Erläuterung zur "Ampel"

Metformin

Produktnamen:
  • Diabesin ®
  • glucobon biomo ®
  • Glucophage ®
  • Mediabet ®
  • Siofor ®
  • Juformin ®
  • und Generika 

Metformin

Erläuterung zur "Ampel"

Metformin

Produktnamen:
  • Diabesin ®
  • glucobon biomo ®
  • Glucophage ®
  • Mediabet ®
  • Siofor ®
  • Juformin ®
  • und Generika 

Das Biguanid Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Glucosesynthese in der Leber vermindert, ferner führt es zu einer verbesserten Insulinsensitivität und Glucoseverwertung. Es stimuliert die Insulinsekretion nicht und führt daher auch nicht zu Hypoglykämien. Metformin ist zumindestens am Ende der Schwangerschaft gut plazentagängig.

Indikation: Diabetes mellitus, insbesondere bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikerinnen, bei denen allein durch Diät und körperliche Betätigung keine ausreichende Einstellung des Blutzuckerspiegels erreicht wurde. Polycystisches Ovarial-Syndrom (off-label use).

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Bei einigen hundert Schwangerschaften wurde bisher kein Anhalt für Teratogenität gefunden. 

Bei der Beurteilung einer möglichen Teratogenität, erst recht bei der Frage, welche antidiabetische Therapie empfohlen werden kann, muss Folgendes bedacht werden: Beim vorbestehenden Diabetes ist ein gut an die unterschiedlichen Anforderungen während der Schwangerschaft angepasster Blutzucker entscheidend. Ein erhöhter mütterlicher Blutzuckerspiegel korreliert mit der Rate an kindlichen Fehlbildungen, Schwangerschafts- und perinatalen Komplikationen sowie dem Befinden des Neugeborenen. Eine Adipositas oder Gefäßerkrankungen stellen weitere Risikofaktoren dar. Eine große prospektive Studie, die Humaninsulin mit Metformin bei der Typ-2-Diabetikerin vergleicht, fehlt bisher. 

Zahlreiche Studien mit unterschiedlichem Design untersuchten die Wirksamkeit von Metformin beim polycystischen Ovarial-Syndrom (PCOS), also die Rate der erfolgreich eingetretenen Schwangerschaften und die Anzahl der lebendgeborenen Kinder. Einige Untersuchungen konnten eine Senkung der Abortrate nach Anwendung im 1. Trimenon feststellen. Andere Untersuchungen legten den Schwerpunkt auf die Frage, ob sich mit Metformin die Rate an Gestationsdiabetes bei PCOS-erkrankten Schwangeren senken lässt. Kontrovers wird diskutiert, wie lange Metformin bei Schwangeren mit PCOS verordnet werden sollte. Nur wenige Publikationen beschäftigen sich explizit mit den Auswirkungen auf das Kind. Da zum Teil dieselben Patientenkollektive mehrfach unter verschiedenen Gesichtspunkten ausgewertet wurden, ist es zudem schwierig, die Anzahl nachverfolgter Schwangerschaften zu bestimmen.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Die Erfahrungen mit Metformin müssen unter Berücksichtigung der drei verschiedenen Behandlungsindikationen diskutiert werden: die (meist übergewichtige) Schwangere mit Gestationsdiabetes, das PCOS und die Typ-2-Diabetikerin. 

Gestationsdiabetes: Die größte Studie ist eine prospektive australisch-neuseeländische Untersuchung, die den Schwangerschaftsausgang von 363 Frauen, die Metformin erhielten, mit 378, die Humaninsulin injizierten, vergleicht. 46,3 % der Schwangeren mit Metformin mussten wegen unzureichender Blutzuckerkontrolle zusätzlich Insulin spritzen, bei weiteren 7,4 % wurde Metformin wegen Komplikationen gestoppt. Während schwere neonatale Hypoglykämien in der Insulingruppe häufiger auftraten, war die Frühgeborenenrate in der Metformingruppe signifikant höher. Alle Parameter zusammengenommen, unterschied sich das Befinden der Neugeborenen zwischen den Gruppen nicht wesentlich. Die mütterliche Gewichtszunahme war in der Metformingruppe erwartungsgemäß weniger gravierend und die Zufriedenheit mit der Therapie höher.

Diabetes mellitus, Typ 2: Diabetikerinnen in Ländern mit hohem sozioökonomischem Standard und guter Gesundheitsversorgung werden in der Regel nach Feststellung der Schwangerschaft auf Humaninsulin umgestellt. Es gibt Hinweise darauf, dass eine durchgängige Therapie mit Metformin zu einer höheren perinatalen Mortalität führen kann. Allerdings stammen diese Studienergebnisse aus ärmeren Regionen Südafrikas. In Ländern, in denen eine Insulin-Therapie aufgrund der hohen Kosten nicht möglich ist, stellt die Metformin-Therapie für übergewichtige Typ-2-Diabetikerinnen eine Therapieoption dar.

PCOS: Es gibt Autoren, die Metformin während der gesamten Schwangerschaft empfehlen. Bisher ist die Datenlage nicht eindeutig, die durchgeführten Studien sind zu klein oder in ihrem Design nicht überzeugend genug, um zu einer Langzeitbehandlung zu raten. Auch wenn negative Folgen für die intrauterin exponierten Kinder bisher nicht beobachtet wurden, ist weder die Unbedenklichkeit hinreichend bewiesen noch gibt es eindeutige Belege dafür, dass eine Langzeittherapie zu besseren Ergebnissen führt.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie:  Typ-2-Diabetikerinnen sollten möglichst schon bei Planung einer Schwangerschaft auf Humaninsulin um- und eingestellt werden. Ein Gestationsdiabetes sollte ebenfalls mit Humaninsulin behandelt werden. Frauen, die Metformin im Rahmen eines PCOS eingenommen haben, sollten es nach erfolgreich eingetretener Schwangerschaft im ersten Trimenon absetzen. Die Auswirkungen einer längeren Therapiedauer sind noch nicht abschließend geklärt und bedürfen weiterer Untersuchungen. Die Entscheidung über eine verlängerte Therapiedauer bedarf einer individuellen Prüfung durch den behandelnden Arzt unter Berücksichtigung der Krankenvorgeschichte der Patientin.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Keine. Eine Ultraschallfeindiagnostik zur Bestätigung der normalen Entwicklung des Feten wird generell jeder schwangeren Patientin mit einem Diabetes mellitus empfohlen. Da auch ein PCOS häufig mit einer Insulinresistenz assoziiert ist, sollte auch hier diese Untersuchung durchgeführt werden.

Besser erprobte Alternativen: Humaninsulin

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 6,5 h; Proteinbindung: gering; molare Masse: 129; relative Dosis: < 1 %; M/P-Quotient: 0,35-0,63; orale Bioverfügbarkeit: 50 %. Im kindlichen Plasma wurde Metformin nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht nachgewiesen.

Klinik: Negative Erfahrungen bei der Anwendung in der Stillzeit liegen nicht vor, insbesondere sind bisher keine Hypoglykämien bei voll gestillten Kindern beschrieben. Eine Studie über Kinder von Frauen mit einem PCOS, in der 61 unter mütterlicher Metforminmedikation gestillte Säuglinge mit einer Kontrollgruppe von nicht gestillten Kindern verglichen wurden, fand keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Empfehlung: Unter Metformin darf uneingeschränkt gestillt werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.