Erläuterung zur "Ampel"

Tretinoin

Produktnamen:
  • Airol ®
  • Cordes VAS Creme ®
  • Vesanoid ®
  • und topische Kombinationspräparate

Tretinoin

Erläuterung zur "Ampel"

Tretinoin

Produktnamen:
  • Airol ®
  • Cordes VAS Creme ®
  • Vesanoid ®
  • und topische Kombinationspräparate

Synonyme: Vitamin-A-Säure (VAS), All-trans-Retinsäure (ATRA)

Das natürlich vorkommende Vitamin-A-Derivat Tretinoin ist ein nichtselektiver Retinoid-Rezeptoragonist. Es steht zur äußerlichen und systemischen Anwendung per os zur Verfügung. Über hormonähnliche Eigenschaften moduliert Tretinoin die Differenzierung und Proliferation u.a. von Keratinozyten und Promyelozyten. Eine wichtige Funktion hat die Retinsäure während der Embryonalentwicklung, da sie u.a. die Entwicklung von Gehirn und Wirbelsäule steuert.

Indikation: topische Behandlung der Akne, von Verhornungsstörungen und Hyperpigmentierungen, systemisch zur Induktion der Remission bei akuter Promyelozytenleukämie

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Retinoide sind heute die beim Menschen am stärksten teratogenen Arzneimittel seit Thalidomid. Allerdings muss zwischen einer systemischen und lokalen Therapie unterschieden werden. Eine topische Anwendung führt nicht zu messbar erhöhten Plasmaspiegeln von Tretinoin oder anderer endogener Vitamin-A-Derivate. In prospektiven Kohortenstudien sind über 400 Schwangerschaften ausgewertet worden, in denen Tretinoin im 1. Trimenon lokal appliziert wurde. Eine erhöhte Fehlbildungsrate oder Spontanabortrate wurde dabei nicht beobachtet, jedoch lassen Design und Fallzahlen die Annahme der Unbedenklickeit noch nicht zu. Zudem gibt es wenige publizierte Einzelfälle, die den Verdacht haben aufkommen lassen, dass auch nach dermaler Anwendung retinoidtypische Fehlbildungen nicht auszuschließen sind.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die orale Anwendung von Tretinoin während der Organogenese ein dem Isotretinoin vergleichbares teratogenes Risiko mit einer Fehlbildungsrate von bis zu 25% und einem erheblich gesteigerten Spontanabortrisiko hat. Die dokumentierten Erfahrungen mit Tretinoin sind allerdings gering: Von fünf Schwangerschaften mit oraler Therapie im 1. Trimenon wurden zwei abgebrochen, eine endete mit Spontanabort und zwei mit der Geburt gesunder Kinder.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Es liegen keine Erfahrungen zur topischen Anwendung vor. Die geringe kutane Resorption spricht jedoch gegen ein fetotoxisches Risiko.

Zur oralen Therapie existieren etwa 30 Fallberichte, in denen größtenteils eine relativ gute Verträglichkeit für Mutter und Kind beschrieben wird.  Allerdings wurden Frühgeburtlichkeit mit entsprechenden Problemen, Wachstumsretardierung und einmal eine fetale Arrhythmie beobachtet, wobei die Schwere der mütterlichen Erkrankung und die häufig durchgeführte Kombinationstherapie mit weiteren Zytostatika zu bedenken ist.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Auch eine topische Behandlung sollte nicht in der Schwangerschaft erfolgen. Eine systemische Therapie bei Leukämie ist bei Frauen im gebärfähigen Alter nur bei ausreichendem kontrazeptivem Schutz und nach Ausschluss einer Schwangerschaft erlaubt. Eine sichere Kontrazeption muss nach Absetzen von Tretinoin noch einen Monat weitergeführt werden. Bei deutlichem Unterschreiten dieser Zeitvorgaben, insbesondere bei Behandlung in die Frühschwangerschaft hinein, ist eine erhebliche Schädigung der embryonalen Entwicklung möglich. Die systemische Therapie im Rahmen etablierter Therapieschemata sollte bei bestehender Schwangerschaft möglichst erst im 2. oder 3. Trimenon nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Die lokale Therapie sollte umgehend beendet und eine Ultraschall-Feindiagnostik zur Bestätigung einer normalen Entwicklung angeboten werden. Bei systemischer Therapie im 2./3. Trimenon sollte die Schwangerschaft sonographisch überwacht werden und die Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Bitte nehmen Sie bei Unterschreitung des geforderten 4-Wochen-Abstands zwischen Beendigung einer systemischen Tretinoin-Therapie und Konzeption unbedingt mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Zur Aknebehandlung z.B. Antiseptika, Antibiotika wie Erythromycin.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 2 h; Proteinbindung: hoch; molare Masse: 300; orale Bioverfübarkeit: 70%. Bei lange andauernder Verabreichung beträgt beim Menschen die Resorptionsquote etwa 6 % des lokal in Salbenform applizierten Wirkstoffes, die jedoch nicht in signifikant erhöhten Plasmaspiegeln resultiert.

Klinik: Es liegen keine Erfahrungen vor.

Empfehlung: Unter systemischer Therapie sollte nicht gestillt werden. Falls keine Alternativen in Frage kommen, ist Stillen bei kleinflächiger lokaler Anwendung aufgrund der geringen Resorption akzeptabel. Eine Anwendung im Brustbereich darf nicht erfolgen.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

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Die Beratung ist kostenlos.