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Erläuterung zur "Ampel"

Etanercept

Produktnamen:

  • Enbrel ®
  •  

Etanercept ist ein fusioniertes Protein, das zu einem Teil aus dem humanen Tumornekrosefaktor (TNF)-Rezeptor besteht und zu einem anderen aus humanem IgG1. Etanercept ist ein kompetitiver Inhibitor der Bindung von TNF-α an seinen zellulären Rezeptor, hemmt dessen biologische Aktivität und hat somit antiinflammatorische Eigenschaften.

Indikation: Mittelschwere bis schwere Verlaufsformen einer rheumatoiden Arthritis, einer Psoriasis-Arthritis, einer Plaque-Psoriasis, eines Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) und einer polyartikulären juvenilen idiopathischen Arthritis nach unzureichendem Ansprechen der üblichen Basistherapeutika.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: MITTEL

1. Trimenon: Eine Reihe von publizierten Fallberichten und Fallserien, sowie die 25 gegenwärtig bei uns erfassten Schwangerschaften und die bisherigen Ergebnisse der nordamerikanischen teratologischen Zentren (OTIS) mit 138 ausgewerteten Schwangerschaften (2008) haben kein Fehlbildungsmuster erkennen lassen. Ein erhöhtes Risiko für große Fehlbildungen kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Eine Veröffentlichung über ein Kind mit einer VATER-Assoziation nach mütterlicher Etanercept-Therapie hat zu Diskussionen geführt. Die Schwangere injizierte während der gesamten Schwangerschaft zweimal wöchentlich 50 mg Etanercept subkutan. Mit Ausnahme von Nierenproblemen und Auffälligkeiten der Extremitäten wies der reif geborene Junge alle Merkmale einer VATER/VACTERL-Assoziation (V: vertebral defects; A: anal atresia; T: tracheo-esophageal fistula; E: esophageal atresia; R: radial and renal problems; C: cardiac anomalies, L: limb anomalies) auf. Vergleichbare Beobachtungen nach Etanercept-Therapie liegen zurzeit nicht vor. Auch die Auswertung der "FDA database" konnte unter 22 retrospektiv erfassten Schwangerschaften mit Auffälligkeiten keine weiteren Kinder mit einer VACTERL-Assoziation ausmachen. Die Publikation weist leider auch gravierende methodische Mängel auf, so wird zum Beispiel der jeweilige Expositionszeitraum nicht genannt. Daher ist ein kausaler Zusammenhang fraglich.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Da in der Mehrzahl der Schwangerschaften Etanercept im Laufe des 1. Trimenons abgesetzt wurde, liegen für das 2. und 3. Trimenon weitaus weniger Erfahrungen vor. Bisher gibt es jedoch keine klinischen Hinweise auf fetotoxische Auswirkungen. Etanercept geht diaplazentar über und könnte theoretisch das fetale oder neonatale Immunsystem beeinträchtigen. (1/30 der mütterlichen Etanercept-Konzentration wurde nach durchgängiger Therapie im Nabelschnurblut nach 36+2 Schwangerschaftswochen gemessen. Die Etanercept-Konzentration im Serum des gesunden Mädchens nahm kontinuierlich ab, obwohl sie voll gestillt wurde.) Weitere theoretische Bedenken gegen Etanercept bestehen, da TNF-α eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Immunsystems spielt, die durch den TNF-Inhibitor gestört werden könnte.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Etanercept sollte möglichst nicht in der Schwangerschaft oder bei konkreter Planung einer solchen eingesetzt werden.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Eine sonographische Feindiagnostik sollte nach Exposition während der Organogenese durchgeführt werden. Bei einer späteren Therapie sollten Schwangerschaft und Fetus engmaschig und sonographisch überwacht werden. Die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Etanercept-Therapie sollte kritisch überdacht werden. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.

Besser erprobte Alternativen: Abhängig von der Indikation und Krankheitsaktivität, z.B. Prednison, Azathioprin.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 70 h; Molekulargewicht:150.000; orale Bioverfügbarkeit: keine.

Klinik: Es liegen nur einzelne Berichte von unter Etanercept gestillten Kindern vor. Bei einer laktierenden, nicht stillenden Mutter mit rheumatoider Arthritis wurde die Etanercept-Konzentration in der Muttermilch bestimmt und ein kleiner messbarer Transfer von max. 75 ng/ml gefunden. Ob diese Menge nach oraler Aufnahme durch einen Säugling biologisch aktiv sein kann, ist unbekannt, erscheint aber beim reifgeborenen eher unwahrscheinlich. Hingewiesen sei auf den oben erwähnten Fallbericht, bei dem die durch den diaplazentaren Übergang bedingte Etanercept-Serumkonzentration im Serum des voll gestillten Mädchens kontiniuierlich abnahm. Eine Messung zwölf Wochen nach der Geburt erbrachte keine messbare Konzentration im Serum des Säuglings, wohl aber eine geringe Konzentration von 3,5 ng/ml in der Muttermilch.

Empfehlung: Aufgrund fehlender Bioverfügbarkeit bei allenfalls geringem Übergang in die Muttermilch scheint Etanercept beim reifgeborenen (älteren) Säugling vermutlich akzeptabel zu sein. Gerne können Sie uns als Ärztin oder Arzt auch anrufen.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.