Baclofen

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Medikament, bei dem mehr oder weniger umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft kein nennenswertes embryo- oder fetotoxisches Risiko haben erkennen lassen.

Baclofen ist ein Derivat der Gamma-Aminobuttersäure und ein spezifischer Agonist an GABA-Rezeptoren. Es kann oral oder intrathekal angewendet werden.

  • Indikation (Anwendungsgebiet)

    Spastizität der Skelettmuskulatur bei Multipler Sklerose, Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen, Spastizität zerebralen Ursprungs.

  • Produktnamen

    Lioresal® und Generika

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon

Auf der Grundlage zahlreicher Fallberichte und einer kleinen Multicenterstudie haben sich bisher keine ernsthaften Hinweise auf ein teratogenes Risiko ergeben. Allerdings wurden in der Studie mit 134 per os exponierten Patientinnen eine mit 4,8% höhere Fehlbildungsrate beobachtet als in der nicht-exponierten Vergleichsgruppe (1,2%). Die Fehlbildungsrate der Vergleichsgruppe ist jedoch auffällig niedrig und die in der Baclofengruppe diagnostizierten Fehlbildungen deuten nicht auf ein spezifisches Muster hin.

2.-3. Trimenon / Perinatal

Nach oraler Therapie, für die ja vielfach höhere Dosen als für eine intrathekale Therapie benötigt werden, wurden mehrfach Anpassungsstörungen beim Neugeborenen beschrieben, allerdings zum Teil bei ZNS-aktiver Co-Medikation der Mutter. Darunter war auch ein Neugeborenes mit anhaltenden Krampfanfällen, die nur durch eine ausschleichende Therapie mit Baclofen zu behandeln waren. In mehreren Fallberichten wurde deshalb prophylaktisch beim Neugeborenen eine Entzugstherapie mit Baclofen in ausschleichender Dosierung direkt nach der Entbindung begonnen, die gut vertragen wurde. Die Anpassungsstörungen traten zum Teil mehrere Tage verzögert auf.
Nach mütterlicher intrathekaler Therapie mit deutlich niedrigeren Dosen wurden in zahlreichen Fallberichten keine Auffälligkeiten beschrieben. Dies allein sollte aber nicht Grund für die invasive Verabreichung bei der Mutter sein.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:

Baclofen gehört in der Schwangerschaft nicht zu den Mitteln der Wahl und sollte Ausnahmesituationen vorbehalten sein.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft:

Eine Exposition mit Baclofen rechtfertigt weder einen Schwangerschaftsabbruch noch invasive Diagnostik. Zur Bestätigung der normalen Organentwicklung des Feten sollte eine weiterführende Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Bei einer oralen Therapie mit Baclofen im 2./3. Trimenon bis zur Geburt sollte die Entbindung in einem Perinatalzentrum erfolgen und das Kind postpartal überwacht werden.

Bitte nehmen Sie für eine individuelle Beratung mit uns Kontakt auf.

Besser erprobte Alternativen:

Physiotherapeutische Maßnahmen und Antiphlogistika/ Antirheumatika wie Ibuprofen (bis Schwangerschaftswoche 28) sind der Anwendung von Baclofen vorzuziehen. Kurzzeitig kann die spannungslösende Wirkung des besser untersuchten Diazepam genutzt werden.

Stillzeit

Pharmakokinetik

HWZ: 2,5-4 h (in der Muttermilch 5,6h); Proteinbindung: 30%; molare Masse: 214; relative Dosis: 3-5%; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Klinik

In den wenigen vorliegenden Fallberichten gibt es bisher keine Hinweise auf eine Unverträglichkeit einer mütterlichen Baclofen-Therapie für den gestillten Säugling. Insbesondere bei intrathekaler Therapie ist nicht mit Auffälligkeiten zu rechnen.

Empfehlung

Die Indikation für den Einsatz eines Myotonolytikums sollte in der Stillzeit sehr kritisch geprüft werden. Physiotherapeutische Maßnahmen und Antiphlogisika/ Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac sind vorzuziehen. Bei einer notwendigen Kurzzeittherapie kann im Einzelfall die spannungslösende Wirkung niedriger Dosen des besser untersuchten Diazepam genutzt werden. Bei einer notwendigen Dauertherapie ist das Stillen bei guter Beobachtung des Säuglings unter Vorbehalt akzeptabel.


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