Wirkstoffe
Auswahlliste
Metoprolol gehört zu der Gruppe der β1-Adrenorezeptorenblocker, die die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin an den ß-Rezeptoren aufheben. Als Folge wird die Erregungsleitung im AV-Knoten verlangsamt, die Herzfrequenz und das Schlagvolumen werden verringert. Der periphere Widerstand bleibt bei Langzeittherapie im Allgemeinen unverändert oder verringert sich. Metoprolol wirkt in niedriger Dosierung kardioselektiv, da die β1-Rezeptoren vorwiegend am Herzmuskel lokalisiert sind. Dies gilt jedoch nicht mehr bei hoher Dosierung, bei der auch β2-Rezeptoren, z.B. der Bronchien und Blutgefäße beeinflusst werden können. Metoprolol hat keine intrinsische sympathomimetische Aktivität (ISA).
Metoprolol ist gut plazentagängig und zum Zeitpunkt der Entbindung konnten etwa gleich hohe Plasmaspiegel bei Mutter und Feten nachgewiesen werden. In den ersten 2-5 Stunden nach der Geburt steigen die Metoprolol-Spiegel bei dem Neugeborenen um das 4-fache und fallen dann in den nächsten 15 Stunden rasch wieder.
Indikation: Arterielle Hypertonie, tachykarde Arrhythmien, Migräneprophylaxe.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: HOCH
1. Trimenon: Ein teratogenes Risiko wird bei den häufig verordneten Betablockern nicht angenommen und ist bei dem auch unter Schwangeren weit verbreiteten Metoprolol bisher nicht beschrieben. Trotzdem gibt es kaum systematische Studien zur Anwendung im 1. Trimenon.
2.-3. Trimenon / Perinatal: Es gibt eine anhaltende Diskussion darüber, ob eine Behandlung mit Betablockern in der Schwangerschaft zu einem verminderten Geburts- und Plazentagewicht führen kann. Dies wurde besonders nach einer Atenolol-Therapie in verschiedenen Publikationen diskutiert. Als Ursache werden u.a. eine Tonuserhöhung des Uterus mit nachfolgender Perfusionsminderung sowie die blutzuckersenkende Wirkung der Betablocker erörtert. Alternativ muss auch ein direkter Effekt der arteriellen Hypertonie als Grund für ein vermindertes intrauterines Wachstum bedacht werden.
Eine neonatale β-Rezeptorenblockade infolge mütterlicher Therapie ist theoretisch bei jedem Betablocker möglich und kann sich in Bradykardie, Hypotonie und Hypoglykämie äußern. Ein Absetzen der Medikation 24–48 Stunden vor der Entbindung wird deshalb von manchen Autoren erörtert. Dieses Vorgehen ist kaum zu rechtfertigen. Die meist nur milden Symptome einer β-Rezeptorenblockade bessern sich beim Neugeborenen innerhalb von 48 Stunden folgenlos. Dennoch sollten sich Geburtshelfer und Pädiater über die mütterliche Medikation informieren.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Metoprolol gehört zu den Antihypertensiva der Wahl für die Schwangerschaft.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Keine außer Wachstumskontrolle beim Feten bei langdauernder Therapie. Ausschluss von Bradykardie, Hypoglykämie und insbesondere bei Frühgeborenen Atemstörungen (selten) bei Therapie bis zur Geburt.
Besser erprobte Alternativen: Alpha-Methyldopa
Stillzeit
Pharmakokinetik: HWZ: 3-4 h, Metabolite: 8 h; Proteinbindung: 12%; molare Masse: 267; relative Dosis: 3,2%; M/P-Quotient: 3; orale Bioverfügbarkeit: 95%.
Klinik: Bisher wurde nicht über Symptome bei den gestillten Kinder berichtet. Ob die individuelle Stoffwechselsituation (z.B. 10% langsame Metabolisierer in der nordeuropäischen Bevölkerung) für die Stillzeit relevant ist, ist bisher unklar.
Empfehlung: Metoprolol gehört zu den ß-Blockern der Wahl.
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