Stressvermeidung oberstes Gebot

Während der Schwangerschaft einer psychisch vorerkrankten oder erstmals betroffenen Frau, sind Fragen rund um die Geburt von besonderer Bedeutung. Hierzu zählen Geburtsvorbereitung, Geburtsmodus, evtl. auftretende psychische Symptome und insbesondere die Frage des weiteren Vorgehens nach der Geburt. Nicht zuletzt, weil dann durch die besonderen Belastungen ein höheres Risiko besteht (erneut) zu erkranken.

Die Zeit nach der Geburt ist im Leben einer Frau die Zeit mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen. Unter Umständen können eine Psychose oder andere psychische Störungen sogar zu einem Krankenhausaufenthalt führen. Gerade für Frauen, die in der Vorgeschichte bereits erkrankt waren, wird eine Verlängerung des üblicherweise drei bis fünf Tage dauernden stationären Aufenthalts nach der Entbindung empfohlen. Dies erleichtert der Mutter die Anpassung an die neue Situation. Zudem kann die Mitaufnahme des Ehemannes als Begleitperson für die psychische Stabilität und Entlastung der Patientin sinnvoll sein und wird in manchen Fällen befürwortet.

Bereits während der Schwangerschaft werden üblicherweise mit der Patientin und ihrem Ehemann Strategien besprochen, wie in den Stunden und Tagen nach der Entbindung für möglichst viel Ruhe und Erholung gesorgt werden kann. Dies beinhaltet beispielsweise auch, die Zahl der Besucher in der Klinik und später zu Hause möglichst gering zu halten - immer mit dem Ziel, zusätzlich belastende Faktoren zu minimieren. Konkrete Aussagen in einem mit dem Arzt erarbeiteten Geburtsplan sollen das geburtshilfliche Personal für diese Aspekte sensibel machen. Sind Schlafstörungen zu erwarten, sollte z.B. vermerkt werden, dass die Patientin viel Ruhe braucht und unbedingt schlafen muss. Auch eine Bedarfsmedikation kann für diesen Fall bereits vorher festgelegt werden.

In diesem Plan können auch Angaben zur medikamentösen Behandlung insgesamt gemacht werden, beispielsweise zur Fortführung der derzeit bestehenden Medikation bis zur Geburt oder gegebenenfalls auch zur Reduktion. Falls es sinnvoll erscheint, wird der Arzt in Abstimmung mit der Patientin eine Erhöhung der Medikation (ab dem Tag der Geburt) erörtern. Für eine eventuell medikamentöse Behandlung enthält der Plan eine genaue Dosierungsanleitung, um die sichere Therapie zu gewährleisten.

Naturgemäß ist nicht in jeder Klinik eine psychosomatische Mitbetreuung auf der Station unkompliziert möglich, deshalb ist eine vorherige Absprache mit dem behandelnden Psychiater bzw. Nervenarzt wichtig. Auf jeden Fall sollte frühzeitig eine Wiedervorstellung nach der Entbindung vereinbart werden, und zwar zeitlich in Abhängigkeit von der Grunderkrankung. Bei vorbestehender Depression sollte sich die Patientin etwa vier bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder vorstellen, weil während dieser Zeit die deutlich fassbaren Symptome beginnen. Bei einer bipolaren oder psychotischen Störung sollte der Termin etwa zwei Wochen nach der Entbindung stattfinden.