Erläuterung zur "Ampel"

Thiamazol

Produktnamen:
  • Favistan ®
  • Methizol ®
  • Thyrozol ®
  • und Generika 

Thiamazol

Erläuterung zur "Ampel"

Thiamazol

Produktnamen:
  • Favistan ®
  • Methizol ®
  • Thyrozol ®
  • und Generika 

Synonym: Methimazol

Thiamazol (Methimazol) ist ein Thyreostatikum, das schnell und vollständig resorbiert wird. Dosisabhängig hemmt es den lodeinbau in Tyrosin und damit die Neusynthese von Schilddrüsenhormonen. Nicht beeinflusst wird die Freisetzung der bereits synthetisierten Schilddrüsenhormone. Thiamazol geht gut diaplazentar zum Feten über.

Indikation: Hyperthyreose verschiedener Ätiologie.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Es wurde keine erhöhte Fehlbildungsrate in einer prospektiven Studie mit über 200 Schwangeren festgestellt, allerdings wies unter den 8 Kindern mit Fehlbildungen eines eine Choanalatresie und ein anderes eine Ösophagusatresie auf. In retrospektiven Fallberichten wurde nach Anwendung von Carbimazol/Thiamazol ein Fehlbildungsmuster beschrieben, das bisher selten beobachtet wurde und vermutlich dosisabhängig ist. Geschätzt wird, dass es bei 1/10.000 bis 1/1.000 der exponierten Neugeborenen in unterschiedlicher Ausprägung auftritt. Beschrieben wurden eine Aplasia cutis (meist im Bereich des Kopfes), eine Choanalatresie, Ösophagusatresie, tracheo-ösophageale Fisteln, hypoplastische Brustwarzen, faziale Dysmorphien und eine mentale und motorische Entwicklungsverzögerung. 

2.-3. Trimenon / Perinatal: Aufgrund des guten diaplazentaren Übergangs kann es zu einer fetalen/neonatalen Hypothyreose und Struma kommen, die in schwerer Ausprägung aber kaum noch auftritt. Die Thyreostatikadosis sollte in der Schwangerschaft sorgfältig titriert und so niedrig wie möglich eingestellt werden. Beim Neugeborenen sollten die Schilddrüsenparameter circa 14 Tage nach der Geburt kontrolliert werden - zusätzlich zum Schilddrüsenscreening, das in Deutschland bei der 2. Vorsorgeuntersuchung (U2) durchgeführt wird. Einige Fallsammlungen untersuchten die physische und intellektuelle Langzeitentwicklung von exponierten Kindern und fanden keine Auffälligkeiten.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Lange Zeit galt Propylthiouracil (PTU) als Mittel der ersten Wahl bei Kinderwunsch, da es nicht im Verdacht steht, Fehlbildungen zu verursachen. Diese Empfehlung wird inzwischen kontrovers diskutiert, da die sehr selten auftretende schwere Lebertoxizität bei PTU behandelten Patienten häufiger auftritt als nach Carbimazol/Thiamazol. Siehe ausführlicher dazu unter Aktuelles.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Nach Behandlung mit Thiamazol/Carbimazol im 1. Trimenon sollte eine sonographische Feinuntersuchung angeboten werden. Für alle Thyreostatika gilt, dass zusätzlich zum Screening der Schilddrüsenparameter bei der U2 eine Kontrolle 14 Tage später angestrebt werden sollte.

Besser erprobte Alternativen: keine, siehe aber auch Propylthiouracil

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 3 h; Proteinbindung: keine; molare Masse: 114; relative Dosis: 12%; M/P-Quotient: 1; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Klinik: Die meisten Kinder waren unauffällig, zeigten altersentsprechende Schilddrüsenparameter und eine normale psychomotorische Langzeitentwicklung. Bei hohen Dosen erscheint eine Hypothyreose beim jungen, voll gestillten Säugling möglich.

Empfehlung: Propylthiouracil galt lange als Mittel der ersten Wahl; dies wird jedoch wegen der Lebertoxizität inzwischen kontrovers diskutiert. Siehe "Aktuelles". Unter Carbimazol oder Thiamazol kann auch gestillt werden, insbesondere wenn die tägliche Dosis 10 mg nicht überschreitet. Bei höheren Dosierungen empfiehlt es sich, etwa drei Wochen nach Therapiebeginn die Schilddrüsenparameter beim Kind zu kontrollieren.

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