Erläuterung zur "Ampel"

Diazepam

Produktnamen:
  • Faustan ®
  • Valium ®
  • und Generika

Diazepam

Erläuterung zur "Ampel"

Diazepam

Produktnamen:
  • Faustan ®
  • Valium ®
  • und Generika

Bekanntester Vertreter der Benzodiazepine mit guter schlafanstoßender und relaxierender Wirkung; keine spezifische angstlösende Wirkung. In der Geburtshilfe auch vorübergehender Einsatz zur Wehenhemmung. Suchtpotential beachten.

Indikation: Symptomatische Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen.

Erfahrungen in der Schwangerschaft

Erfahrungsumfang: HOCH

1. Trimenon: Im Zusammenhang mit einer Benzodiazepin-Therapie im 1. Trimenon, die meisten Erfahrungen liegen zu Diazepam vor, wurde einerseits über Herzfehlbildungen, Lippen-/Gaumenspalten und komplexe andere Fehlbildungen diskutiert. In retrospektiven Fall-Kontroll-Untersuchungen wurden auch schwache, aber statistisch signifikante Assoziationen zwischen Benzodiazepinen und Lippen-/Gaumenspalten, intestinalen Atresien und Mikrozephalie erörtert. Allerdings haben andere Studien mit insgesamt mehreren tausend im 1. Trimenon exponierten Schwangeren teratogene Effekte nicht bestätigt. Selbst nach Überdosen von Diazepam in suizidaler Absicht im 1. Trimenon bei 37 Frauen wurden keine Hinweise auf teratogene Schäden beobachtet.

2.-3. Trimenon / Perinatal: Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Trimenon oder hochdosiert unter der Geburt sind schwerwiegende Symptome beim Neugeborenen möglich. Diese reichen von postpartaler Atemdepression über Anpassungsstörungen wie Muskelhypertonie, Hyperreflexie, Tremor bis zum wochenlang anhaltenden „Floppy-Infant-Syndrom“ mit Lethargie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose, Temperaturregulationsstörung und Muskelhypotonie. Neugeborene metabolisieren Benzodiazepine wesentlich langsamer als Erwachsene.

Empfehlungen zur Schwangerschaft

Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: Bei strenger Indikationsstellung Einsatz zur Sedierung und Muskelrelaxation. Diazepam sollte nur kurzzeitig verordnet werden (Suchtgefahr); ggf. Notwendigkeit einer antidepressiven Therapie bzw. anderer schlafanstoßender Medikamente prüfen. Dauertherapie im letzten Trimenon, z. B. als Zusatzmedikation zur Wehenhemmung oder Behandlung am Geburtstermin wegen möglicher neonataler Komplikationen besonders kritisch zu prüfen.

Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Sonographische Feindiagnostik zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung. Sorgfältige Schwangerschaftsüberwachung und ggf. engmaschige psychiatrische Kontakte, um rechtzeitig Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Feten (Frühgeburtsbestrebungen, Wachstumsretardierung) begegnen zu können. Bei Behandlung bis (kurz vor der) Geburt auf Symptome beim Kind in ersten Lebenstagen achten (Cave: bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme bei Mutter und Kind Entzugssymptomatik möglich).
Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um individuell das Risiko abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu besprechen! Eine individuelle Beratung können Sie über den Online-Fragebogen anfordern. Sie können uns aber auch anrufen. Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz. Die Beratung ist für Sie kostenlos.]

Besser erprobte Alternativen: Zur sedierenden und angst- bzw. spannungslösenden Akutbehandlung keine, zur Dauerbehandlung je nach Indikation, z.B. Antidepressiva bedenken. Auch nichtmedikamentöse Behandlungsmöglickeiten, z.B. Psychotherapie in Betracht ziehen.

Stillzeit

Pharmakokinetik: HWZ: 24-48 h, Metabolite: 50-80 h, Neugeborene: 20-50 h; Proteinbindung: 95-99%; molare Masse: 284; relative Dosis: 3-13%; das entspricht 4% einer therapeutischen Säuglingsdosis von 0,5 mg/kg/d; M/P-Quotient: 0,1-0,3; orale Bioverfügbarkeit: mind. 75% - 80%. Im Serum der gestillten Kinder fanden sich nur Spuren von Diazepam, jedoch bis zu 46 mg/l Desmethyldiazepam. Deutlich höhere Werte jedoch in den ersten Lebenstagen, wenn die Mutter bereits vor der Geburt wiederholt Diazepam erhalten hat und diaplazentar übertragener Wirkstoff noch nicht vom Neugeborenen ausgeschieden wurde.

Klinik: Die wenigen Fallbeschreibungen zu kindlichen Symptomen wie Lethargie, Trinkunlust, Schläfrigkeit oder EEG-Auffälligkeiten unter Diazepam in der Stillzeit vermitteln den Eindruck, dass nur wiederholt höhere Dosen von mindestens 30 mg/Tag oder eine bereits vor der Geburt begonnene Behandlung zu klinischen Auffälligkeiten führen. Mütterliche Einzeldosen scheinen beim Säugling keine Wirkungen hervorzurufen.

Empfehlung: Stillen unter Monotherapie bzw. moderater Dosierung bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel.

Wir brauchen Ihre Angaben und beraten Sie individuell

Da an Schwangeren grundsätzlich keine randomisierten Studien durchgeführt werden dürfen, beruhen Kenntnisse zur Sicherheit von Medikamenten und letztlich auch die Qualität dieser Internetseite auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

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