Wirkstoffe
Auswahlliste
Codein
- Bronchicum mono ®
- Codicaps ®
- Codicompren ®
- Codi Opt ®
- Codipertussin ®
- Codopront ®
- Makatussin Codein ®
- Optipect Kodein ®
- Tyrasol Codein ®
- Antitussivum Buerger ®
Codein ist ein Phenanthren-Alkaloid mit opiatagonistischen Eigenschaften, das früher aus Schlafmohn gewonnen wurde. Es wirkt dosisabhängig zentral analgetisch und antitussiv. Die Wirkungen werden zum Teil über die Bindung an supraspinale μ-Rezeptoren vermittelt, wobei Codein eine außergewöhnlich niedrige Affinität zu den Opiatrezeptoren besitzt. Codein wird zu Morphin metabolisiert, welches einen Teil der Wirkungen vermittelt. Beide Substanzen sind plazentagängig.
Indikation: Als Monopräparat zur symptomatischen Therapie von quälendem, unproduktivem Husten (Reizhusten); als Analgetikum vorwiegend in Kombination mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure, zum Beispiel bei Migräne.
Erfahrungen in der Schwangerschaft
Erfahrungsumfang: MITTEL
1. Trimenon: Der in den 70er Jahren geäußerte Verdacht eines Zusammenhangs zwischen Codein-Therapie und verschiedenen Anomalien wie Fehlbildungen der Atemwege, Veränderungen am Herz-Kreislauf-System sowie Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten bestätigte sich in späteren Fall-Kontroll-Studien und prospektiv ausgewerteten Schwangerschaftsdaten nicht.
2.-3. Trimenon / Perinatal: Bei Substanz-Abusus oder regelmäßiger Anwendung von Codein bis zur Geburt können beim Neugeborenen Atemdepression und Entzugserscheinungen wie Tremor, Zittrigkeit, Diarrhoe und Trinkschwäche auftreten. In Einzelfällen wurde auch über Krampfanfälle und cerebrale Durchblutungsstörungen berichtet. Dies ist aber bei antitussiver oder gelegentlicher analgetischer Anwendung nicht zu erwarten.
Empfehlungen zur Schwangerschaft
Planung einer Therapie oder Planung einer Schwangerschaft unter Therapie: In begründeten Fällen darf Codein bei hartnäckigem Reizhusten oder als Analgetikum in Kombination mit Paracetamol in allen Phasen der Schwangerschaft verwendet werden.
Konsequenzen nach Anwendung in der Schwangerschaft: Bei kurzzeitiger Anwendung im ersten Trimenon keine.
Bei regelmäßiger Anwendung bis zur Geburt, Substanz-Abusus oder falls Codein zur Substitutionstherapie bei Heroin-Abhängigkeit verwendet wird, muss beim Neugeborenen mit Atemdepression und teilweise schweren Entzugssymptomen gerechnet werden. In diesen Fällen sollte die Entbindung in einem perinatologischen Zentrum erfolgen, um eine optimale Versorgung des Kindes zu gewährleisten.
Besser erprobte Alternativen: Als Antitussivum keine.
Als Schmerzmittel kann Codein ggf. in Kombination mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure eingestzt werden, wenn Ibuprofen (bis Woche 30 zulässig) nicht ausreichend wirkt. Von den zentral wirksamen Analgetika sollten Tramadol oder auch Buprenorphin bevorzugt eingesetzt werden.
Stillzeit
Pharmakokinetik: HWZ: 3 h, Metabolite: 2,5 h; Proteinbindung: 7%; molare Masse: 317; relative Dosis: 7,9%; M/P-Quotient: 1,3-2,5; orale Bioverfügbarkeit: 100%.
Klinik: Der Hauptmetabolit des Codeins ist Morphin. Ein Fallbericht beschreibt eine schwere Opioid-Intoxikation bei einem gestillten Säugling, dessen Mutter, genetisch determiniert, Codein "ultraschnell" zu Morphin metabolisierte. Unter der mütterlichen Tagesdosis von 60 mg Codein entwickelte der Säugling zunehmend Trinkschwierigkeiten, wurde lethargisch und vertarb am 13. Lebenstag bei hohen Morphinkonzentrationen in seinem Blut und in der Muttermilch. Die Häufigkeit dieses genetischen Polymorphismus des Cytochrom P 450 2D6 Allels, das für den Metabolismus des Codeins zuständig ist, variiert deutlich zwischen unterschiedlichen Populationen und soll in Nordeuropa bei 1% der Bevölkerung zu finden sein (bei Äthiopiern bis 29%). Der ursächliche Zusammenhang zwischen der Codein-Analgesie bei der stillenden Mutter und dem Tod des jungen Säuglings wird von anderen Autoren infrage gestellt, u.a. weil der Säugling zunehmend Trinkschwierigkeiten entwickelte und deshalb garnicht mehr zur Aufnahme letaler Medikamentenmengen imstande gewesen sein könne. Abgesehen von diesem Einzelfall werden analgetische und antitussive (Einzel-)Dosen gut vertragen. Bei Müttern, die nicht zu den schnellen Metabolisierern gehören, führten Tagesdosen unter 240 mg Codein (analgetische und antitussive Dosen liegen wesentlich niedriger) nicht zu schwerwiegenden Symptomen beim gestillten Kind.
Empfehlung: Bei zwingender Indikation kann Codein in antitussiven Dosen kurzzeitig (nicht länger als zwei bis drei Tage) auch während der Stillzeit verwendet werden. Alternativ kommt Dextromethorphan in Frage. Als Schmerzmittel sollte es mit Paracetamol kombiniert oder Ibuprofen bevorzugt werden. Sollte ein Opioid notwendig sein, können Fentanyl oder Morphin primär eingesetzt werden, da hier die oben genannte genetische Komponente keinen Einfluss hat. Alle Opioidanlgetika sollten in der Stillzeit nur für kurze Zeit angewendet werden. Bei Kindern mit Apnoeneigung ist besondere Vorsicht geboten.
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