Erkrankungen
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Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronisch entzündliche Multisystemerkrankung unbekannter Ursache. Typisch ist eine persistierende entzündliche Synovitis, meist der peripheren Gelenke in symmetrischer Verteilung, die zu Knorpeldestruktionen und Knochenerosionen mit resultierenden Gelenkdeformitäten führen kann. Die RA tritt bei ca 0,8% der Bevölkerung auf, wobei Frauen im gebärfähigen Alter mehr als viermal häufiger als Männer betroffen sind.
Die Fertilität bei Frauen mit RA scheint nicht beeinträchtigt zu sein.
Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft
Die Entzündungsaktivität der RA kann durch die Schwangerschaft beeinflusst werden. In zwei Drittel bis zu drei Viertel aller Schwangerschaften bessert sich die Gelenkbeteiligung. Der Rückgang der Krankheitsaktivität fängt meistens im 1. Trimenon an und setzt sich im weiteren Schwangerschaftsverlauf fort, unabhängig von der Dauer und Schwere der Erkrankung. Wenn es in der ersten Schwangerschaft einer Frau zu einer Verbesserung der RA gekommen war, dann wirkt sich in der Regel auch eine weitere Schwangerschaft günstig auf den Krankheitsverlauf aus. Dies bezieht sich auf die Gelenksymptome, Auswirkungen auf extraartikuläre Manifestationen wurden bisher nicht untersucht. Eine Erstmanifestation einer RA in der Schwangerschaft ist selten. In den ersten drei Monaten postpartal kommt es häufig zu einer Krankheitsexazerbation. Stillen scheint keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu haben.
Es gibt Studien, die bei Schwangeren mit RA ein erhöhtes Risiko für ein geringeres Geburtsgewicht, Small-for-Gestational-Age-Neugeborene und häufiger Präeklampsien und Kaiserschnittentbindungen gefunden haben.
Die Ziele der Behandlung sind Schmerzlinderung, Minderung der Entzündungsaktivität, Hemmung der Gelenkdestruktion, Erhaltung der Gelenkfunktion und Verhinderung von weiteren Organkomplikationen. Neben physikalischer Behandlung, ggf. einer Änderung des Lebensstils und seltener einer chirurgischen Intervention ist die Therapie mit Arzneimitteln das Standbein der Therapie einer RA.
Im Folgenden werden zunächst die zur Zeit zur Verfügung stehenden Arzneimittelgruppen aufgezählt, um dann weiter unten im Abschnitt "Mittel der Wahl" die für eine Schwangerschaft geeigneten Medikamente zu nennen.
- Nicht steroidale antiinflammatorische Arzneimittel (NSAID), Cox 2 Inhibitoren und einfache Analgetika sind schnell wirksam, beeinflussen die Progression der Erkrankung aber allenfalls minimal.
- Niedrig dosierte orale Glucocorticoide hemmen die Entzündungsreaktion und verzögern evtl. auch die Entwicklung und das Fortschreiten der Gelenkdestruktion. Prednisolon z.B. stellt auch eine effektive symptomatische Therapie dar.
- Durch Basistherapeutika bzw. sog. "Disease Modifying Anti Rheumatic Drugs" (DMARD) werden erhöhte Spiegel der Akute-Phase-Proteine reduziert und damit der Entzündungsprozess und Gelenkdestruktionen. Dazu zählen Methotrexat (MTX), Goldpräparate, D-Penicillinamin, Hydroxychloroquin/ Chloroquin und Sulfasalazin. Meistens muss eine Therapie mit NSAID fortgesetzt werden; denn der Erfolg der Basistherapeutika stellt sich erst nach Wochen oder Monaten ein. Zwei Drittel der behandelten Patienten profitieren davon, eine komplette Remission wird hingegen nur selten erzielt.
- Mit den Biologika wird der größte Behandlungseffekt bei der RA ereicht. Dazu gehören die TNF-alpha-Blocker Etanercept, Infliximab und Adalimumab, sowie Anakinra als IL-1-neutralisierende Substanz, Rituximab, das zu einer B-Zell-Depletion führt, und Abatacept, das mit der T-Zell-Aktivierung interferiert.
- Immunsupprimierende oder zytotoxische Substanzen hemmen den Krankheitsprozess bei bestimmten Patienten. Dazu gehören Azathioprin, Leflunomid, Ciclosporin, Cyclophosphamid und Mycophenolatmofetil (MMF).
- Sonstige: Das Ersetzen von Omega-6-Fettsäuren (im Fleisch) durch Omega-3-Fettsäuren, die gewisse Fischöle enthalten, hat erwiesenermaßen einen günstigen Effekt auf die Krankheitssymptome.
Mittel der Wahl
Bis zur 30. Schwangerschaftswoche sind aus der ersten Gruppe Ibuprofen, gefolgt von Diclofenac Mittel der Wahl für die Schwangerschaft. Als Glucocorticoid sollte möglichst Prednisolon bzw. Prednison gewählt werden. Das am besten untersuchte DMARD ist Sulfasalazin. Falls es nicht ausreichend wirkt, kommt auch Hydroxychloroquin bzw. Chloroquin infrage. Goldpräparate und D-Penicillamin sind mit einigen Einschränkungen akzeptabel. Aus der Gruppe der Immunsuppressiva kommen Azathioprin und Ciclosporin infrage.
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