Hyperthyreose

Synonyme oder assoziierte Erkrankungen:
  • Schilddrüsenüberfunktion

Hyperthyreose

Synonyme oder assoziierte Erkrankungen:
  • Schilddrüsenüberfunktion

Hyperthyreose

Synonyme oder assoziierte Erkrankungen:
  • Schilddrüsenüberfunktion

Eine manifeste Hyperthyreose sollte auch in der Schwangerschaft behandelt werden. Die häufigsten Ursachen sind Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung oder eine Schilddrüsenautonomie. Ein Morbus Basedow ist für 60-80% der Hyperthyreosen verantwortlich und kommt bei etwa 2% der Frauen, typischerweise zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr vor.

Eine unbehandelte manifeste Hyperthyreose stellt nicht nur für die Schwangere eine Gefährdung dar, sondern auch für den Fetus. Es kann zur intrauterinen Wachstumsretardierung kommen, Präeklampsie tritt häufiger auf, ebenso Frühgeburtlichkeit. Auch Aborte und Totgeburten sind gehäuft beschrieben. Bei den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, besonders beim Morbus Basedow, kann es zu weiteren Besonderheiten in der Schwangerschaft kommen. Mütterliche IgG-Autoantikörper können in der späteren Schwangerschaft diaplazentar zum Feten übergehen und als Leihantikörper beim Feten und Neugeborenen zur Hyperthyreose führen. Besonders gefährdet sind die Feten, deren Mütter hohe Titer haben und die nicht (mehr) thyreostatisch behandelt werden, z.B. nach kurz zuvor durchgeführter Thyreoidektomie. Die Angaben zur Häufigkeit dieser fetalen Hyperthyreose sind unterschiedlich und liegen zwischen 1 und 10%.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Zur Behandlung der Hyperthyreose in Schwangerschaft und Stillzeit wird Propylthiouracil als Thyreostatikum in den meisten Ländern bevorzugt, während außerhalb der Schwangerschaft in Deutschland und einigen anderen Ländern vorwiegend Carbimazol bzw. der aktive Metabolit Thiamazol (Methimazol) verordnet werden. Alle Thyreostatika gehen diaplazentar über und können zu einer fetalen Hypothyreose und Struma führen. Neueren Studien zufolge muss bei 10-25% der intrauterin exponierten Neugeborenen mit einer vorübergehenden Hypothyreose gerechnet werden. Laborchemisch ist diese nicht immer schon am 3. Lebenstag nachweisbar. Sie kann bei der Vorsorgeuntersuchung U2 übersehen werden, wenn das Screening so früh durchgeführt wird. Generell sollte in der Schwangerschaft so niedrig wie therapeutisch möglich dosiert werden. Die Dosis sollte sich an klinischen Befunden orientieren. Thyreostatika sollen nicht mit Thyroxin kombiniert werden, weil eine solche Kombination die Thyreostatikadosis unnötig erhöht.

Thyreostatika führen nicht zu einem nennenswerten Anstieg der Gesamtfehlbildungsrate, allerdings wurde in retrospektiven Fallberichten nach Anwendung von Carbimazol/Thiamazol ein seltenes Fehlbildungsmuster beschrieben, das vermutlich dosisabhängig ist. Geschätzt wird, dass es bei 1/10.000 bis 1/1.000 der exponierten Neugeborenen in unterschiedlicher Ausprägung auftritt. Es ist gekennzeichnet durch eine Aplasia cutis (meist im Bereich des Kopfes), Choanalatresie, Ösophagusatresie, tracheo-ösophageale Fisteln, hypoplastische Brustwarzen und faziale Dysmorphien. Auch eine mentale und motorische Entwicklungsverzögerung wurde beschrieben. Aufgrund dieser Beobachtung ist Propylthiouracil Mittel der Wahl in der Schwangerschaft. Unter Propylthiouracil werden allerdings häufiger Nebenwirkungen bei den Patienten selbst berichtet. Aufgrund der kürzeren Halbwertszeit muss es häufiger verabreicht werden. Weitere Informationen zu Thyreostatika in der Schwangerschaft siehe unter Aktuelles.

Eine Radiojodtherapie ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Sollte eine solche während oder kurz vor der Schwangerschaft erfolgt sein, dann nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos. Eine in den Jahren vor der Schwangerschaft erfolgte Therapie mit ¹³¹Iod hat keine ungünstigen Auswirkungen auf die vor- und nachgeburtliche Entwicklung des Kindes. Sechs Monate nach der Radioiodtherapie können Frauen ohne Risiko schwanger werden. Allerdings wurde in einer Studie eine erhöhte Abortrate beobachtet, wenn die Radiojodtherapie innerhalb eines Jahres vor der Schwangerschaft erfolgt war.

Natriumperchlorat, das nur selten indiziert ist, kann bei Anwendung in der Schwangerschaft den Iodtransfer zum Fetus beeinträchtigen und ist von daher in der Schwangerschaft kontraindiziert. Bitte nehmen Sie im Falle einer Anwendung oder geplanten Therapie mit uns über den Online-Fragebogen Kontakt auf oder rufen uns an.

Eine Schilddrüsenoperation sollte während der Schwangerschaft nur ausgewählten Indikationen vorbehalten sein, z.B. bei schwerer Thyreotoxikose oder Schilddrüsenkarzinom.

Mittel der Wahl

Propylthiouracil ist, insbesondere im 1. Trimenon, das Thyreostatikum der Wahl, Thiamazol (Methimazol) und Carbimazol sind als Reservemittel zu betrachten. Nach Behandlung mit Thiamazol/Carbimazol im 1. Trimenon sollte eine sonographische Feinuntersuchung angeboten werden. Bei allen Thyreostatika sollte zusätzlich zum Screening der Schilddrüsenparameter bei der U2 eine Kontrolle 14 Tage später eingeplant werden, um eine evtl. Hypo- oder seltener Hyperthyreose (z.B. beim M. Basedow der Mutter) beim Neugeborenen erkennen und therapieren zu können.

Hinweis

Wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, bitten wir Sie, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist kostenlos.