Erläuterung zur "Ampel"

Misoprostol

Produktnamen:
  • Arthotec = Kombipräparat (Misoprostol und Diclofenac) ®
  •  

Misoprostol

Erläuterung zur "Ampel"

Misoprostol

Produktnamen:
  • Arthotec = Kombipräparat (Misoprostol und Diclofenac) ®
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Misoprostol ist ein synthetisches Prostaglandin-E1-Analogon, das nach Resorption zur eigentlich wirksamen Misoprostolsäure umgewandelt wird. Misoprostol bewirkt über Prostaglandinrezeptoren an der Belegzelle eine Hemmung der Säuresekretion und fördert gleichzeitig die protektive Bicarbonat- und Schleimproduktion. Aufgrund der abortiven Wirkung auf den Uterus wird es in der Gynäkologie auch zusammen mit anderen Medikamenten wie Mifepriston oder Methotrextat zur Abortinduktion im ersten Trimester und zur Einleitung der Geburt eingesetzt. In Deutschland ist derzeit nur noch ein Kombinationspräparat aus Misoprostol und Diclofenac zugelassen, das Monopräparat ist seit 2006 nicht mehr auf dem deutschen Markt.

Indikation: Ulkustherapie, Ulkusprophylaxe. Geburtseinleitung und zusammen mit anderen Medikamenten zur Abortinduktion und bei postpartaler Uterusatonie (in Deutschland zurzeit off-label).

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Eine Misoprostoleinnahme birgt ein teratogenes Potential, allerdings scheint nach aktueller Datenlage allenfalls eins von 100 im 1. Trimenon exponierten Kindern Symptome der für Misoprostol typischen Möbius-Sequenz aufzuweisen. Diese Erkenntnis beruht auf zahlreichen Einzelfallberichten, kleineren Fallstudien und meist retrospektiven Untersuchungen, vorwiegend aus Brasilien, die einen Zusammenhang zwischen fehlgeschlagenem Abortversuch und Disruptionsfehlbildungen beobachtet haben. Eine Metaanalyse der Fall-Kontrollstudien bis Juni 2005 bestätigte ein erhöhtes Risiko für eine Möbius-Sequenz und terminale transversale Reduktionsfehlbildungen nach Anwendung im 1. Trimenon. Auch verschiedene andere Fehlbildungen wurden beschrieben. Als Ursache der beobachteten Fehlbildungen wird eine durch Misoprostol bedingte Perfusionsstörung möglicherweise als Folge von Uteruskontraktionen diskutiert. Nicht nur nach fehlgeschlagenen Abortversuchen sondern auch nach therapeutischer Anwendung von Misoprostol wurden Auffälligkeiten bei exponierten Kindern beschrieben. Zwei prospektive Kohortenstudien mit 123 bzw. 86 exponierten Schwangeren fanden keine Auffälligkeiten im Schwangerschaftsverlauf und bei den Neugeborenen. Ein Teil der Mütter hatte Misoprostol als Schutz vor Magengeschwüren bei einer Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika eingenommen. Diese Ergebnisse sprechen nicht gegen ein teratogenes Risiko, da eine Möbius-Sequenz spontan extrem selten auftritt und selbst eine Vervielfachung dieses Basisrisikos durch Misoprostol in einer kleinen Kohorte von 100 exponierten Kindern nicht zu Erkrankungen führen muss.

Es gibt Hinweise darauf, dass Infektionen wie eine Endometritis nach Misoprostolgabe zur Abortinduktion häufiger als normalerweise auftreten. Dies gilt besonders für die vaginale Applikation.

2.-3. Trimenon / Perinatal: So gut wie keine Erfahrungen liegen zur Therapie von gastrointestinalen Erkrankungen mit Misoprostol im 2./3. Trimenon vor. Zur Weheneinleitung und Zervixreifung zeigte es eine gute Verträglichkeit. Einzelne Fallbeschreibungen über Suizidversuche mit Misoprostol während der Schwangerschaft berichten über fatale Verläufe für den Fetus und/oder die Mutter.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Misoprostol sollte für gastrointestinale Indikationen während der gesamten Schwangerschaft nicht angewendet werden. Prostaglandine dürfen indikationsgerecht zur Geburtsvorbereitung (Zervixreifung), Geburtseinleitung und zur Wehenunterstützung eingesetzt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Nach versehentlicher Anwendung im 1. Trimenon oder nach einem fehlgeschlagenen Abortversuch mit Prostaglandinen sollte eine sonographische Feindiagnostik durchgeführt werden. Dabei muss mitbedacht werden, dass sich eine Möbius-Sequenz sonographisch nicht ausschließen lässt.

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Für gastrointestinale Indikationen (siehe Refluxkrankheit, Gastritis) zum Beispiel Ranitidin oder Omeprazol.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 20-40 min; Proteinbindung: 80-90%; molare Masse: 382; orale Bioverfügbarkeit: 100%; relative Dosis < 0,1%.

Klinik: Prostaglandine sind normalerweise in Kolostrum und Milch nachweisbar. Aufgrund der geringen Menge von Misoprostol(-säure) in der Muttermilch und der kurzen Halbwertszeit werden keine negativen Auswirkungen auf den gestillten Säugling erwartet und sind bisher auch nicht beschrieben worden.

Empfehlung: Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei gastrointestinaler Indikation sollte auf in der Stillzeit besser untersuchte Substanz (wie Raniditin, Famotidin, Omeprazol oder Pantoprazol) zurückgegriffen werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

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Die Beratung ist kostenlos.