Erläuterung zur "Ampel"

Gestagene

Produktnamen:
  • Cerazette ®
  • Levogynon ®
  • Microlut ®
  • Mirena ®
  • Unofem ®
  • Utrogest ®
  •  

Gestagene

Erläuterung zur "Ampel"

Gestagene

Produktnamen:
  • Cerazette ®
  • Levogynon ®
  • Microlut ®
  • Mirena ®
  • Unofem ®
  • Utrogest ®
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Zu den Gestagenen gehören unter anderem das natürlich vorkommende und während der Schwangerschaft auch von der Plazenta verstärkt gebildete Progesteron und eine Reihe synthetischer Wirkstoffe, z.B. Desogestrel, Levonorgestrel und andere bei den oralen Kontrazeptiva genannten Gestagene. Gemeinsam ist allen endogenen und synthetischen Gestagenen, dass sie an den Progesteronrezeptor binden und am proliferierten Endometrium eine sekretorische Transformation auslösen. Außerdem führt Progesteron zu einer Abnahme der kontraktilen Bereitschaft der Uterusmuskulatur, zur Engstellung des Zervikalkanals und zur Entwicklung und Ausreifung des Milchgangssystems an der Mamma. Die synthetischen Gestagene haben zum Teil sehr unterschiedliche biologische Effekte.

Indikation: Kontrazeption, Notfallkontrazeption ("Pille danach"), in Kombination mit Estrogenen im Rahmen der postmenopausalen Hormonsubstitution und bei dysfunktionellen Blutungen; Progesteron wird auch als Tokolytikum verwendet und im Rahmen einer Sterilitätsbehandlung eingesetzt.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Die relativ niedrig dosierten Zubereitungen zur hormonalen Kontrazeption einschließlich der Notfallkontrazeption und Präparate zur Behandlung einer Amenorrhoe sind wegen ihrer häufigen versehentlichen Anwendung bis in die Frühschwangerschaft hinein recht gut untersucht. Sie bergen insbesondere hinsichtlich extragenitaler Fehlbildungen nach heutigem Wissen kein nennenswertes Risiko. Auch Geschlechtsdifferenzierungs-Störungen wurden nicht beobachtet, wenn während des sensiblen Zeitraums nach Schwangerschaftswoche acht mit Gestagenen behandelt wurde.
Der in Fallberichten aus den 70er Jahren geäußerte Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva in der Schwangerschaft und dem Auftreten von Herzfehlbildungen, der VACTERL-Assoziation (V: vertebral defects; A: anal atresia; T: tracheo-esophageal fistula; E: esophageal atresia; R: radial and renal problems; C: cardiac anomalies, L: limb anomalies) und anderer Anomalien (z.B. Hypospadien) wurde vereinzelt auch in neueren Publikationen gesehen, in der Mehrzahl der durchgeführten Untersuchungen blieb er unbestätigt.
Embryotoxische Effekte sind bisher auch nicht nach Durchführung der sogenannten Notfallkontrazeption beschrieben, falls die Schwangerschaft doch weiter besteht. Diese "Pille danach" besteht aus einer reinen Gestagentherapie, z.B. mit Levonorgestrel, und wirkt über die Verhinderung der Ovulation und Veränderungen des Endometriums, die eine Implantation beeinträchtigen. Ein Abort wird durch die "Pille danach" nicht induziert.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Zur Anwendung der genannten synthetischen Gestagene im 2./3. Trimenon und perinatal gibt es weniger Erfahrungen, da eine versehentliche hormonale Kontrazeption selten bis in diesen Zeitraum erfolgt. Zur therapeutischen Anwendung kommen lediglich das Progesteron und synthetische Derivate, z.B. das 17-Hydroxy-Progesteron im Rahmen der Behandlung vorzeitiger Wehentätigkeit. In neueren Studien konnte ein signifikanter Nutzen zur Reduktion von Frühgeburten vor 37 Schwangerschaftswochen, zur Verbesserung des fetalen Outcomes vor 34 Schwangerschaftswochen und eine Reduktion des Respiratory-Distress-Syndrome (RDS) bei den Frühgeborenen nachgewiesen werden.
Auswirkungen einer intrauterinen Gestagen-Exposition auf die spätere Fertilität oder die psychosexuelle Entwicklung wurden bisher nicht vermehrt beobachtet.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: In der Schwangerschaft gibt es keine Indikation für eine Therapie mit Gestagenen. Ausnahme: Progesteron und Derivate.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Die versehentliche Anwendung gestagenhaltiger hormonaler Kontrazeptiva, der "Pille danach" oder niedrig dosierter Gestagene zur Behandlung einer Amenorrhoe bis in die Frühschwangerschaft hinein erfordern keine Konsequenzen. Über das Vorgehen bei Eintritt einer Schwangerschaft unter einer liegenden "Spirale" (Mirena) muss individuell entschieden werden. Primär sollte jedoch versucht werden, das Intrauterin-Pessar zu entfernen. Ist ein hoch dosiertes Gestagenpräparat für eine andere Indikation (versehentlich) in der Schwangerschaft verabreicht worden, sollte zur Bestätigung der normalen Organentwicklung des Fetus eine Ultraschall-Feindiagnostik durchgeführt werden. 

Besser erprobte Alternativen: entfällt

Stillzeit

Pharmakokinetik: Desogestrel: HWZ: 21 h; Proteinbindung: 95-99%; molare Masse: 310; relative Dosis: 1-2%; orale Bioverfügbarkeit: 70%. Levonorgestrel: HWZ: 24 h; Proteinbindung: 65%; molare Masse: 312; relative Dosis: 1,3-2,6 % (9%); M/P-Quotient: 0,28; orale Bioverfügbarkeit: 100%. Progesteron: HWZ: 46 h; Proteinbindung: 99%; molare Masse: 314; orale Bioverfügbarkeit: gering.

Klinik: Insgesamt scheint eine niedrig dosierte Gestagentherapie im Rahmen der Kontrazeption für den gestillten Säugling gut verträglich. Hierdurch kommt es nach bisherigen Erfahrungen nicht zu Entwicklungsstörungen der Sexualorgane des Kindes oder zu stärkeren Langzeiteffekten.
Höher dosierte Gestagenzubereitungen sind hinsichtlich ihrer Kinetik und Verträglichkeit für den gestillten Säugling nicht untersucht. Sie dürften in der Stillzeit kaum Anwendung finden.

Empfehlung: Reine Gestagenpräparate (Minipille) sind in der Stillzeit die hormonellen Kontrazeptiva der Wahl. Bei Unverträglichkeit (z.B. Blutungsstörungen) sind auch Kombinationspräparate (Ethinylestradiol plus Gestagen) oder Gestagendepotpräparate (Dreimonatsspritze, gestagenhaltige "Spirale") akzeptabel. Mit der Anwendung kann sechs bis acht Wochen postpartal begonnen werden. Eine Einschränkung des Stillens ist nicht erforderlich.

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