Erläuterung zur "Ampel"

Propofol

Produktnamen:
  • Disoprivan ®
  • und Generika

Propofol

Erläuterung zur "Ampel"

Propofol

Produktnamen:
  • Disoprivan ®
  • und Generika

Propofol gehört zu den am meisten verwendeten Injektionsnarkotika. Es zeichnet sich durch raschen Bewußtseinsverlust, schnelle Aufwachzeit und geringe Nebenwirkungen aus. Nach intravenöser Injektion erreicht die Konzentration von Propofol sofort ihren Maximalspiegel im Blut, der wegen der sogleich einsetzenden Umverteilung und Ausscheidung rasch wieder abfällt. Wegen des starken Blutflusses setzt die Wirkung im Gehirn prompt ein und klingt mit der Umverteilung wieder ab. Propofol passiert schnell die Plazenta. Die fetalen Blutkonzentrationen entsprechen etwa 70% der mütterlichen Werte.

Indikation: intravenöse Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose, intravenöse Sedierung bei Kurzeingriffen, intravenöse Sedierung bei Langzeitbeatmung

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Propofol hat eine breite Markterfahrung. Ein teratogenes Risiko ist bisher nicht beschrieben und wird auch nicht erwartet, systematische Studien fehlen allerdings. Bei zurzeit 110 dokumentierten Schwangerschaftsverläufen in unserem Institut wurde ebenfalls keine erhöhte Fehlbildungsrate beobachtet. Im Tierversuch konnte keine Erhöhung des Fehlbildungsrisikos gezeigt werden.
Es wird diskutiert, ob der Narkosemittelbedarf schon in der Frühschwangerschaft geringer ist als vor Beginn der Schwangerschaft. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Anwendung von Propofol zur Sedierung oder für eine Narkose im Rahmen einer Sterilitätsbehandlung negative Einflüsse auf die Rate an zustandekommenden Schwangerschaften hat. 

2.-3. Trimenon / Perinatal: Propofol wird häufig zur Einleitung einer Vollnarkose beim Kaiserschnitt verwendet. Negative Auswirkungen auf das Neugeborene sind hierbei bisher nicht gesehen worden. Zahlreiche Studien konnten im Vergleich mit Thiopental keine Unterschiede bei den Apgar-Werten, den Säure-Basen-Parametern und dem neurologischen Zustand der Kinder nachweisen. Lediglich in einer Studie, die den Early Neonatal Neurobehavioral Scale (ENNS) nutzte, wurde bei Neugeborenen nach Sectio-Narkose mit Propofol im Vergleich zu Thiopental bei einigen neurologischen Funktionen ein ungünstigeres Ergebnis gefunden. Diese Defizite hatten sich aber nach spätestens vier Stunden normalisiert. Der überwiegende Teil der Studien fand sogar, dass Propofol dem Thiopental als Einleitungsmedikament überlegen ist.

Selten wurde bei Kindern und Erwachsenen nach mehrtägiger Sedierung mit Propofol ein Propofol-Infusions-Syndrom mit z. T. tödlichem Ausgang beschrieben, so dass die Substanz zur Langzeitsedierung in der Schwangerschaft nicht empfohlen wird, bis der Zusammenhang besser geklärt ist.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Propofol kann bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose verwendet werden. Bei Langzeitsedierung (z. B. zur Beatmung auf der Intensivstation) sollte auf andere Medikamente zurückgegriffen werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: keine

Besser erprobte Alternativen: keine, evtl. Thiopental zur Narkose-Einleitung.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 34-64 min; Proteinbindung: 99%; molare Masse: 178; relative Dosis: 1%; M/P-Quotient: 1.

Klinik: Bisher wurden keine Symptome bei gestillten Kindern nach mütterlicher Narkose mit Propofol berichtet. In der Regel handelt es sich auch nur um eine kurzzeitige Exposition der Mutter im Rahmen eines operativen Eingriffs.

Empfehlung: Wenn die Mutter nach einer Narkose oder einem Kurzeingriff mit Propofol wieder in der Lage ist, ihr Kind alleine anzulegen, darf sie stillen. Auch nach einer Kaiserschnittentbindung mit einer Vollnarkose mit Propofol darf die Mutter ihr Kind sofort anlegen, wenn sie dazu selbst in der Lage ist. Die pharmakokinetischen Daten von Propofol und die klinische Erfahrung begründen keine zusätzliche Stillpause. Eine eventuelle Verminderung der Milchmenge nach einem operativen Eingriff ist wahrscheinlich eher auf die Flüssigkeitsrestriktion prä- und intraoperativ zurückzuführen und keine direkte Nebenwirkung des Medikaments.

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Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

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