Hormonelle Aspekte bei Zwangsstörungen

Bei Zwangserkrankungen ist das Überwiegen des weiblichen Geschlechtes nicht so deutlich wie bei Depressionen und Angsterkrankungen, aber auch hier liegt das Geschlechtsverhältnis weiblich zu männlich bei etwa 1,5 zu 1.

Auch Zwangsstörungen (früher „Zwangsneurose“) gelten heute als Erkrankungen, die durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren verursacht werden, u. a. mit Beteiligung des Serotonin-Systems im Gehirn. Noch weniger als für Angsterkrankungen gibt es für Zwangsstörungen systematische Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen dem Beginn und Verlauf der Störung und hormonellen Veränderungen. Allerdings wird von betroffenen Frauen immer wieder über Veränderungen der Symptomatik im Laufe des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und nach der Entbindung berichtet. Gerade in der Schwangerschaft ist auch ein vorübergehender Rückgang einer bestehenden Zwangssymptomatik möglich.

In manchen Fällen beginnt eine Zwangserkrankung während einer Schwangerschaft oder nach einer Entbindung. In seltenen Fällen kann eine Zwangssymptomatik bei vorbestehender oder auch neu begonnener Zwangsstörung in der Schwangerschaft so ausgeprägt sein und einen so hohen Leidensdruck erzeugen, dass eine Frau selbst bei einer erwünschten Schwangerschaft keine andere Möglichkeit mehr sieht, als die Schwangerschaft zu beenden. In solchen Fällen kann die sofort eingeleitete Behandlung mit speziellen Antidepressiva eine wichtige Bedeutung für ein Austragen der Schwangerschaft haben.

Auch nach der Geburt eines Kindes kann es zum erstmaligen Auftreten oder zur Verschlechterung einer Zwangsstörung kommen. Am häufigsten ist allerdings das Auftreten von Zwangsgedanken (mit dem Inhalt, dem Kind etwas anzutun) im Rahmen einer postpartalen Depression. Dabei handelt es sich um Symptome, die bei der Mutter einen erheblichen Leidensdruck verursachen, weil sie Angst vor der Umsetzung der Gedanken hat. Wenn es sich tatsächlich um Zwangsgedanken handelt, was ein Psychiater feststellen sollte, dann besteht diese Gefahr allerdings nicht, da Zwangsgedanken nicht in die Tat umgesetzt werden.