoiden vermehrt zu Frühgeburtlichkeit und einem geringeren Geburtsgewicht kommen. Diese Effekte sind häufig jedoch schwierig von den Auswirkungen der zugrundeliegenden mütterlichen Erkrankung abzugrenzen. Lokale Glucocorticoid Anwendungen sind diesbezüglich unbedenklich.

Eine Betamethason-Therapie zur fetalen Lungenreife-Induktion führt zur Steigerung der Überlebensrate der Frühgeborenen. Dies zeigte auch eine Cochrane Meta-Analyse von 2017 mit mehr als 6000 eingeschlossenen Schwangeren. Ferner wurde die Prävalenz folgender weiterer Parameter reduziert: Atemnotsyndrom des Neugeborenen, intraventrikuläre Hirnblutung, nekrotisierende Enterokolitis, mechanische Beatmung und systemische Infektionen in den ersten 48 Lebensstunden. Betamethason führte seltener zu einer mütterlichen Chorioamnionitis als Dexamethason.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie

Nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung darf Betamethason, wenn es Vorteile gegenüber Prednisolon bietet, systemisch in allen Phasen der Schwangerschaft eingesetzt werden. Die Dosis richtet sich nach der Indikation und Schwere der mütterlichen Erkrankung. Eine lokale Therapie unterliegt keinen Einschränkungen.

Eine Induktion der fetalen Lungenreife bei drohender Frühgeburt sollte leitliniengerecht erfolgen. (Mehr Details siehe www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-025l_S2k_Praevention-Therapie_Fruehgeburt_2020-02.pdf)

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft

Bei einer selten erforderlichen hohen systemischen Betamethason Behandlung über Wochen sollte das fetale Wachstum sonographisch kontrolliert werden. Dauert die Therapie bis zur Geburt, muss eine Nebenniereninsuffizienz des Neugeborenen mitbedacht und ggf. therapiert werden.

Besser geeignete Alternativen

Keine zur Lungenreife-Induktion. Für eine systemische Therapie der Mutter während der Schwangerschaft sind Prednison und Prednisolon Mittel der Wahl.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 6 h; Proteinbindung: 58-70%; molare Masse: 392; orale Bioverfügbarkeit: fast 100%.

Klinik

Es gibt keine dokumentierten Erfahrungen zur Anwendung von Betamethason in der Stillzeit, allerdings auch keine Berichte über Symptome beim gestillten Säugling.

Empfehlung

Glucocorticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit sind Prednisolon und Prednison. Wirkungsgleiche Mengen von Betamethason sind wahrscheinlich auch verträglich, wobei die geringere Plasma-Eiweiß-Bindung auf einen höheren Übergang in die Milch hindeutet. Lokale Anwendungen von Betamethason werden als für die Stillzeit unbedenklich angesehen. Bei dermaler Applikation sollte es allerdings nicht direkt auf den Brüsten/Brustwarzen aufgetragen werden, um eine direkte Wirkstoffaufnahme durch den Säugling zu vermeiden. 


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