Erläuterung zur "Ampel"

Estrogene

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Estrogene

Erläuterung zur "Ampel"

Estrogene

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Synonym: Östrogene

Unter Estrogenen versteht man eine pharmakologisch heterogene Gruppe von Stoffen, die stimulierend auf das Wachstum von Uterus, Eileitern und besonders auf das Wachstum des Endometriums wirken. Außerdem führen sie zur Proliferation des Vaginalepithels, einer Zunahme der Zervixsekretion und bewirken die Weitstellung des Zervikalkanals.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Ethinylestradiol, Estradiol und Estriol.

Indikation: Zur hormonellen Kontrazeption, bei postmenopausalen Estrogenmangelsymptomen, im Rahmen der Therapie einer hypogonadotropen Amenorrhoe. Die systemische Gabe von Estrogenen sollte indikationsgerecht und bei nicht hysterektomierten Frauen in Kombination mit Gestagenen erfolgen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Eine niedrig dosierte Anwendung von Estrogenen durch Einnahme hormonaler Kontrazeptiva oder zur Behandlung einer Amenorrhoe ist durch relativ häufige versehentliche Verwendung bis in die Frühschwangerschaft hinein recht gut untersucht. Die genannten Estrogene bergen in der üblichen Dosierung offensichtlich kein nennenswertes teratogenes Risiko, auch nicht für Geschlechts- differenzierungsstörungen, wenn während des sensiblen Zeitraums nach Schwangerschaftswoche acht behandelt wurde. Der in Fallberichten aus den 70er Jahren geäußerte Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Estrogenen (z.B. in oralen Kontrazeptiva) in der Schwangerschaft und dem Auftreten von Herzfehlbildungen, der VACTERL-Assoziation (V: vertebral defects; A: anal atresia; T: tracheo-esophageal fistula; E: esophageal atresia; R: radial and renal problems; C: cardiac anomalies, L: limb anomalies) und anderen Anomalien (z.B. Hypospadien) wurde auch in einzelnen neueren Publikationen geäußert, in der Mehrzahl der durchgeführten Untersuchungen blieb er aber unbestätigt.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Es gibt kaum Erfahrungen zur Fetotoxizität von therapeutisch verabreichten Estrogenen, da sie im 2.-3. Trimenon und perinatal nicht indiziert sind. Der maternale Estrogenspiegel (natürliche Estrogene, v.a. Estradiol) ist während der Schwangerschaft ohnehin sehr hoch.
Ein Fallbericht beschreibt ein Kind mit Choreo-Athetose (rückläufig bis zum siebzehnten Lebenstag) nach versehentlicher mütterlicher Einnahme hormonaler Kontrazeptiva bis zur 30. Schwangerschaftswoche. Ein kausaler Zusammenhang wurde von den Autoren gesehen, da sich eine Chorea sehr selten auch bei Frauen entwickelt, die hormonell verhüten.
Auswirkungen einer intrauterinen Exposition mit Estrogenen auf die spätere Fertilität oder die psychosexuelle Entwicklung wurden bisher nicht vermehrt beobachtet.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Während der Schwangerschaft gibt keine Indikation für die Anwendung von Estrogenen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Nach versehentlicher Anwendung der oben genannten Estrogene in üblicher Dosierung bis in die Frühschwangerschaft hinein besteht kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch oder weiterführende Diagnostik. 

Besser erprobte Alternativen: entfällt

Stillzeit

 

Pharmakokinetik: Ethinylestradiol: HWZ: 24h; Proteinbindung: 98%; molare Masse: 296; orale Bioverfügbarkeit: 100%. Ethinylestradiol ist bei täglicher Einnahme von 50µg in der Muttermilch nicht nachweisbar. Estradiol: HWZ: 12-14 h; Proteinbindung: hoch; molare Masse: 272; M/P-Quotient: 0,08 (0,5); orale Bioverfügbarkeit: 100%. Estriol: HWZ: 0,5-1 h; Proteinbindung: 90%; molare Masse: 288; orale Bioverfügbarkeit: 100%.

Klinik: Durch Estrogene kann es zu einer leichten Verringerung der Milchmenge (besonders bei vorbestehenden Laktationsstörungen) und zur Veränderung der Zusammensetzung der Muttermilch kommen. Beides spielt bei normal ernährten Frauen kaum eine Rolle. Es gibt einen Fallbericht, nach dem ein männlicher Säugling eine Gynäkomastie unter mütterlicher Einnahme oraler Kontrazeptiva entwickelte. Estriol und Estradiol sind hinsichtlich ihrer Verträglichkeit für den gestillten Säugling nicht untersucht.

Empfehlung: Orale Kontrazeptiva der Wahl für die Stillzeit sind reine Gestagen-Präparate (Minipille). Mit ihrer Anwendung kann sechs bis acht Wochen nach Entbindung begonnen werden. Falls diese oder auch Gestagendepot-Präparate nicht vertragen werden, können auch die heute üblichen, niedrig dosierten Kombinationspräparate (Mikropille) angewendet werden. Eine Einschränkung des Stillens ist nicht erforderlich.
Sollte eine lokale Estrogenbehandlung zwingend notwendig sein, kann auch darunter weiter gestillt werden.

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