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Ungefähr 50-75% aller Schwangeren leiden an Übelkeit in der Schwangerschaft, die am häufigsten morgens auftritt, aber auch den ganzen Tag über persistieren kann. Die Hälfte von ihnen leidet zusätzlich an Erbrechen. Meistens sind Übelkeit und Erbrechen auf das erste Trimenon beschränkt, sie können aber auch während der ganzen Schwangerschaft bestehen bleiben. Die Schwere der Symptomatik reicht von leichtem Unwohlsein bis hin zu schwerem Erbrechen mit Gewichtsverlust, Dehydratation und Störungen des Elektrolythaushaltes, der sog. Hyperemesis gravidarum, die einen Klinkaufenthalt notwendig macht.
Als Ursache der Emesis/Hyperemesis gravidarum werden mehrere Faktoren diskutiert: der höhere β-hCG- und Prostaglandin-Spiegel in der Schwangerschaft, ein relaxierter unterer Ösophagussphinkter, ein Vitamin B6 Mangel und eine gesteigerte Geruchsempfindlichkeit. Eine genetische Prädisposition scheint eine Rolle zu spielen. Psychische Faktoren, die früher als alleinige Ursache angesehen wurden, spielen nach heutiger Ansicht eher eine Rolle als Co-Faktoren, insbesondere bei anhaltender Symptomatik. In einer neueren Studie wird für jüngere Frauen, für solche, die schon mindestens ein Kind haben, sowie jenen, die während der Schwangerschaft nicht berufstätig sind, ein höheres Risiko für Übelkeit und Erbrechen ermittelt.
Während früher Übelkeit und Erbrechen als prognostisch ungünstige Faktoren für die Schwangerschaft angesehen wurden, wurde zwischenzeitlich spekuliert, dass das Fehlen dieser Symptome prädiktiv für eine höhere Abort- und Fehlbildungsrate sein könnte. Eine neuere Studie fand jedoch keine Unterschiede zwischen den Kindern von Frauen ohne Übelkeit/Erbrechen, solchen, die eine Standarddosis Doxylamin-Pyridoxin erhielten und jenen, die eine höhere Dosis der Antiemetika-Kombination einnahmen.
Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft
Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig und in erster Linie von der Schwere der Symptomatik abhängig. Sie reichen von einer moderaten Diät, mehreren kleineren Mahlzeiten am Tag bis hin zur intravenösen Rehydrierung und kompletten parenteralen Ernährung. In ganz seltenen therapierefraktären Fällen wird sogar die Beendigung der Schwangerschaft in Erwägung gezogen. Standard der medikamentösen Therapie sind klassische sedierende Antihistaminika mit antiemetischer Komponente. Eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit haben auch Dopamin-Antagonisten wie z.B. Metoclopramid gezeigt. Pyridoxin (Vitamin B 6) und Ingwer kommen - vor allem bei mäßigen Beschwerden - auch infrage. Alternative Therapien wie z.B. Akupunktur, Akupressur, aber auch Hypnose erfreuen sich z.T. einer zunehmenden Beliebtheit. Einer Metaanalyse zufolge (mit ca. 1300 Schwangeren) liegt die Wirksamkeit von Akupunktur/Akupressur bei der Reduzierung von Übelkeit und Erbrechen allerdings nicht wesentlich über der einer Standarddiät und Ratschlägen zur Lebensstiländerung.
Umfangreiche Untersuchungen haben keinen Anhalt für ein erhöhtes Fehlbildungspotential der klassischen Antiemetika erbracht. Das altbewährte und gut untersuchte sedierende Antihistaminikum Meclozin war und ist Mittel der 1. Wahl. Allerdings hat der deutsche Hersteller die Produktion 2007 eingestellt. Ebenso bewährt und bisher vor allem in den USA und Kanada eingesetzt, ist das sedierende Antihistaminikum Doxylamin, das dort in Kombination mit Pyridoxin auf dem Markt ist. Dimenhydrinat ist in Deutschland bekannter, sollte aber bei vorzeitigen Wehen bzw. Frühgeburtsbestrebungen gemieden werden. Alternativ kommt der Dopamin-Antagonist Metoclopramid infrage, der auch im 1. Trimenon eingesetzt werden darf. Bei stärkerem Erbrechen können auch Medikamente aus der Gruppe der Phenothiazine, z.B. Chlorpromazin und Promethazin, verordnet werden. Ondansetron als ältester Vertreter aus der Gruppe der selektiven Serotoninantagonisten kann eingesetzt werden, wenn die anderen Antiemetika versagen. Bei Hyperemesis und nach erfolgloser klassischer antiemetischer Therapie können auch kurzfristig Glucocorticoide, z.B. Methylprednisolon, versucht werden.
Frauen, die in vorherigen Schwangerschaften an gravierender Emesis oder sogar an einer Hyperemesis gravidarum litten, profitieren unter Umständen von einer frühzeitigen antiemetischen Therapie, die gleich bei Feststellung der Schwangerschaft begonnen werden sollte.
Mittel der Wahl
Wenn Maßnahmen wie z.B eine moderate Diät, mehrere kleinere Mahlzeiten täglich, Vermeiden unangenehmer Gerüche etc. nicht helfen, kommen nach der Produktionseinstellung von Meclozin gleichrangig Doxylamin oder Metoclopramid als Medikamente der ersten Wahl infrage. Auch Therapieversuche mit Pyridoxin oder Ingwer sind möglich.
Hinweis
Wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, bitten wir Sie, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.
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