Erstellung eines Geburtsplanes

Da bei psychischer Vorerkrankung nach der Entbindung ein deutlich erhöhtes Risiko für ein Wiederauftreten der psychischen Erkrankung besteht, sollte mit einer guten Betreuung während und nach der Schwangerschaft sowie der Entbindung (peripartales Management) zur Verhinderung einer erneuten Erkrankung (Rezidivprophylaxe) beigetragen werden. Dazu gehören frühzeitige Absprachen zu Geburtsmodus und Stillen, aber auch Überlegungen zur Medikation nach der Entbindung. Die frühzeitige Besprechung der relevanten Punkte zwischen Arzt und Patientin sowie deren Partner und die Erstellung eines "Geburtsplanes" können für Geburtshelfer und Hebammen, aber auch für die Patientin und ihre Angehörigen sehr entlastend sein.

Bipolare Störungen und die verschiedenen Psychosen haben ohne prophylaktische Medikation nach der Entbindung ein Rezidivrisiko von 40-70% in Abhängigkeit von der Art der Erkrankung (2, 4). Hinzu kommt bei diesen Störungen auch das Risiko einer Wochenbett-Depression (1). Während diese Depressionen und auch depressive Rezidive nach der Entbindung eher langsam und schleichend in den Tagen und Wochen nach der Geburt auftreten, kann dies bei bipolaren Störungen bzw. Psychosen, aber auch bei Angst- und Zwangsstörungen sehr viel abrupter und akuter geschehen. Die Vorbereitung der Geburt, die Besprechung möglicher Maßnahmen mit dem Ziel der Prävention eines Krankheitsausbruchs und auch die Frage, ob die Medikation nach der Entbindung vorbeugend verändert werden sollte, gehören ebenso zur Betreuung einer psychisch erkrankten Schwangeren vor, während und nach der Geburt wie das Thema Stillen bzw. Abstillen.

Klinischer Erfahrungshintergrund - Gynäkologische Psychosomatik Bonn

Die Zahl psychisch erkrankter Frauen, die peripartal von der Gynäkologischen Psychosomatik am Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Bonn mitbetreut werden, nimmt ständig zu. In der Praxis hat sich für die Geburtsvorbereitung dieser Frauen ein Vorgehen bewährt, bei dem die Antizipation möglicher Probleme vor, während und nach der Geburt sowie die Besprechung des möglichen Umgangs mit solchen Problemen im Vordergrund stehen. In einem Gespräch gemeinsam mit der Patientin und ihrem Ehemann bzw. sonstigen Angehörigen, das spätestens 4-6 Wochen vor der Entbindung stattfindet, werden die wichtigsten Punkte besprochen und schriftlich niedergelegt. Es erfolgt eine stichwortartige Zusammenfassung der bisherigen Krankengeschichte der Patientin, die in das zukünftige Vorgehen mit einbezogen wird.

Dieser Plan geht an die Schwangerenambulanz der Klinik (oder bei auswärtig geplanten Geburten auch an den betreuenden Geburtshelfer), und auch die Patientin bekommt ein Exemplar für ihre Unterlagen. Das gibt insbesondere der Patientin und ihrem Partner Sicherheit bezüglich des weiteren Vorgehens, und auch die einbezogenen Geburtshelfer erleben die Planung der möglicherweise notwendigen Maßnahmen als hilfreich. So können beispielsweise Unsicherheiten im Umgang mit der Patientin oder auch das Hinzuziehen eines fremden Psychiaters aus dem Krankenhaus, der vielleicht die Patientin nicht kennt, vermieden werden.

Verlauf in der Schwangerschaft aus psychiatrischer Sicht

Zu den Informationen in der Schwangerschaft zählt insbesondere, ob die Patientin unter Medikamenten schwanger wurde bzw. im ersten Trimenon Medikamente eingenommen hat. Die Angabe, welche Medikation ggf. während der Schwangerschaft erfolgte, ist wichtig, um den eventuell einbezogenen Kinderärzten Informationen über zu erwartende Auswirkungen beim Kind zu geben.

Geburt - Vaginale Entbindung oder Kaiserschnitt?

Hier erfolgt die Besprechung, ob eine Mutter sich eine Spontangeburt zutraut, ob es eventuell Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt gibt oder ob aus psychiatrischer Sicht auch eine medizinische Indikation dafür vorliegt. Gerade bei Patientinnen mit Angsterkrankungen kann dieses Thema wichtig werden. Schon die Option, einen Kaiserschnitt durchführen lassen zu können, wirkt auf viele Patientinnen entlastend, ohne dass sie diese wahrnehmen.
In diesem Zusammenhang wird ggf. auch eine Bedarfsmedikation für die Zeit der Entbindung empfohlen: Dies ist ebenfalls am ehesten bei Angsterkrankungen erforderlich, da solche Patientinnen in der Regel die Sorge haben, dass sie unter der Geburt eine Panikattacke erleiden könnten. Bedarfsmedikation könnte dann in der angemessenen und empfohlenen Dosierung konkret angegeben werden.

Literatur

  • Cohen LS et al. Jama 2006; 295: 499-507
  • Rohde A, Marneros A. Nervenarzt 1993; 64: 175 -180
  • Viguera AC et al. Amer J. Psychiatry 2000; 157: 179-184