Erläuterung zur "Ampel"

Infliximab

Produktnamen:
  • Remicade ®
  • und Biosimilars 

Infliximab

Erläuterung zur "Ampel"

Infliximab

Produktnamen:
  • Remicade ®
  • und Biosimilars 

Infliximab ist ein chimärer monoklonaler Antikörper aus der Gruppe der IgG1-Antikörper und ein TNF-α-Blocker. Er muss intravenös infundiert werden.

Indikation: Rheumatoide Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Spondylitis ankylosans, Psoriasis/-Arthritis.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Erfahrungen mit mehr als 600 evaluierten Schwangerschaften aus verschiedenen Studien, Fallserien und Fallberichten haben insgesamt bisher keinen eindeutigen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko erbracht. Die beobachteten Fehlbildungen ließen kein Muster erkennen. Aufgrund seiner Molekülmasse ist ein nennenswerter Übergang während der Embryogenese unwahrscheinlich, allerdings sind indirekte Effekte, z.B. über die Plazenta, theoretisch nicht vollkommen ausgeschlossen.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Als IgG1-Antikörper geht Infliximab wie andere IgG1-Antikörper durch einen aktiven Prozess bei reiferer Plazenta zunehmend diaplazentar über. Während der plazentare Transfer in der 20. Schwangerschaftswoche noch minimal ist, erreicht dieser um die 37. Woche herum sein Maximum. Aus den bisherigen Berichten geht hervor, dass therapeutische Konzentrationen beim Neugeborenen erreicht werden können. Eine prospektive Studie mit 44 Infliximab exponierten Mutter-Kind-Paaren fand sogar weitaus höhere Spiegel beim Neugeborenen als bei der Mutter. Die kindlichen Spiegel nahmen nach der Geburt kontinuierlich langsam ab und waren nach 12 Monaten nicht mehr messbar. Die mittlere kindliche Clearancezeit von Infliximab betrug 7,3 Monate. Eine mütterliche Kombinationstherapie aus einem TNF-α Inhibitor und einem Thiopurin  (z.B. Azathioprin) führte zu einem mehr als zweifach höherem Risiko für kindliche Infektionen. In der Regel aber sind die intrauterin exponierten Kinder klinisch unauffällig, allerdings liegen nur wenige Langzeitbeobachtungen vor. Eine Veröffentlichung beschreibt vier Neugeborene (darunter eine Drillingsschwangerschaft) mit schwerer Neutropenie nach mütterlicher Infliximab-Therapie, die sich innerhalb von 8 bis 14 Wochen normalisierte.

Ein Fallbericht beschreibt den Tod eines gesund geborenen Jungen nach Impfung im 3. Lebensmonat mit einem BCG-Lebendimpfstoff, dessen Mutter während der ganzen Schwangerschaft mit Infliximab therapiert worden war. Der Junge verstarb an einer dissiminierten BCG-Infektion. Andererseits wird der komplikationslose Verlauf einer Windpockeninfektion bei einem 3-Monate alten ehemaligem Frühgeborenen geschildert, dessen Mutter bis zwei Tage vor der Geburt 40 mg Adalimumab, auch ein IgG1-Antikörper und TNF-α Blocker, wöchentlich injiziert hatte.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Infliximab muss bei Kinderwunsch-Patientinnen nicht zwingend abgesetzt werden. Nach sorgfältiger Nutzen-Risiko Abwägung und Prüfung anderer sicherer Alternativen darf es auch in der  Schwangerschaft eingesetzt werden. Die Therapie in der späteren Schwangerschaft, insbesondere nach der 30. Woche, sollte wohl begründeten Indikationen vorbehalten sein. Im Allgemeinen gilt, dass eine effektive Krankheitskontrolle mit niedriger Krankheitsaktivität eine wichtige Voraussetzung für einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf darstellt.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Eine weiterführende Ultraschalluntersuchung kann nach Exposition während der Organogenese angeboten werden. Bei einer späteren Therapie sollten Schwangerschaft und Fetus sonographisch überwacht werden. Aus Vorsichtsgründen sollten die in der zweiten Schwangerschaftshälfte exponierten Kinder laut Fachinformation erst 6 Monate nach der letzten intrauterinen Infliximab Gabe eine Impfung mit Lebendimpfstoffen erhalten.

Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Abhängig von der Indikation und Krankheitsaktivität, siehe auch rheumatoide Arthritis oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Infliximab ist das derzeit am umfangreichsten untersuchte Biologikum in der Schwangerschaft.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 9,5 Tage; Molekulargewicht: 149.100; orale Bioverfügbarkeit: gering. Geringer Nachweis von Infliximab in der Muttermilch und im Plasma des Kindes möglich.

Klinik: In den wenigen Fallberichten wurden bisher keine Nebenwirkungen beim gestillten Säugling beschrieben. Solche erscheinen aufgrund der geringen oralen Verfügbarkeit und großen Molekülmasse auch unwahrscheinlich.  

Empfehlung: Wenn Infliximab nach sorgfältiger Prüfung möglicher Alternativen das geeignetste Medikament für die Patientin ist, ist das Stillen dabei akzeptabel.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

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Die Beratung ist kostenlos.