Erläuterung zur "Ampel"

Methotrexat

Produktnamen:
  • Lantarel ®
  • Metex ®
  • MTX ®
  • und Generika 

Methotrexat

Erläuterung zur "Ampel"

Methotrexat

Produktnamen:
  • Lantarel ®
  • Metex ®
  • MTX ®
  • und Generika 

Methotrexat (MTX) gehört als Folsäureanalogon in die Reihe der Antimetabolite. Es hemmt kompetitiv das Enzym Dihydrofolat-Reduktase und hat eine Halbwertszeit von 12 - 24 Stunden. Circa 5 - 35% der Substanz werden als Polyglutamat-Derivat in Hepatozyten und Erythrozyten über mehrere Monate gespeichert. Die therapeutischen Dosierungen variieren je nach Indikation erheblich. So wird bei rheumatischen Erkrankungen eine sog. low-dose Therapie angewandt mit wöchentlichen Dosierungen zwischen 7,5 und 25 mg. Beim Osteosarkom z.B. wird dagegen eine hochdosierte Therapie mit 1000 mg/m² Körperoberfläche als Einzeldosis durchgeführt.

Indikation: Rheumatoide Arthritis, Psoriasis, maligne Erkrankungen wie z.B. akute lymphatische Leukämie, non-Hodgkin-Lymphom, Ovarialcarcinom, Osteosarkom, zur Abortinduktion u.a.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die low-dose-Therapie bei rheumatischen Erkrankungen und sind nicht auf andere Dosierungen/Indikationen übertragbar.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL (low-dose)

1. Trimenon: Schon seit längerem ist bekannt, dass MTX ein teratogenes Potential mit einem variablen Muster an Fehlbildungen besitzt. Auftreten können ZNS-Anomalien, Ossifikationsdefekte und Schädelanomalien, Gesichtsdysmorphien, Extremitätendefekte, prä- und postnatale Wachstumsretardierung. Entwicklungsverzögerung und Intelligenzdefekte sind bei einigen der Kinder mit Fehlbildungen beschrieben. Holoprosenzephalie und evtl. auch Fehlbildungen des Urogenitaltraktes und des Herzens sind mögliche Erweiterungen des Phänotyps. 

Die überwiegende Mehrheit der bisher beschriebenen MTX-Embryopathien trat nach fehlgeschlagenem Abortversuch auf, teilweise mit zusätzlicher Misoprostol Medikation. Es ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob eine MTX-Embryopathie auch nach typischer rheumatologischer low-dose Therapie auftritt. In den Fallbeschreibungen mit einem charakteristischen Fehlbildungsmuster war häufig keine einmalige wöchentlich niedrige Dosierung verabreicht worden oder/und ein genetisches Syndrom nicht sorgfältig ausgeschlossen worden, wie in einem kürzlich veröffentlichen Fallbericht mit Einnahme von 7,5 mg MTX wöchentlich bis zur 10. Schwangerschaftswoche, in dem Fehlbildungen ähnlich einer MTX-Embryopathie  beschrieben werden.

In einer prospektiven Studie aus Frankreich mit 28 und einer multizentrischen prospektiven Kohortenstudie mit 324 exponierten Schwangerschaften wurde keine typische MTX-Embryopathie beobachtet.

Ein weiteres Ergebnis der multizentrischen Beobachtungsstudie war die deutlich erhöhte Spontanabortrate und eine im Vergleich zur gesunden Vergleichsgruppe leichte aber signifikante Erhöhung der Rate grobstruktureller Fehlbildungen nach einer über die Konzeption hinausgehenden rheumatologsichen MTX-Therapie. Wenn die low-dose MTX-Therapie vor der Befruchtung beendet worden war, wurde kein höheres Risiko für pathologische Schwangerschaftsausgänge beobachtet.

 2.-3. Trimenon / Perinatal: Erfahrungen zu "low-dose"-Therapie sind bisher nicht beschrieben. Bekannt ist, dass Methotrexat im Rahmen einer Krebstherapie wie andere Zytostatika auch zur intrauterinen Wachstumsverzögerung, zur Myelosuppression und äußerst selten auch zum intrauterinen Fruchttod führen kann.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Methotrexat sollte möglichst bei Planung  einer Schwangerschaft auf ein sichereres Antirheumatikum umgesetzt werden. Die gelegentlich empfohlene dreimonatige Therapiepause vor der Konzeption kann mit den bisher vorliegenden Daten nicht begründet werden. 

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Die Therapie sollte umgehend auf ein sichereres Antirheumatikum umgestellt werden und eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Eine (versehentlich) ins 1. Trimenon hinein erfolgte "low-dose"-Therapie scheint nur ein gering erhöhtes Fehlbildungsrirsiko zu haben. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Prednison/ PrednisolonSulfasalazin, Hydroxychloroquin. Siehe auch rheumatoide Arthritis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie Azathioprin.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 12-24 h; Proteinbindung: 50%; molare Masse: 454; relative Dosis: 0,12%; M/P-Quotient: > 0,08; orale Bioverfügbarkeit: 33-90%.

Klinik: Berichte über gestillte Säuglinge liegen nicht vor.  

Empfehlung: Meistens wird zum Abstillen geraten bzw. zu einer anderen antirheumatischen Therapie während der Stillzeit. Wenige Autoren empfehlen eine Stillpause von mehreren Halbwertszeiten. Da aufgrund des geringen Muttermilchtransfers  eine Schädigung des Säuglings wenig wahrscheinlich erscheint, halten einzelne Autoren Stillen unter einer "low-dose"-Behandlung für akzeptabel.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.