Erläuterung zur "Ampel"

Lithiumsalze

Produktnamen:
  • Hypnorex ®
  • Quilonum ®
  •  

Lithiumsalze

Erläuterung zur "Ampel"

Lithiumsalze

Produktnamen:
  • Hypnorex ®
  • Quilonum ®
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Ältestes Prophylaktikum für affektive und schizoaffektive Störungen. Geringe therapeutische Breite mit Abhängigkeit vom Flüssigkeitsstoffwechsel. Wenig Nebenwirkungen, wenn Patientin compliant, kann häufig wegen guter Wirksamkeit der Prophylaxe in Monotherapie gegeben werden.

Indikation: Therapie manischer Episoden und bestimmter akuter Depressionen, Prophylaxe manisch-depressiver Erkrankungen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon:  In den 70er-Jahren wurde Lithium erhebliche Teratogenität unterstellt und Herzfehlbildungen (Ebstein-Anomalie) beschrieben. Spätere Untersuchungen ergaben ein deutlich geringeres Risiko. Man geht heute davon aus, dass lediglich zwischen 1 auf 1000 bis 1 auf 100 exponierte Embryonen teratogene Schäden (am Herzen) erleiden. Einige Autoren zweifeln inzwischen sogar einen signifikanten teratogenen Charakter an.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Unter Lithium soll es häufiger zu Frühgeburten kommen, und die Kinder sollen ein erhöhtes Geburtsgewicht aufweisen. Da unter der Geburt die Clearance sinkt und das therapeutische Dosisintervall bei Lithium sehr schmal ist, sind toxische Symptome bei Mutter und Kind nicht ungewöhnlich. Ein so genanntes „Floppy-Infant-Syndrom“ mit Lethargie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, Temperaturregulationsstörung und Muskelhypotonie wurde gelegentlich bei Neugeborenen beobachtet, in einzelnen Fällen außerdem funktionelle kardiale Störungen, Diabetes insipidus, Krampfanfälle und Hypothyreose mit Struma. Diese toxischen Effekte des Lithiums besserten sich meist innerhalb von 1 –€œ 2 Wochen nach der Geburt. Bei ausgeprägter Hypothyreose mit konnataler Struma wurde jedoch auch über wochenlange Thyroxinsubstitution berichtet. Bei Schwangeren ist die Lithium-Ausscheidung über die Nieren um 50 –€œ 100 % gesteigert.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Bei Neueinstellung in der Schwangerschaft alternative Strategien bevorzugen (z.B. Gabe eines atypischen Neuroleptikums). Bei stabiler Einstellung Fortführung der Medikation in der Schwangerschaft mit gleichbleibend niedrigen Serumkonzentrationen insbesondere im 1. Trimenon. Tagesdosis auf mehrere (kleine) Einzeldosen verteilen und Retard-Präparate verwenden. Wegen erhöhter Clearance während Schwangerschaft häufige Spiegelkontrollen (Lithium-Pass!); ggf. muss Dosis erhöht werden. In der Woche vor Geburt sollte, wenn möglich, Dosis um 30 –€œ 50 % herabgesetzt werden, um sofort nach der Entbindung die vor der Schwangerschaft üblichen Dosen wieder aufzunehmen. Auch nach Geburt engmaschige Spiegelkontrollen bei Mutter (wiederum Veränderung des Flüssigkeitshaushalts, dann ggf. Dosisanpassung nach unten; cave: verändertes Flüssigkeitsvolumen, Gefahr der Intoxikation).

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Sonographische Feindiagnostik und fetale Echokardiographie nach Behandlung im 1. Trimenon. Nach Geburt in den ersten Lebenstagen auf Symptome beim Kind achten und Schilddrüsenunterfunktion ausschließen. Sorgfältige Schwangerenvorsorge und engmaschige psychiatrische Kontrolle.
Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: keine, wenn eine Monotherapie mit erprobten Neuroleptika oder Antidepressiva nicht infrage kommt.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 18-24 h (max 36 h), Neugeborene: 17,9 h; Proteinbindung: 0%; molare Masse: 74; relative Dosis: 0-–¹10% (30%); M/P-Quotient: 0,3-0,17; orale Bioverfügbarkeit: 100%. Im Serum gestillter Säuglinge nach Absinken der unmittelbar postnatal hohen Werte ein Drittel der mütterlichen Konzentrationen oder deutlich niedriger.

Klinik: Keine Symptome bei den meisten gestillten Kindern. Eine Publikation berichtet über einen zwei Monate alten Säugling mit Tremor und abnormem Bewegungsmuster, seine Serumwerte für Lithium waren doppelt so hoch wie die der Mutter.

Empfehlung: Bei genauer Beobachtung des Säuglings (Muskeltonus, Tremor, unwillkürliche Bewegungen, Zyanose, Dehydratation) und möglichst niedriger mütterlicher Lithiumdosis kann Stillen im Einzelfall erlaubt werden. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass Säuglinge besonders gefährdet sind zu dehydrieren (z. B. bei gleichzeitig vorliegendem Fieber oder Trinkschwäche). Gegebenenfalls muss bei neu auftretender verdächtiger Symptomatik die Lithiumkonzentration im Serum des Säuglings bestimmt werden.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

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Die Beratung ist kostenlos.