Stillen oder Abstillen

Die Zeit nach der Entbindung birgt für psychisch vorerkrankte Frauen ein erhöhtes Risiko erneut zu erkranken. Ob eine Mutter stillen kann, kann letztlich erst nach der Geburt entschieden werden. Die individuellen Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein. Es gibt Frauen, die aus Sicherheitsgründen abstillen wollen, um jegliche Nebenwirkungen beim Kind zu vermeiden. Dies macht eine medikamentöse Therpaie sehr viel leichter.

Die Mehrzahl der vorerkrankten Frauen wollen stillen, weil sie dem Kind den Schutzeffekt und sich selbst diese Erfahrung wünschen. Zudem besteht ein positiver Einfluss auf die frühe Mutter-Kind-Beziehung. Unter einer guten Nutzen-Risiko-Abwägung ist Stillen auch unter Arzneimitteltherapie möglich. Wichtig ist, dass der Kinderarzt einbezogen wird, um das Neugeborene genau zu beobachten.

Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt wird erörtert, ob Gründe gegen das Stillen sprechen. Auf keinen Fall aber sollten wegen des Stillens die Medikamente gegen die psychische Erkrankung eigenmächtig abgesetzt werden, da die Zeit nach der Entbindung unbehandelt ein hohes Erkrankungsrisiko in sich birgt.
Die Erfahrung zeigt, dass es eine Mutter belastet, wenn sie nicht stillen "darf". Gerade bei einer depressiven Erkrankung kann es ihr das Gefühl geben, dem Kind etwas Gutes zu tun. Für und Wider sollten vor der Geburt genau besprochen und dokumentiert werden.